Glaube
Netzwerk statt Institution

Welche Priester braucht eine synodale Kirche? Mit welchen Verlusterfahrungen, Erwartungen und Dilemmata sind Priester heute konfrontiert? Darüber wurde in Seggau ein intensiver Austausch gepflegt. | Foto: Neuhold
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  • Welche Priester braucht eine synodale Kirche? Mit welchen Verlusterfahrungen, Erwartungen und Dilemmata sind Priester heute konfrontiert? Darüber wurde in Seggau ein intensiver Austausch gepflegt.
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Bei der Priesterwoche auf Schloss Seggau waren die Studientage dem „Priester-Sein in einer synodalen Kirche der Gastlichkeit“ gewidmet.

Wie kann trotz der Polarisierung in der Gesellschaft soziale Verbundenheit gelingen? Von dieser Frage ging Bernd Hillebrand, Hauptreferent bei der diesjährigen Priesterwoche, bei seinen Überlegungen zum Priester-Sein in der Welt von heute und in einer synodalen Kirche aus. Er beleuchtete unterschiedliche Priesterbilder, zeigte Ursachen für Überforderung auf und ermutigte zu einer Haltung der Gastlichkeit. Dabei verband der in Graz lehrende Pastoraltheologe praktische seelsorgliche Erfahrungen geschickt mit theologischen Grundlagen und zeitdiagnostischen Beobachtungen.
Die Verflüssigungsprozesse, die wir gesellschaftlich heute erleben, seien mit erheblichen Verlusterfahrungen verbunden. Als Reaktion darauf ortet Hillebrand eine Sehnsucht nach Eindeutigkeit und den Rückzug in geschlossene Systeme. Es sei aber notwendig, auch mit Abweichendem und Irritierendem umgehen zu lernen.
Die Kirche und besonders das Amt des Priesters kenne äußere Verlusterfahrungen wie den Verlust an Macht und Einfluss, an institutioneller Steuerung, an geistlicher Autorität oder an der Zahl des Kirchenbesuchs und innere wie den Verlust an Anerkennung, an Erfolgsgeschichten oder an Relevanz. Es brauche Trauerarbeit, um solche Erfahrungen aufzuarbeiten.

Eine mögliche Antwort darauf ist für Hillebrand die Bildung von Netzwerken. Er ist überzeugt: „Die Gesellschaft braucht die Kirche als Ort der Verbundenheit, wo Werte diskutiert werden.“ Die Verflüssigung bringe es zwar mit sich, dass sich Menschen von der Kirche verabschieden, sei aber für diese auch eine Chance, in einer neuen Weise und veränderten Gestalt präsent zu sein.

Bernd Hillebrand, Professor für Pastoraltheologie an der Universität Graz, gestaltete heuer den Studienteil der Priesterwoche. | Foto: Neuhold
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In Netzwerken sei nicht das Institutionelle und Hierarchische entscheidend. „Beziehung lässt sich nicht festhalten.“ Knotenpunkte in Netzwerken entstünden durch Storys. Menschen gingen dorthin, wo sie ein Potenzial zu Sinnerfahrung, Gemeinschaft und Ereignissen vermuten.

Während eine Kirche, die sich als Institution betrachtet, eher ein sakrales Priestertum ausbilde, bei dem der Priester sich über die Sakramentenspendung definiert und allein Entscheidungen trifft, betone eine Kirche, die sich als Netzwerk begreift, die diakonale Dimension des Priesters, Entscheidungen würden durch Einbindung getroffen. Netzwerke seien keine guten Orte für eine lehramtlich autoritäre Verkündigung, da gehe es vorrangig „um Geschichten und Erfahrungen mit dem Evangelium“.

Der Wandel von der Religion mit fester institutioneller Zugehörigkeit zur individuellen Spiritualität würde auch das Selbstverständnis des Priesters verändern. Seine Autorität beziehe er durch ein gut gelebtes Christsein, als erfahrbare Person: „Nicht das Sein, sondern die Wirkung zählt.“ Dies bedeute wie jedes In-Beziehung-Treten ein Risiko, eine Schwachheitserfahrung und die Aufgabe von Kontrolle. Es münde ein in bedingungslose Anerkennung.

Bernd Hillebrand veranschaulichte anhand von zwei Bildern, wodurch sich ein priesterliches Leben, das sich kultisch entgrenzt und Maß nimmt an Christus, auszeichnet: „Es geht nicht darum, den Wein in der Flasche aufzubewahren, sondern ihn auszuschenken an jene, die dürsten nach Leben.“ Das bedeute auch, sich selbst einschenken zu lassen sowie sich selbst als Mensch ins Spiel zu bringen und Christus in Spiel zu bringen.
 Als Bild für bedingungslose Gastlichkeit verwendete der Theologe das Sofa. Es sei ein Ort, an dem der Geist besser wehen kann als in festgelegten Konstellationen. Dort könne sich jemand dazusetzen und man komme absichtsfrei ins Gespräch. Das einfache Dasein mit Gott mache es zu einem Ort der Hoffnung und der Verwandlung. „Es braucht Kirche in der Welt aller“, hält Hillebrand fest, als Ort der Beziehung, des Netzwerkes, der Diakonie, des Aushaltens mit den Leidenden.

Alfred Jokesch

Welche Priester braucht eine synodale Kirche? Mit welchen Verlusterfahrungen, Erwartungen und Dilemmata sind Priester heute konfrontiert? Darüber wurde in Seggau ein intensiver Austausch gepflegt. | Foto: Neuhold
Bernd Hillebrand, Professor für Pastoraltheologie an der Universität Graz, gestaltete heuer den Studienteil der Priesterwoche. | Foto: Neuhold
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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