Mein Südsudan-Tagebuch - Teil 01
Geht dieses Land an Erschöpfung zugrunde?

Die Hütten, in denen der Hunger wohnt. Misstrauen verschärft die Nahrungsnot.
  • Die Hütten, in denen der Hunger wohnt. Misstrauen verschärft die Nahrungsnot.
  • Foto: Fotos: Caritas
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Erster Tag, 26. Mai: Kleine Beobachtung im Flugzeug: Mindestens ein Drittel des aktuellen Unterhaltungsprogramms – Filme, Musik – ist asiatisch bzw. chinesisch. Lässt einiges an Schlüssen zu, wer sich hauptsächlich für Afrika „interessiert“. In der Transfer- und Abflughalle beim Zwischenstopp in Addis Abeba, Äthiopien, bietet sich ein herrliches Bild der Diversität Afrikas, von den in Burka gehüllten Frauen Somalias bis zu den nigerianischen Geschäftsleuten.

Schließlich Ankunft in Juba. Aufgrund der verheerenden Sicherheitslage sehr viel Militär und Polizei auf dem Gelände. Schwüle Hitze, entsprechender Schweiß. Ab ins Auto, Fahrt vorbei an den ersten Blechhütten und improvisierten Zelten, unmittelbar am Flughafengelände. Die vielen Vertriebenen des Landes trotzen der Polizei. Vor zwei Wochen wurde in den Straßen von Juba noch geschossen.

Am späten Nachmittag Treffen mit dem Team der St. Vinzenz de Paul Society. Eine beeindruckende Gruppe hauptsächlich ehrenamtlich arbeitender Männer, die alle einem anderen Stamm angehören. Trotzdem alle ein Team, das sich der Sorge um die Ärmsten im Sinne des heiligen Vinzenz von Paul und des seligen Frédéric Ozanam hingibt. Die Liebe überwindet die menschlichen Barrieren aufgrund einer Stammeszugehörigkeit und noch viele andere Blödheiten!

Hab und Gut auf dem nackten Lehmboden

27. Mai: Treffen mit Simon Muchiri, dem Finanzkoordinator der Diözese Rumbek. Simon erzählt: Aktuell haben die meisten Leute nur vier Mahlzeiten pro Woche. Es gibt extreme Spannungen zwischen den Stämmen. Die Schulbildung ist bei weitem nicht ausreichend. Fast jede und jeder ist traumatisiert. Aufgrund der vielen Kriegsjahre ist das Misstrauen gewachsen. Die Menschen sprechen nicht miteinander.

Die Diözese bietet in dieser Situation den verschiedenen Gruppen und Communities Dreijahresprogramme zur Versöhnung an. Die Diözese Rumbek ist so groß wie die Schweiz, hat ca. 1,5 Millionen Einwohner und nur neun Diözesanpriester. Seit 2011 kein Bischof. Viele katholische Orden und Gemeinschaften arbeiten in Rumbek – die Salesianer, die Jesuiten, Missionarinnen der Nächstenliebe von Mutter Teresa … besonders die Loretto-Schwestern führen großartige Bildungsprojekte.

Fahrt in die Randbezirke von Juba. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Vinzenzgemeinschaft suchen bewusst die Ärmsten auf. Wir dürfen die Hütte einer alten Frau betreten, die von der Nachbarschaft für sie gebaut wurde. Leider unterschwemmt es sie bei der Regenzeit immer, so dass ihr Hab und Gut, das sich auf dem nackten Lehmboden befindet, immer in Mitleidenschaft gezogen wird. In der einen Ecke der Baracke ihre extrem schlichte, sagen wir primitive Kochstelle – zwei Steine und ein Eisenring darüber.

Was braucht der Mensch eigentlich? Eine harte Schule der Entbehrung, für diese Bewohnerin Alltag.

 

 

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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