Einfach Glauben - Teil 6
Christus umspannt Welt und Zeit

Der Siegeszug des Lichtes ist unaufhaltsam, selbst wenn sich Nebelschwaden vorschieben.
  • Der Siegeszug des Lichtes ist unaufhaltsam, selbst wenn sich Nebelschwaden vorschieben.
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Wir erinnern uns kaum an Einzelheiten in Religionsstunden, Vorlesungen oder Predigten. Aber manchmal gräbt sich eine Situation, ein Wort ein, das man nicht vergisst. Es war eine Nachmittagsvorlesung im großen Hörsaal der Theologischen Fakultät Innsbruck. Die Sonne fiel herein, die Bergzacken grüßten über die Dächer. Karl Rahner schritt vorne auf dem Podium auf und ab und trug frei in lateinischer Sprache vor. Er sprach in manchmal komplizierten Sätzen über die Christologie, die Lehre von Christus. Er rang um Worte, blieb plötzlich stehen und sagte sichtlich überwältigt in deutscher Sprache: „Die Botschaft von Jesus Christus ist unüberholbar.“

 

Ja oder Nein zu Christus

Um etwas von der existenziellen Ergriffenheit des großen Denkers Karl Rahner zu vermitteln, nähere ich mich dem zweiten Teil des Jesuswortes in den Abschiedsreden in Joh 14,1 an: „Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich!“ Wir sind im eigentlichen Kern unseres Christseins. Von unserem Ja oder Nein zu diesem geheimnisvollen Christus hängt alles ab. Welche ehrliche Antwort auf die Frage „Glaubst du, dass Jesus von Nazaret wirklich Gott und Mensch ist?“ würde ich heute von jemand, der sich Christ nennt, bekommen?

 

Jesu Zeitgenossen verstanden ihn nicht

Auch zur Zeit Jesu war es nicht leicht zu fassen. In seiner Heimatstadt Nazaret erlebt das Jesus ganz massiv. „Was will er denn? Ist er nicht der Sohn Josefs, des Handwerkers? Wofür hält er sich?“ heißt es in Mk 6. Viele Zeitgenossen konnten mit ihm nichts mehr anfangen, als Jesus in der Synagoge von Kafarnaum deutlich wurde und sagte: „Ich bin das Brot des Lebens, das vom Himmel herabgekommen ist…“ und „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben“.

Der Massenabfall begann, die Vereinsamung des Herrn wurde so groß, dass er zu seinen Jüngern sagte: „Und ihr, wollt ihr auch gehen?“ Petrus hat das mutige Wort gesprochen: „Herr, wohin sollen wir gehen, du allein hast Worte des ewigen Lebens!“

 

Christus ist das Alpha und Omega

Der Gott der alt- und neutestamentlichen Offenbarung ist ein Gott der dynamischen, personalen Liebe. Nach innen zeigt er sich im Mysterium der Dreifaltigkeit, nach außen in der Schöpfung, Entfaltung des Menschen, in der Menschwerdung. Gott holt seine Schöpfung in die Vollendung. Der französische Jesuit Teilhard de Chardin hat diese Reise der Liebe, die in Christus solidarisch mit dem brüchigen Menschen wird, in die Punkte Alpha und Omega zusammengefasst. Durch alle Rätsel des Leides und Bösen hindurch wird sich diese Liebe des Unendlichen behaupten.

Thomas von Aquin hat im Mittelalter formuliert, dass der einzige Sinn des Universums letztlich nur die Entfaltung der göttlichen Liebe sein kann. Die überwältigende Vision, die im Glauben an Jesus Christus als Gott und Mensch gipfelt, hat Karl Rahner in jener unvergesslichen Nachmittagsstunde im Hörsaal der Fakultät gemeint.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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