Kirche Steiermark
Von Gott und Götzen
- Prof. Hans-Joachim Sander (l.) war der Festredner beim Dies Academicus der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz – hier vertreten von Dekanin Katharina Pyschny (Mitte) und Vizestudiendekanin Martina Bär (r.).
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Erster Dies Academicus der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz zum aktuellen Thema „Demokratie“.
Wissenschaft braucht Demokratie, und Demokratie braucht Wissenschaft“, betonte Prof.in Martina Bär, Vizestudiendekanin der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz am 19. März, beim ersten Dies academicus. Die Fakultät hatte ihn unter das Thema „Demokratiefähig? Theologie angesichts des Rechtsrucks in Österreich“ gestellt. Uni-Graz-Rektor Prof. Peter Riedler zeigte sich dankbar für diese Initiative – zu einem Thema, das auch Universitäten herausfordert. Dekanin Prof.in
Katharina Pyschny hielt fest, dass die Theologie in Zeiten autoritärer und teils wissenschaftsfeindlicher Strömungen nicht nur gefragt, sondern verpflichtet sei, Polarisierung entgegenzuwirken und ein Denken, das auf Menschenwürde, Gerechtigkeit und Solidarität fußt, zu stärken.
Gott ist ein Demokrat. In der aktuellen Phase des gesellschaftlichen Rechtsrucks und einer zunehmenden Infragestellung der Demokratie könne Theologie einen wichtigen Dienst leisten, um „Demokratiefähigkeit“ zu bewahren, formulierte der Festredner Prof. Hans-Joachim Sander. Demokratien würden derzeit vielerorts unter Druck stehen und seien Demütigungen durch Rechtspopulismus ausgesetzt, der seine Legitimation u. a. daraus ziehe, dass er Gott auf seiner Seite wähne. Dies müsse die Theologie klar als Götzen benennen und kritisieren, erklärte der Salzburger Theologe.
Der Rechtspopulismus greife derzeit nicht nur nach seinen Feinden aus und versuche sie zu demütigen – er attackiere auf diese Weise auch Demokratien, so Sander weiter. Diese seien den Angriffen nicht zuletzt deswegen so hilflos ausgesetzt, weil Demokratie eine Herrschaftsform sei, der es durch ihre Bindung an die Menschenrechte verboten sei, selbst ihre Feinde zu demütigen. Ähnlich arbeitete Sander theologisch heraus, dass „Gott seine Feinde nicht demütigen“ könne, sondern auf der Seite der Gedemütigten stehe und diese bestärke. Insofern sei „Gott ein Demokrat“, so Sander.
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Verfaulter Gott. Das kritische Potenzial der Theologie richte sich im gesellschaftlichen Rechtsruck aber auch gegen die eigenen Religionsgemeinschaften, falls diese der Versuchung erlägen, in der Phase ihres Abstiegs „mit den Wölfen zu heulen“ und sich auf die Seite des Rechtspopulismus zu schlagen: „Eine Religionsgemeinschaft, die mit dem Rechtsruck heute heult und dafür ihren Gott hergibt, der verfault dieser Gott unter ihrer Hand zu einem Götzen“. Eine solche, nach außen wie nach innen kritische „demokratiefähige Theologie“ sei harte Arbeit, aber heute dringend geboten, resümierte Sander.
Im Anschluss an den Vortrag diskutierten in einem Podiumsgespräch unter Leitung von Till Schönwälder (Die Furche) die Grazer Politikwissenschafterin Katrin Praprotnik, die Generalsekretärin der Katholischen Aktion Steiermark, Anna Hollwöger, und der Theologe und Journalist Henning Klingen (Kathpress) u. a. über politische Handlungsmöglichkeiten von Theologie und Kirche.
Kathpress/K. Grager
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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