Der die Richtung vorgibt

Als erster Argentinier und auch als erster Jesuit wurde Kardinal Jorge Mario Bergoglio am 13. März 2013 zum Papst gewählt – im Bild: Sein erster Auftritt nach der Wahl auf der Loggia des Petersdoms. Als Papst Franziskus sind ihm besonders die Armen ein großes Anliegen. | Foto: KNA
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  • Als erster Argentinier und auch als erster Jesuit wurde Kardinal Jorge Mario Bergoglio am 13. März 2013 zum Papst gewählt – im Bild: Sein erster Auftritt nach der Wahl auf der Loggia des Petersdoms. Als Papst Franziskus sind ihm besonders die Armen ein großes Anliegen.
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Zum 85. Geburtstag von Papst Franziskus am 17. Dezember 2021 erzählen Freunde und Familie über Kindheit und Jugend des Argentiniers mit italienischen Wurzeln.

Jorge Mario Bergoglio wird am 17. Dezember 1936 als ältestes von fünf Kindern italienischer Einwanderer in Buenos Aires geboren – und wird heuer 85. Sein Vater arbeitete als Buchhalter bei der Eisenbahn. Manchmal brachte er am Wochenende Büroarbeit mit nach Hause – für Papst Franziskus nach eigenen Worten ein Grund für seine Abneigung gegen Wirtschaftsthemen.

Omas Zettel im Gebetbuch
Franziskus ist ein Familienmensch. Das zeigt sich auch in vielen seiner Predigten und Ansprachen. Immer wieder zitiert er etwa Lebensweisheiten seiner Großmutter. Rosa Margherita Bergoglio muss eine couragierte Frau gewesen sein: In der Kirche ihres norditalienischen Heimatdorfs stieg sie einmal auf die Kanzel, um Benito Mussolini den Marsch zu blasen. Angeblich war das ein Grund für die Auswanderung nach Argentinien. Oma Rosa lehrte den heutigen Papst das Beten: „Sie hat mir viel beigebracht in Glaubensdingen.“ Noch heute, so heißt es, habe er einen Zettel von ihr im Gebetbuch, ein geistliches Testament an die Enkel.

Sie sind wie eine katholische Bilderbuchfamilie: Die Eltern, José Mario Francisco Bergoglio und Regina Maria Sivori, lernen sich jung kennen in der Kirche und heiraten 1935. Die Mutter ist eine begnadete Köchin, von der Schwiegermutter erbt sie das Geheimnis hausgemachter Pasta. Den Vater José beschreiben Papstbiografen als liebevolles Familienoberhaupt. Den Sonntag begehen Eltern und Kinder mit Messbesuch und großem Mittagessen.

Lesen, Religion und Fußball
Zwar vom „anderen Ende der Welt“, wie sich Franziskus selbst beschrieb, war er doch ein ziemlich normaler Junge, wie es scheint. Als Zwölfjähriger schrieb Jorge dem Nachbarsmädchen Amalia einen Liebesbrief: Er werde ihr ein Haus kaufen. Ihre Eltern schritten ein, und aus dem Immobilien-Deal wurde nichts.

Ansonsten hatte der kleine Jorge vor allem drei Dinge im Kopf: Lesen, Religion und Fußball. Grundstein für seine unverbrüchliche Liebe zu Atletico San Lorenzo de Almagro, dem Club seines Stadtteils Flores, waren Lorenzos Meisterjahr 1946 und ein gemeinsamer Stadionbesuch mit seiner Familie. Das Straßenkicken hat Jorge noch vor der Theologie gelernt: an der Membrillar Nummer 531, seinem Geburtshaus – heute eine feste Station jeder päpstlichen Stadtführung. Ein Schulkollege meint, der kleine Jorge sei beim Fußball nie ein begnadeter Techniker gewesen, aber dafür ein großer Taktiker: Er habe das Team aufgestellt und die Richtung vorgegeben.

Jorges jüngste Schwester, die heute 74-jährige Maria Elena Bergoglio, ergänzt eine weitere Leidenschaft. Ihr Bruder habe schon immer gern am Herd gestanden: „ein großer Koch“ – allerdings mit schwacher Lunge. Mit 21 hätte ihn eine Lungenentzündung fast das Leben gekostet. Die Entfernung eines Teils der Lunge brachten Jorge Bergoglio durch – und am Ende an die Spitze der katholischen Kirche und die Schwelle zum Jahr 2022.
Im Juli 2021 übersteht der Papst eine schwere Darm-OP. Sein Neffe José Luis Narvaja, selbst Jesuit, beschreibt Franziskus trotzdem als „sehr aktiv und enthusiastisch“. Er schalte nicht ab.
Als Leitmotive seines Onkels nennt Narvaja „Christus ist keine Statue und der Papst kein Manager“ und eine große Wertschätzung des einfachen Menschen – „die Heiligkeit von nebenan“.

Jorge Mario Bergoglio
1936 in Buenos Aires geboren. Nach Schulabschluss als Chemietechniker 1958 Eintritt
bei den Jesuiten. 1969 Priesterweihe. 1992 Weihbischof. 1998 Erzbischof. 2001 Kardinals-ernennung. 2013 Wahl zum Papst.

Als erster Argentinier und auch als erster Jesuit wurde Kardinal Jorge Mario Bergoglio am 13. März 2013 zum Papst gewählt – im Bild: Sein erster Auftritt nach der Wahl auf der Loggia des Petersdoms. Als Papst Franziskus sind ihm besonders die Armen ein großes Anliegen. | Foto: KNA
Eine große Leidenschaft von Papst Franziskus ist Fußball – hier beim Tischkicker-Spielen nach einer Audienz. | Foto: KNA
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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