Weltkirche
Fake-Papst im Netz
KI-gefälschte „Predigten“ von Leo XIV. fluten das Internet.
Die Warnung klingt dringend, Stimme und Sprache verblüffend echt. „Der Himmel ist schwer von Prophezeiungen. Die Himmelsuhr tickt ihre letzten Sekunden“, schärft Leo XIV. seinen Zuhörern ein, sich auf das Weltende vorzubereiten. Auf Youtube verbreitet sich die angebliche Predigt des neuen Papstes wie ein Lauffeuer. Auch unter Katholiken, die neugierig sind, was der Pontifex zu sagen hat. Nur – nichts davon ist echt. Die mahnenden Worte entstammen den digitalen Untiefen der Künstlichen Intelligenz (KI). Die Stimme ist so manipuliert wie die Leo in den Mund gelegten Sätze.
Seit der Wahl von Papst Leo XIV. am 8. Mai überschwemmen KI-generierte „Deep Fake“-Videos das Netz. Die Agence France Presse identifizierte in einer Recherche Dutzende Youtube- und Tiktok-Kanäle, die falsche Predigten unter dem Namen des neuen Papstes verbreiten.
Gläubige fallen reihenweise auf die über soziale Medien verbreiteten Fälschungen herein – sogar wenn die Videos als KI-generiert gekennzeichnet sind. Priester werden nach den Fake-Videos gefragt. Manche fürchten, dies sei erst der Anfang eines massiven Problems, das auf die Kirche zukommt. Ein spanischsprachiges Tiktok-Video, in dem Leo XIV. angeblich über die Rolle von Frauen predigt, erreichte 9,6 Millionen Aufrufe. Zum Vergleich: Kein Video auf dem offiziellen Instagram-Account des Papstes hat über sechs Millionen Aufrufe.
„Es gibt natürliches Interesse daran, was der neue Papst zu sagen hat, und die Menschen kennen bisher nicht seine Haltung und seinen Stil“, erklärt Oren Etzioni, em. Informatik-Professor an der University of Washington und Gründer von TrueMedia.org:
„Eine perfekte Gelegenheit, mit KI-generierter Desinformation Unheil zu stiften.“
Der Vatikan reagiert alarmiert auf die Flut gefälschter Inhalte und erinnert daran, dass „alle Reden, Ansprachen und Texte von Papst Leo XIV. vollständig auf vatican.va eingesehen werden können.“ Der Papst selbst ist sich der Herausforderungen durch KI bewusst: Mit ihrem immensen Potenzial erfordere sie Verantwortung und Unterscheidungsvermögen, „um sicherzustellen, dass sie zum Wohl aller eingesetzt werden kann“, sagte er im Mai in einer Ansprache an die Medien.
Bernd Tenhage/Kathpress
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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