Rom
Ein Sessel nahe am Fenster
- Menschen beten weltweit für Papst Franziskus, so auch viele Jugendliche vor dem Gemelli-Krankenhaus in Rom am 23. Februar 2025.
- Foto: KNA
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Seit vielen Jahren gibt es im römischen „Policlinico Universitario Agostino Gemelli“ im obersten Stockwerk einen eigenen Trakt für das katholische Kirchenoberhaupt.
Papst Franziskus in weißem Gewand samt Brustkreuz, sein mit der Scheitelkappe bedeckter Kopf ruht auf dem Kissen eines Krankenbetts, während er durch eine grüne Maske über Mund und Nase beatmet wird: Ein offensichtliches Fake-Foto, das gerade in Sozialen Medien kursiert. Denn Franziskus wird nicht in vollem Ornat behandelt, sondern trägt nach Aussage seiner Ärzte einen Pyjama. Falls nötig, erhält er Sauerstoff über zwei kleine Nasenschläuche. Zudem muten die künstlerisch reich verzierten Wände übertrieben für eine Klinik an. Doch mit einem einfachen Einzelzimmer oder gar einem Mehrbettzimmer muss das Oberhaupt von rund 1,4 Milliarden KatholikenInnen auch nicht vorliebnehmen.
Eigener Trakt für das Kirchenoberhaupt
Im bekanntesten römischen Krankenhaus „Policlinico Universitario Agostino Gemelli“ gibt es auf dem obersten Stockwerk einen eigenen Trakt für das katholische Kirchenoberhaupt, in dem es – abgeschirmt von der Öffentlichkeit – behandelt wird. Die Krankenwohnung lässt sich über einen eigenen Aufzug und einen streng bewachten Flur erreichen. Für den Papst gibt es ein Krankenzimmer, und auch für seine Begleiter stehen Räume zur Verfügung. Es gibt ein Wohnzimmer, einen Besprechungsraum, Sekretariate und eine Privatkapelle.
Zugang zu dem Trakt hat neben dem medizinischen Personal nur der engste Stab des Papstes – Sicherheitsbeamte und Sekretäre. Besucher sollen dem an diversen Infekten erkrankten Papst nicht zu nahe kommen. Seine Mitarbeiter versorgen Franziskus derzeit mit jener Arbeit, die nicht liegenbleiben kann. Darum gibt es weiterhin personelle Veränderungen in der katholischen Weltkirche: Neben üblichen Bischofswechseln ernannte Franziskus die erste Regierungschefin des Vatikanstaats vom Krankenbett aus.
Das Klinikum als eine Art „Nebenvatikan“
Franziskus’ Vorvorgänger Johannes Paul II. (1978–2005) war der erste Papst, der den speziellen Kliniktrakt im zehnten Stock zur medizinischen Behandlung nutzte. Wegen seiner häufigen Aufenthalte bezeichnete er das Klinikum einmal scherzhaft als eine Art „Nebenvatikan“. Eingerichtet wurde der Papst-Trakt im Gemelli nach dem plötzlichen Tod von Johannes Paul I. 1978.
Anders als der amtierende Pontifex ließ sich Johannes Paul II. im Krankenbett fotografieren. Die Gemelli-Klinik hat in einem Flur ein kleines Museum eingerichtet, das die Krankenhausaufenthalte des polnischen Papstes dokumentiert. Aufwendig verzierte Wände finden sich auf den Bildern nicht. Ebenso wenig trägt Johannes Paul II. ein Gewand. Einige Fotos zeigen ihn jedoch in einem Sessel nahe einem Fenster sitzend – vielleicht ist das jener, den auch Franziskus laut Vatikan regelmäßig nutzt.
Severina Bartonitschek (KNA), 24. Februar 2025
Gemelli-Klinik
Seit Tagen liegt Papst Franziskus in der römischen Gemelli-Klinik. Sowohl medizinisch, als auch räumlich ist der 88-Jährige gut versorgt. Für ihn heißt es im Krankenhaus Wohnung statt Mehrbettzimmer.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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