Glaube
Im Leid begegnet uns Christus

Im Film „Über die Unendlichkeit“ zeigt Roy Andersson Miniaturen alltäglicher Tristesse – etwa den Albtraum eines Priesters, der den Platz Jesu beim Kreuzweg einnimmt. | Foto: Neue Visionen Film
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  • Im Film „Über die Unendlichkeit“ zeigt Roy Andersson Miniaturen alltäglicher Tristesse – etwa den Albtraum eines Priesters, der den Platz Jesu beim Kreuzweg einnimmt.
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Stichwort: Die Passion im Film

„Passionen“ nennt Alfred Jokesch sein demnächst erscheinendes Buch, das zu einer spirituellen Entdeckungsreise durch ausgewählte zeitgenössische Filme einlädt.

Wahrscheinlich ist sie die am öftesten erzählte Geschichte der Menschheit: die Passion, das Leiden und Sterben Jesu Christi. Sie gehört zu den größten geistigen Schätzen der Menschheit und vermag seit zweitausend Jahren zutiefst zu berühren. Sie inspirierte Komponisten wie Johann Sebastian Bach zu begnadeten Werken. Kreuzwege, Kalvarienberge und Passionsspiele zeugen von einer reichen Passionsfrömmigkeit. Worin liegt die Faszination dieser Geschichte?

Sie erzählt das Drama des Menschseins in all seinen Schattierungen, in seiner Größe und seinen tiefsten Abgründen. In einzigartiger Weise bringen die biblischen Texte das Wesen und Unwesen des Menschen ans Licht. Darüber hinaus erzählen sie vom befreienden und erlösenden Einwirken Gottes in diese Welt, das Kraft hat, die so oft als Unheilsgeschichte erfahrene Wirklichkeit in eine des Heils zu verwandeln.

Passionen kennt auch das Kino zur Genüge. Filme erzählen Geschichten, in denen sich die großen Menschheitsfragen – auch jene nach Leid, Unheil und Gewalt, Liebe und Hingabe, Verrat und Intrige, Schuld und Versöhnung, Gerechtigkeit und Erlösung – exemplarisch verdichten. Alfred Jokesch begibt sich in seinem Buch „Passionen“ auf eine Erkundungsreise durch die Filmlandschaften des Gegenwartskinos und nähert sich am Beispiel von 25 Filmen aus den letzten 15 Jahren diesen Fragen an.

Der Bibelfilm boomt
Ausgangspunkt war für ihn die Beobachtung, dass im Sog von Mel Gibsons Aufreger „Die Passion Christi“ (2004) ein regelrechter Bibelfilm-Boom eingesetzt hat, der bis heute nicht abgerissen ist. Selbst namhafte Regisseurinnen und Regisseure bringen biblische Geschichten auf die Leinwand oder Streaming-Plattformen und finden damit ein breites Publikum. Die Themen reichen von Noah und Mose bis hin zu apokalyptischen Motiven.
Nicht wenige davon widmen sich – aus unterschiedlichsten Blickwinkeln – dem Leben und der Person Jesu Christi, besonders seiner Passion und seiner Auferstehung.
Jokesch folgert daraus, „dass die Geschichte Jesu nach wie vor viele Menschen interessiert, fasziniert und inspiriert.“

Auch Produktionen, die „in historischem Gewand“ inszeniert sind, würden Fragen unserer Zeit thematisieren. So zeige etwa der Film „Maria Magdalena“ (Garth Davis, 2018) die Apostelin als moderne Frau, „die sich nach einem selbstbestimmten Leben sehnt und auf der Basis ihrer persönlichen Gotteserfahrung auch ihre Spiritualität gleichberechtigt praktizieren möchte.“ Sein feministischer Ansatz sei auch als Impuls für die heutige Kirche zu lesen. Jesus, der hier verstörend düster, gequält, „fast wie ein apokalyptischer Prophet“ auftrete und damit geläufige Klischeebilder hinterfrage, „ermutigt und ermächtigt Frauen, selbstbewusst ihren Glauben zu leben“.

Motive von Leid und Erlösung
Den Schwerpunkt seines Buches legt der Priester, der seit Studienzeiten im Bereich Film und Theologie bzw. Spiritualität engagiert ist, jedoch auf Filme, deren Handlung in unseren Tagen oder in einer märchenhaften Zeitlosigkeit angesiedelt ist: „Sie greifen in ganz unterschiedlichen Kontexten Motive aus der Passionsgeschichte auf und zeigen historische Personen oder fiktive Figuren, die in ihren Leiderfahrungen, in der Weise, wie sie damit umgehen oder daraus erlöst werden, auf Christus verweisen.“

Im Entdecken solcher Motive, Symbole und Zitate, dem Entschlüsseln ihrer Botschaft und dem Nachspüren ihres spirituellen Gehalts folgt Jokesch „einer eher assoziativen, neugierig lustvollen und intuitiven Entdeckungsreise“. Die Begegnung mit den Filmen geschieht auf der Ebene eines geistlichen Gesprächs, eines kreativen Dialogs. In einem „Aperitif“ führt er in biblische Christus-Bilder ein, die in den vorgestellten Filmen anklingen.

Der Bibeltheologe Reinhold Zwick merkt im Geleitwort zu diesem Band der Reihe „Religion, Film und Medien“ an: „Sein Reichtum an sehr detailscharfen Beobachtungen oder etwa die große Sensibilität des Verfassers für symbolische und metaphorische Momente machen die Lektüre sicher für weite Leserkreise anregend.“

Neuerscheinung

Alfred Jokesch: Passionen
Spirituelle Erkundungen im Gegenwartskino, Band 15 der Reihe „Religion, Film und Medien“, 472 Seiten, zahlr. farb. Abb., 46,30 Euro, Schüren Verlag, Marburg 2026, ISBN 978-3-7410-0548-0.

Im Film „Über die Unendlichkeit“ zeigt Roy Andersson Miniaturen alltäglicher Tristesse – etwa den Albtraum eines Priesters, der den Platz Jesu beim Kreuzweg einnimmt. | Foto: Neue Visionen Film
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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