Vor den Vorhang - Stephan Sigg
Geschichten, die Mut machen

n der dritten Klasse stand schon fest, dass Stephan Sigg Autor werden würde. Das erste Produkt des heute 42-Jährigen war ein SchülerInnenmagazin. Dem folgten seit 2000 zahlreiche Publikationen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. | Foto: Matthias Frager / A Downstairs Affair, privat
2Bilder
  • n der dritten Klasse stand schon fest, dass Stephan Sigg Autor werden würde. Das erste Produkt des heute 42-Jährigen war ein SchülerInnenmagazin. Dem folgten seit 2000 zahlreiche Publikationen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
  • Foto: Matthias Frager / A Downstairs Affair, privat
  • hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion

Am liebsten schreibt Stephan Sigg dort, wo Menschen sind.
Der Schweizer Theologe und Autor veröffentlicht seit 25 Jahren Bücher für Jung und Alt über Themen, die wirklich beschäftigen.

Wie hat sich Ihr Schreiben in den vergangenen 25 Jahren entwickelt und verändert?
Stephan Sigg: Heute ist mir wichtiger denn je, dass meine Geschichten eine positive und ermutigende Botschaft haben. In einer Welt voller negativer Schlagzeilen möchte ich den Blick auf das richten, was Menschen stärkt und ihnen Mut macht, selbst kleine Schritte zu gehen. Das Buch „Nur Mut!“ ist genau aus diesem Gedanken entstanden (siehe Buchtipp auf Seite 20). Meine Lesungen und Workshops mit Jugendlichen sind eine große Inspirationsquelle, ebenso alltägliche Begegnungen im Bus oder beim Einkaufen. Ich nehme sehr aufmerksam wahr, wie sich Sprache und Kommunikation verändern und das wirkt sich auf mein Schreiben aus.

Welche Erlebnisse aus Ihrer Kindheit oder Jugend prägen Ihre Arbeit bis heute?
Sigg: Meine Oma in Bregenz hat mich stark geprägt: Sie hat mir geholfen, meine Kreativität zu entdecken. Gleichzeitig hat sie mich bestärkt, das zu machen, was mich interessiert, es einfach auszuprobieren – und zu verstehen, dass Scheitern kein Problem ist. Meine österreichischen Großeltern haben mich auch sehr unterstützt und deshalb ist Österreich heute meine zweite Heimat. Genauso prägend waren meine Erfahrungen mit der Pfarre vor Ort: Ich war Ministrant, dann Oberministrant, im Pfarrgemeinderat, in der Jugendarbeit … Man ist mir dort immer auf Augenhöhe begegnet, ich durfte mich einbringen und wurde ernst genommen. Ich habe Kirche als einen Ort der offenen Türen erlebt, als einen Ort, wo man mittun kann. Als Autor waren es die vielen Bücher: Ich habe als Kind und Jugendlicher Bücher verschlungen – ich war ein großer Fan von Astrid Lindgren, dann las ich „Problem-Bücher“ über Jugendliche, die ein ganz anderes Leben hatten als ich – Bücher sind eine Chance, andere Leben kennenzulernen.

Sie schreiben bevorzugt im Zug oder im Café. Was macht diese Orte für Sie kreativ?
Sigg: Ich schreibe gerne dort, wo Menschen sind, dann kann ich andere beobachten und „belauschen“, das inspiriert mich: Meine Geschichten sind nah an der Realität, deshalb ist es ideal, wenn sie auch direkt im „Alltag“ entstehen.

Ihre Freunde verstanden Ihre Entscheidung für ein Theologiestudium nicht. Was hat Sie dennoch dazu motiviert?
Sigg: Mir war schon immer wichtig, mich mit dem zu beschäftigen, was mich wirklich interessiert – und Fragen zu Glauben, Religionen, Kirche und dem Sinn des Lebens gehören seit jeher dazu. Deshalb war es für mich eigentlich zweitrangig, was andere dazu sagen oder davon halten. Und bald habe ich eh gemerkt, dass man gerade dann spannend ist, wenn man etwas macht, das nicht alle machen – und dass so etwas eher ein Vorteil ist als ein Nachteil. Kaum hat das Studium begonnen, gab es eh keine Zweifel mehr, ob es für mich passt – die Vielfalt der Inhalte hat perfekt zu meinen vielfältigen Interessen gepasst: Bibel, Kirchengeschichte, Psychologie, Ethik, Philosophie, Pädagogik, Kirchenmusik … – den wenigsten ist bewusst, wie viele Themen das Theologiestudium abdeckt!

