Glaube
Nachahmer, nicht Bewunderer

Der gute Hirt beherrscht die Altarwand jener Kirche in unserer brasilianischen Partnerdiözese Bom Jesus da Lapa, in der die steirische Delegation bei ihrem Besuch im Februar 2023 begrüßt wurde. | Foto: Neuhold
  • Der gute Hirt beherrscht die Altarwand jener Kirche in unserer brasilianischen Partnerdiözese Bom Jesus da Lapa, in der die steirische Delegation bei ihrem Besuch im Februar 2023 begrüßt wurde.
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Dem Gebet für geistliche Berufungen widmete die Katholische Männerbewegung der Region Steiermark Mitte ihre jährliche Wallfahrt nach Fernitz.

Weiterleben wie bisher? Mit dem Motto des diesjährigen Welttags für geistliche Berufungen war auch die KMB-Wallfahrt am Samstag, dem 13. April, überschrieben. Der Gottesdienst in der gut gefüllten Wallfahrtskirche Maria Trost in Fernitz wurde von der Gruppe „die Achteln“ musikalisch sehr schwungvoll und ansprechend gestaltet. Bei der anschließenden, von der Pfarre Fernitz bereitgestellten Agape am neu gestalteten Kirchplatz konnten noch lange Austausch und Gemeinschaft gepflegt werden.

Mut für den wahren Christus
Als Zelebrant der Wallfahrtsmesse war Kaplan Alfred Jokesch eingeladen. In seiner Predigt ging er von einer Szene im Film „Ein verborgenes Leben“ aus, in dem der Regisseur Terrence Malick die Geschichte des oberösterreichischen Bauern Franz Jägerstätter erzählt, der 1943 als Kriegsdienstverweigerer hingerichtet wurde. Die Szene zeigt, wie Jägerstätter einen Maler in der Dorfkirche beobachtet. Das Malen, so erzählt dieser, sei sein Broterwerb. Er male deshalb einen bequemen Jesus mit Heiligenschein, der den Menschen gefällt, auch wenn ihm bewusst sei: „Wir erzeugen Bewunderer, aber keine Nachahmer.“ Doch er hofft, dass er sich eines Tages trauen würde, den wahren Christus zu malen, einen, der nicht nur schön anzuschauen ist, sondern die Menschen inspiriert, ihr Leben auf ihn zu setzen. Diesen Mut, den wahren Christus nachzuahmen, zeige dann Jägerstätter im weiteren Verlauf des Films, indem er dem Nazi-Regime die Stirn bietet und seinem Gewissen treu bleibt.

Die Figur dieses Malers verglich Jokesch mit dem bezahlten Knecht, von dem das Evangelium erzählte, der zwar den Wolf kommen sehe, der das heraufziehende Unheil des Krieges erkenne, es aber aus Sorge um das eigene Weiterleben nicht wage, sich ihm entgegenzustellen: „Er ist eine tragische Figur. Jägerstätter hingegen verkörpert den guten Hirten, der nicht bereit ist, um den Preis der Lüge und des Verrats an seinem Glauben sein Leben zu retten.“

Wie sieht der wahre Christus aus?
Alfred Jokesch lud dazu ein, den Gedanken des Malers weiterzuspinnen: „Wie müsste ein Bild des wahren Christus aussehen, der nicht zur Bewunderung, sondern zur Nachahmung motiviert? Vielleicht ist es – befreit freilich von jeglicher kitschiger Schäferromantik – gerade das Bild des guten Hirten, der sich schützend vor seine Schafe stellt und mit dem Einsatz des eigenen Lebens den Wölfen dieser Welt ins Angesicht widersteht, der um die Nöte der Menschen weiß und mit Zivilcourage für sie eintritt.“

Ein guter Hirt betrachte die Schafe nicht als seinen Besitz, er manipuliere sie nicht und beute sie nicht aus, sondern begleite sie auf ihrer Suche nach saftigen Weideplätzen, nach Orten des blühenden und erfüllten Lebens: „Sein vorrangiges Interesse gilt den Schafen selbst, nicht ihrer Wolle, ihrer Milch oder ihrem Fleisch.“ Jesus unterscheide den Hirten, der für die Schafe lebt, vom bezahlten Knecht, der von den Schafen lebt und sie als Wirtschaftsfaktor, als Mittel zum Zweck benützt. Er nehme sie vor den Wölfen in Schutz, „die zerstörend in ihren Lebensraum einzudringen drohen und die auch in unserer Welt und in unserem Alltag sehr präsent sind.“

Intensive Lebensgemeinschaft
Den Auftrag des Auferstandenen an Petrus: „Weide meine Schafe!“ deutet der Priester so, dass Jesus der Kirche die Existenzweise des Hirten als Leitbild vor Augen stelle: „Eine solche intensive Lebensgemeinschaft möchte Jesus auch mit uns teilen.“ Und er suche Menschen, die es ihm gleich tun, die ihn nicht bloß bewundern, sondern nachahmen und diesen Dienst in unserer heutigen Welt wahrnehmen.

Nicht weiterleben, sondern weiter leben
Mit dem Gebet für geistliche Berufungen verband Jokesch: „Beten wir auch darum, dass wir als Kirche fähig sind, die Berufungen zu erkennen, die es heute braucht.“ Vielleicht, gab er zu bedenken, „fehlt es ja nicht so sehr an Menschen, die bereit sind, sich von Gott ansprechen zu lassen, als an Hellhörigkeit und Fantasie seitens der Kirche, die ihr geschenkten Berufungen anzunehmen. Es sind vielleicht nicht die Berufungen, die wir uns wünschen, sicher aber die, die Welt heute braucht.“

Um zu Menschen zu werden, die zur Weite des Lebens gefunden haben, helfe der Blick auf Ostern: „Auferstehung bedeutet, verwandelt zu werden und hineinzuwachsen in eine ganz neue, ungleich größere Existenz bei Gott.“ Geistliche Berufung sei zuallererst ein Eintauchen in das Leben der Auferstehung: „Dem Ruf Gottes zu folgen, das ist kein Weiterleben wie bisher, sondern bedeutet, sich mit dem auferstandenen Christus zu verbinden, sich von dieser Wirklichkeit prägen zu lassen und seine Gegenwart in der Welt erfahrbar zu machen.“ Wer seine Berufung entdeckt, werde nicht einfach weiterleben, sondern weiter leben, also zu einem Leben mit größerer Weite und Tiefe finden.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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