Eröffnung
Nach oben orientiert

Die Heiligen-Geist-Kapelle ragt wie ein Dorn aus dem Umfeld von Autobahn und Eisenbahn heraus. Ein echtes Denk-Mal.
  • Die Heiligen-Geist-Kapelle ragt wie ein Dorn aus dem Umfeld von Autobahn und Eisenbahn heraus. Ein echtes Denk-Mal.
  • Foto: Neuhold
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Heiligen-Geist-Kapelle. Einzig-artiges Baujuwel in Bruck wurde vor dem Verfall bewahrt und zum sinnstiftenden Zeichen gemacht.

Was „ein Denkmal zum Denkmal macht, ist nicht sein Alter, sondern seine Botschaft. Ein Denkmal hat keinen Nutzen, es stiftet Sinn.“
Der Theologe Philipp Harnoncourt hat nicht nur über den Sinn eines Denkmals nachgedacht. Er hat ein sinnstiftendes Denkmal gestiftet. Zusammen mit seinen Geschwistern forcierte er mit der Stadtgemeinde Bruck und vielen Gönnern die Revitalisierung eines architektonisch einzigartigen Gebäudes aus der Spätgotik. Seine dreieckige, nach oben orientierte Architektur macht es auch zu einem Symbol für die Dreifaltigkeit. Am Dreifaltigkeitssonntag, 7. Juni, wurde die wiederhergestellte Heiligen-Geist-Kapelle eröffnet. Im Wissen um die Vollendung seines Herzensprojektes war Philipp Harnoncourt am 25. Mai gestorben. Die Eröffnungsfeier im den Umständen geschuldeten kleinen Kreis wurde auch zum Gedenken an ihn.
Zwischen Autobahnknoten und Eisenbahn ragt das schmale Gebäude hervor, das allen Baumaßnahmen rundherum trotzte. Vater Eberhard Harnoncourt hatte im Vorbeifahren seine Kinder mehrmals aufmerksam gemacht, dass hier etwas ganz Besonderes steht. An der Stelle einer 1480 zerstörten Kapelle errichteten zwischen 1494 und 1497 wohlhabende Brucker Bürger etwas noch nie Dagewesenes. Auf dem Grundriss eines gleichseitigen Dreiecks mit abgeschrägten Ecken, die im Inneren durch Arkaden zu Altarnischen gegliedert sind, entstand ein nur nach oben hin orientierter Innenraum mit einem prachtvollen Sternrippengewölbe. Bis 1783 wurden hier Gottesdienste gefeiert, Pilger hinterließen Rötel-Graffiti an den Wänden.
Nach der Profanierung wurde das Gebäude zum Pferdestall des Postmeisters, dann zu einem Wirtshaus, dessen Bezeichnung „Geistwirt“ an die ursprüngliche Heiligen-Geist-Kapelle erinnerte. 1921 wurden bei Renovierungen die Maßwerkfenster zerstört. Seit 1955 wurde das Gebäude als Wohnhaus genützt, durch die mangelnde Wohnqualität ob seiner Lage im Verkehrsbereich stand es seit 1999 leer. Es drohte der Abriss.
Als Philipp Harnoncourt 2001 anlässlich seines 80. Geburtstag einen Wettbewerb über das Geheimnis des dreifaltigen Gottes initiierte, konnte er zusammen mit seinen Geschwistern die Stadtgemeinde Bruck für eine Revitalisierung gewinnen. Mit Hilfe des Fördervereins, dem er selbst vorstand, wurden in den letzten Jahren Sanierungsarbeiten durchgeführt, die alte Substanz wiederherstellten, einfühlsame Ergänzungen vornahmen (Architekturbüro Stingl-Enge) und Überraschungen zutage förderten. Alice Hoppe-Harnoncourt dankte bei der Eröffnungsfeier allen Firmen, Gönnern, Spendern und Initiatoren herzlich. Bürgermeister Peter Koch und Altbürgermeister Bernd Rosenberger schlossen sich dem Dank und der Freude über ein gelungenes Projekt an.
Bertl Mütter füllte den besonderen Raum mit den Klängen seiner Posaune. Der dreieckige Grundriss mit einer Apsis in jedem Eck lässt kein Vorn und Hinten, keine Hierarchie zwischen Haupt- und Nebeneingängen aufkommen. Das vielleicht weltweit einzigartige Gebäude weist einfach nach oben.
Dieses Juwel lädt nun zum Besuch ein. Es ist keinem neuen „Zweck“ gewidmet. Inmitten von Autobahnspuren, Eisenbahnschienen und Verkehrslärm kann das Gebäude, das bei seiner Gründung in die drei umliegenden Täler gewiesen hatte, zum Denk-Mal werden, zum Nach-Denk-Mal über die Eingriffe des Menschen in die Natur und über die Folgen des Klimawandels.

Unterstützung
Verein zur Förderung der Heiligen-Geist-Kapelle Bruck an der Mur,
IBAN: AT36 1700 0001 8008 5289.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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