FranzisCa-Frauenwohnhaus
Tiefe Wunden heilen

Für Nikolaus, Advent und Weihnachten wird im FranzisCa Frauenwohnhaus gemeinsam viel vorbereitet.
  • Für Nikolaus, Advent und Weihnachten wird im FranzisCa Frauenwohnhaus gemeinsam viel vorbereitet.
  • Foto: Caritas
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Zeit und Raum für neues Leben bietet das FranzisCa-Frauenwohnhaus in der Georgigasse in Graz-Eggenberg Frauen, die eine Flucht hinter sich haben und von Gewalt betroffen sind.

Ein Garten, ein Spielplatz, gemütliche private Wohneinheiten: Das FranzisCa-Frauenwohnhaus der Caritas in der Grazer Georgigasse bietet Frauen, die eine Flucht hinter sich haben, einen Platz, wo sie ankommen und sich sicher fühlen können. Oft erstmals in ihrem Leben. „Die meisten Frauen kommen aus Lebenssituationen, in denen Gewalt zum Alltag gehört“, beschreibt Verena Gallob, stellvertretende Leiterin des Hauses, den Hintergrund. Oft sei es strukturelle Gewalt, die verhindere, dass Frauen sich bilden, ein eigenständiges Leben aufbauen und selbstständig über ihre Leben entscheiden könnten. Vielfach haben sie aber auch physische Gewalt erlebt. Oft in Zwangsehen, durch Genitalbeschneidung, aber auch sehr häufig auf der Flucht.
Die Caritas hat mit wachsender Erfahrung in der Betreuung von Flüchtlingen auf diese besondere Situation von Frauen auf der Flucht reagiert und im Jahr 2000 erstmals eine eigene Unterbringung für Frauen eingerichtet, die auf engmaschige Begleitung und psychologische Unterstützung setzt. Nach Stationen in der Metahofgasse und in der Kalvarienberggasse hat das Caritas-Frauenwohnhaus im Jahr 2016 seine Heimat unter dem Dach der Kooperation „FranzisCa“ mit den Franziskanerinnen in der Georgigasse gefunden.

Eine Gemeinschaft, von der die untergebrachten Frauen stark profitieren. Denn die nahegelegene Schule erleichtert die Tagesorganisation. Viele gemeinsame Projekte mit den Schwestern und mit Ehrenamtlichen, wie Basteln, Ausflüge oder die Organisation gemeinsamer Feste, helfen bei der Integration. Dies alles trägt dazu bei, dass die Kinder ein gutes Lebensgefühl und die Mütter wieder eine Perspektive entwickeln.

So wie bei Petimat: Die heute 33-jährige Tschetschenin musste mit ihrer Familie die Heimat verlassen, weil ihr Mann als Oppositioneller gefährdet war. Gemeinsam kamen sie 2012 nach Österreich. Dort floh sie ein zweites Mal – vor ihrem Mann, der Gewalt gegen sie ausübte, und kam mit ihrem Kind ins Frauenwohnhaus. Anfangs lebte sie in ständiger Angst, ihr Mann könnte sie finden oder ihre damals siebenjährige Tochter entführen. Erst allmählich, mit Unterstützung, Beratung und psychotherapeutischer Begleitung gelang es ihr, sich zu stabilisieren und sich neu zu orientieren. Sie besuchte einen Deutschkurs, half als Freiwillige beim Roten Kreuz und beteiligte sich an Arbeiten, die im Rahmen von Remunerantentätigkeit im Haus möglich waren.
Ihre Tochter wird als gute Schülerin demnächst die Pflichtschule abschließen und möchte aufs BORG gehen. Petimat hat nun endlich, nach schwierigem Verlauf ihres Asylverfahrens, die Rotweißrot-Card Plus erhalten. Die ausgebildete Verkäuferin hat Arbeit und eine eigene Wohnung gefunden und ist nach acht Jahren aus dem FranzisCa-Frauenwohnhaus ausgezogen. „Man muss den Frauen Zeit geben“, hat Verena Gallob erfahren. „Die Wunden sind oft tief, aber die Frauen haben ein großes Durchhaltevermögen und bewundernswerte Kraft.“

Irmgard Rieger

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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