Serien - Teil 3
Aber hat er nicht seine Frau verraten, die Kinder verlassen?

Franz und Franziska, seine Mutter und die drei Kinder scheinen die endgültige Trennung schon zu ahnen.
  • Franz und Franziska, seine Mutter und die drei Kinder scheinen die endgültige Trennung schon zu ahnen.
  • Foto: Foto: Erna Putz
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Franz Jägerstätter lernte 1935 Franziska Schwaninger kennen, sie heirateten am Gründonnerstag 1936. Der Weg Franz Jägerstätters wäre ohne seine Frau nicht möglich gewesen. Sicher war es sein ureigener Weg in der Einsamkeit seiner Gewissensentscheidung. Der Wille Gottes war aber gerade auch durch Franziska vermittelt worden.

Franz schreibt: „Vom Einfluss einer Frau auf den Mann erwartet der Apostel mehr als von der Predigt eines Missionars.“ Und Franziska: „Wenn ich nicht zu ihm gehalten hätte, dann hätte er niemanden gehabt.“

Franz Jägerstätter erfährt seine Ehe als Beweis für die Liebe und Existenz Gottes. Beide Eheleute stärken sich gegenseitig im Glauben. Ihre Briefe aneinander sind Ausdruck der Liebe, der Sorge, des Vertrauens und der Treue. Die Briefe geben Anteil am Alltag, an der Arbeit und an der Lebenswelt, an der Frömmigkeit und am Kirchenjahr, an den Beziehungen zu Nachbarn und Verwandten.

Die Briefe sind auch Zeugnis für die Gebets- und Glaubensgemeinschaft zwischen beiden. Sie bezeugen Franz Jägerstätter, der wie Johannes der Täufer hinstand für die Wahrheit und für die Gerechtigkeit, sie geben Zeugnis von Franziska, die beistand wie die Mutter Maria („stabat mater“).

Zeichen einer glücklichen Ehe sind die Briefe. „Ich kann Ihnen auch versichern, dass unsere Ehe eine von den glücklichsten war in unserer Pfarre… Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen im Himmel“, schreibt Franziska Jägerstätter am 5. September 1943 an Pfarrer Heinrich Kreutzberg in Berlin.

Aber hat er nicht seine Frau verraten, hat er seine Kinder nicht im Stich gelassen, hat er sich nicht gegen das vierte Gebot versündigt? Mit solchen Fragen wurde er angesichts seines Todes konfrontiert. Und auch gegenwärtig versperren solche Vorwürfe für manche noch den Zugang zum Lebens- und Glaubenszeugnis Franz Jägerstätters.

Er selbst schreibt am 8. August 1943, am Tag vor seiner Hinrichtung, an seine Frau Franziska: „Ich wollte, ich könnte Euch all dieses Leid, das Ihr jetzt um meinetwegen zu ertragen habt, ersparen. Aber Ihr wisst doch, was Christus gesagt hat: ‚Wer Vater, Mutter, Gattin und Kinder mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.‘“

Jägerstätter ringt mit der Spannung zwischen seiner Gewissenseinsicht und seiner Familie: „Jesus will keinen Unfrieden in die Familie bringen, der aus Lieblosigkeit und Eigennutz entsteht; er will aber auch keinen faulen Frieden unter Verletzung der Gewissenspflicht.“ Und er möchte nicht durch eine Lüge sein Leben verlängern. Es ist der Mut zur Wahrheit und zur Gerechtigkeit, die Franz Jägerstätter in den Tod führen. Es ist das Ja zum Leben und zur Liebe, die ihn zum Märtyrer werden lassen.

Franz vergleicht sein Schicksal und das seiner Frau mit jenem Schmerz, den Jesus seiner Mutter zumuten musste, als er die Passion auf sich nahm. So hat der Tod die Ehe zwischen Franz und Franziska nicht getrennt und die Liebe zwischen den beiden nicht aufgelöst. Gott hat diese Liebe durch das Kreuz hindurchgeführt zur Vollendung.

Deshalb ist die Seligsprechung von Franz Jägerstätter am 26. Oktober in Linz auch eine Anerkennung dieser Ehe als „ecclesiola“, wie sie vom Zweiten Vatikanischen Konzil bezeichnet wird, einer wahren „Kirche im Kleinen“.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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