Musiktherapeut David

Vor seinen Untertanen stelle sich der ausgelassen tanzende König David bloß, meinte seine „offenbar eher humorlose“ Ehefrau Michal. Vor Gott wolle er sich „gern noch geringer machen“, antwortete David.
  • Vor seinen Untertanen stelle sich der ausgelassen tanzende König David bloß, meinte seine „offenbar eher humorlose“ Ehefrau Michal. Vor Gott wolle er sich „gern noch geringer machen“, antwortete David.
  • Foto: Bild: Anne Seifert
  • hochgeladen von Simon Grabner

Immer Fasching sei in der Bibel, belegt die Theologin Elisabeth Birnbaum. Gott lasse sein Volk tanzen.

Der Fasching geht zu Ende, „die biblische ‚Faschingszeit‘ dagegen endet nicht“. Diese Überzeugung untermalt auf der theologischen Internetseite „feinschwarz.net“ die Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerks, Elisabeth Birnbaum. Ihre Begründung, dass „in der Bibel immer Fasching“ sei: „Wieder und wieder lädt Gott sein Volk zum Festmahl ein. Wieder und wieder lässt er es tanzen, jubeln, feiern und närrisch vor Freude werden. Und wieder und wieder kehrt er die Machtverhältnisse um.“
Die Heimholung der Bundeslade nach Jerusalem etwa sei für König David Anlass gewesen, „ausgelassen zu tanzen und zu hüpfen, zu Musik und Jubelschreien“. Seine „offenbar eher humorlose Ehefrau namens Michal“ habe dazu sarkastisch angemerkt, dass er sich damit vor den Augen seiner Untertanen bloßstelle. Doch David habe sich zu seiner „Narretei“ bekannt; er wolle sich für Gott „gern noch geringer machen“. Und Gott gebe, so die Theologin, dem „Narren“ recht: Michal „bekam bis zu ihrem Tod kein Kind“.
Als „den ersten biblischen Musiktherapeuten“ schildet Birnbaum den jungen David auch. Mit den Klängen seiner Leier habe er König Saul von bösen Geistern befreit. Damit seien gleich zwei Aspekte des Faschings angesprochen; „zum einen die Musik, die weder bei einer Faschingsfeier noch beim Opernball fehlen darf“. Zum anderen hat für Birnbaum „die Vertreibung böser Geister ja auch im Fasching ihren Platz“.
David stehe auch für die in der Bibel häufige Umkehr der Machtverhältnisse, die im Fasching etwa durch Verkleidung symbolisch zelebriert werde. Nicht einer seiner sechs älteren Brüder werde vom Propheten Samuel zum König gesalbt, sondern er als der jüngste, der Schafe hütet. Und den Zweikampf gewinne nicht der übermächtige, bis auf die Zähne bewaffnete Goliat, sondern der kleine, schmächtige und unbewaffnete David.
Dass die scheinbar Schwachen und Machtlosen die Mächtigen besiegen, ziehe sich durch die gesamte Bibel, entfaltet Birnbaum. Jüngere Brüder werden wie bei Jakob gegenüber Esau den älteren vorangestellt. Die versklavten Israeliten fliehen erfolgreich aus Ägypten, dem der modernste Militärapparat der damaligen Zeit nichts nütze. Die unbewaffnete Judit bringe im Heerlager der Assyrer deren Anführer Holofernes zur Strecke und rette ihr Volk damit vor dem Unterdrücker.
Vielfältig belegt für Birnbaum die Bibel, dass in ihr „immer Fasching ist“, die Zeit der Gelage, des Tanzens, der Narren und auch die Zeit der Machtumkehr. JOHANN A. BAUER

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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