Welche theologischen Themen berühren Jugendliche heute besonders stark?
Sigg: Jugendliche sind heute extrem unter Druck: Sie wissen, dass sie Leistung erbringen müssen. Sie machen die Erfahrung, dass sie sich keine Fehler oder falschen Entscheidungen erlauben dürfen – deshalb sind sie sehr offen für die Botschaft, dass da jemand ist, der sie akzeptiert so wie sie sind, dass sie geliebt und geschätzt werden. Vielen fällt es auch schwer, mit anderen über das zu sprechen, was sie beschäftigt. Im Alltag ist es oft schwierig, ganz ehrlich zu sein. Deshalb ist es eine Hilfe, wenn sie erfahren, dass das Gebet eine Chance ist, über all das nachzudenken und zu sprechen, wofür sonst im Alltag kein Platz ist. Vielen fehlt heute der Mut, ganz Ich, ganz sie selbst zu sein – etwas Zentrales an der christlichen Botschaft ist, dass jeder Mensch von Gott als Individuum erschaffen wurde. Sich so etwas bewusst zu machen, ist eine große Bestärkung und Ermutigung. Und der Heilige Geist kann uns dabei unterstützen, deshalb ist die Botschaft von Pfingsten und der Firmung sehr aktuell.

Stephan Siggs neuestes Buch „Nur Mut“ hat es heuer im Februar auf Platz 1 in der Kategorie „Young Adult“ der Buchhandlungen in Österreich geschafft.
  • Stephan Siggs neuestes Buch „Nur Mut“ hat es heuer im Februar auf Platz 1 in der Kategorie „Young Adult“ der Buchhandlungen in Österreich geschafft.
  • hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion

Wie gelingt es Ihnen, komplexe theologische Inhalte in eine klare, zugängliche Sprache zu übersetzen?
Sigg: Ich setze immer bei der Lebenswelt der Jugendlichen an: Was beschäftigt sie? Welche Symbole sind für sie aktuell und verständlich? Ausgehend davon versuche ich Zugänge zu bestimmten spirituellen oder theologischen Themen zu finden. Wenn ich schriftlich oder mündlich etwas formuliere, zwinge ich mich, es möglichst einfach zu halten: Denn gerade wenn man etwas einfach und jugendgerecht erklären will, ist man gezwungen, selber nochmals intensiv über den Inhalt nachzudenken.

Was bedeutet die Firmung für Sie persönlich – und was bedeutet sie Jugendlichen heute?
Sigg: Ich wurde schon im Alter von 12 oder 13 Jahren gefirmt, ich kann mich kaum mehr daran erinnern, es war auch keine bewusste Entscheidung, deshalb hatte die Firmung für mich rückblickend auch keine große Bedeutung, das bedauere ich sehr. Ich beneide die Jugendlichen heute darum, dass sie viel differenzierter auf die Firmung vorbereitet werden: Sie können sich intensiv und auch kritisch mit dem Glauben und der Kirche auseinandersetzen und sich dann bewusst dafür entscheiden. Vielerorts machen die Jugendlichen die Erfahrung, als Mensch ernstgenommen zu werden – das ist eine Chance für sie, für die Kirche, aber auch für die Gesellschaft! Deshalb hat die Firmung heute einen viel größeren Stellenwert und kann für Jugendliche ein tragendes Fundament für das Leben sein.

Welche Fragen stellen Jugendliche Ihnen am häufigsten rund um Glauben, Identität und Firmung?
Sigg: Interessanterweise wurde eine Frage in den letzten Jahren immer häufiger: Wie gehen Sie mit negativen Rückmeldungen, Bewertungen und Kommentaren um? Dieses Thema scheint die Jugendlichen sehr zu beschäftigen. Ansonsten sind es Fragen, die man sich schon immer im Jugendalter gestellt hat – z. B.: Warum glauben Sie? Warum sind Sie katholisch – stört Sie die Haltung der offiziellen katholischen Kirche gegenüber gewissen Themen nicht? Ich versuche ihnen immer aufzuzeigen, dass mich solche Fragen schon seit Jugend beschäftigen: Damals und auch heute wünsche ich mir bei der katholischen Kirche Reformen und Veränderungen. Ich bin nicht mit allem einverstanden und trotzdem bin ich katholisch. Diese Haltung sollten wir auch jungen Menschen vermitteln: Du musst kein Super-Gläubiger sein und alles abnicken, die Kirche braucht gerade heute kritische Menschen, die sich mit ihren Fragen und Ideen einbringen.

Interview: Maria Wilbrink

n der dritten Klasse stand schon fest, dass Stephan Sigg Autor werden würde. Das erste Produkt des heute 42-Jährigen war ein SchülerInnenmagazin. Dem folgten seit 2000 zahlreiche Publikationen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. | Foto: Matthias Frager / A Downstairs Affair, privat
Stephan Siggs neuestes Buch „Nur Mut“ hat es heuer im Februar auf Platz 1 in der Kategorie „Young Adult“ der Buchhandlungen in Österreich geschafft.
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