Jahr der Bibel
Bibel & Musik

Biblische Texte hörbar gemacht
Vier Werke – vom Leben Jesu inspiriert

Die Bibel ist ein Basistext der europäischen Musikgeschichte. Sie hat Künstlerinnen und Künstler aller Disziplinen, Länder und Zeiten schöpferisch inspiriert. Verschiedenste biblische Motive, Personen oder Erzählungen wurden schon die Grundlage für Lieder und große Werke der Musikgeschichte.
Auch die Bibel selbst erzählt von Liedern: Mirjam singt und tanzt nach der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, Zacharias stimmt ein Loblied an, als seine Frau Elisabeth ein Kind bekommt (Benedictus), im Korinther-Brief findet sich ein Hohelied auf die Liebe, und David wird als Meister der Psalmen – gesungener Gebete – benannt.
Musik ist eine Ausdrucksform des Menschen – womöglich schon gleich alt wie die Sprache. Auch der Glaube und die Fragen nach Gott bewegen den Menschen schon immer. Wenn beides zusammenkommt, kann Großes entstehen – lasst uns hören:

„Messiah“ von Georg Friedrich Händel
Die christliche Glaubenslehre vertont (1741)
Georg Friedrich Händel gilt als wichtigster Vertreter Englands für die Gattung des Oratoriums (Näheres dazu siehe rechte Spalte). Sein Werk „Messiah“, auf deutsch „Der Messias“, wird als Inbegriff geistlicher Musik angesehen und zählt auch im deutschen Sprachraum zu den am häufigsten musizierten Werken.
Händel hat die christliche Lehre zum Messias-Glauben auf Basis der King-James-Bibel und des Book of Common Prayer vertont. Es erzählt die Heilsgeschichte in drei Teilen: die alttestamentlichen Prophezeiungen des kommenden Messias und die Geburt Jesu, seine Passion und Auferstehung und die erhoffte Erlösung durch seine Wiederkunft.
Das wohl berühmteste Stück aus diesem Werk ist das „Halleluja“.

„Johannespassion“ von Arvo Pärt
Das Leiden und Sterben Christi in Musik gegossen (1982)
Wer die Johannespassion von Johann Sebastian Bach im Ohr hat, muss diese gänzlich hinter sich lassen, wenn er sich Arvo Pärts „Passio“ hörend nähert. Pärt, der aus Estland stammt, gilt als einer der bedeutendsten noch lebenden Komponisten für neue Musik.
In seiner Johannespassion erzählt Arvo Pärt das Leiden und Sterben Jesu in tonaler Einfachheit. Ganz anders als bei Bach reduziert Pärt den Aufführungsapparat ganz bewusst: Ein Bassist als Jesus und ein Tenor als Pilatus sind die einzigen Solopartien. Der Evangelist wird von einem Solistenquartett gesungen, alle anderen Rollen vom Chor. Nur vier Melodieinstrumente (Oboe, Fagott, Violine und Violoncello) und eine Orgel bilden das gesamte „Orchester“.
Dem Werk liegt der lateinische Text des Johannes-
evangeliums aus der Vulgata zu Grunde.

„Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber
Ein Musical über die letzten Tage Jesu (1970)
Der damals noch unbekannte Andrew Lloyd Webber (im Bild) verfasste Anfang der 1970er Jahre die heute weltberühmte Rockoper „Jesus Christ Superstar“ (rechts das Original-Cover der LP-Box). Tim Rice schrieb die Liedtexte in Anlehnung an die biblischen Erzählungen zu den letzten sieben Tagen Jesu.
Da das Musical nicht nur mit großem Orchester, sondern auch mit einer Rockband aufführbar ist, wurde und wird das Stück in vielen kleinen
Theatern oder sogar bei Schul-
projekten aufgeführt.
Die Melodie des Kirchenliedes „Nimm, o Gott, die Gaben die wir bringen“ (Gotteslob 188) stammt aus diesem Musical.

„Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“
Passionsmusik von Joseph Haydn (1787)
Von „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“ über „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ bis hin zu „Vater in deine Hände lege ich meinen Geist“ erstrecken sich die aus allen vier Evangelien gesammelten letzten sieben Worte Jesu.
Ursprünglich komponierte Joseph Haydn sieben Sonaten für Orchester zu den Bibelzitaten als Passionsmusik.
Erst später schrieb er daraus das heute bekannte Oratorium für Orchester und Chor.
Gedacht waren die sieben Sonaten als „Andachtsmusik“ bei Gebets-Exerzitien – sozusagen als Pausenfüller zwischen Schriftbetrachtungen. Damit stand Haydn vor der Herausforderung, so zu komponieren, dass die Musik die Texte ohne Gesang „hörbar“ macht – und die Zuhörenden nicht ermüdet.


Kleine Musikkunde

Oratorium, Sonate und Co. – die Musik ist eine eigene Begriffswelt. Hier eine kleine Musikkunde zu ausgewählten Begriffen, die auf dieser Doppelseite vorkommen.

» Oratorium

Oratorium nennt man die Vertonung eines geistlichen Textes außerhalb eines kirchlichen Rahmens (also z. B. nicht für die Verwendung im Gottesdienst). Oratorien sind für die Aufführung in verteilten Rollen von Solisten, Chor und Orchester geschrieben. Dabei gibt es aber kein Bühnenbild oder szenisches Spiel, wie bei einer Oper oder einem Musical, sondern es wird konzertant – also als Konzert – aufgeführt. Das Oratorium ist eine musikalische Gattung.
Berühmte Oratorien sind: „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn oder „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel, „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach und viele mehr.
» Passion
Passion wird ein musikalisches Werk genannt, das die biblische Passionsgeschichte aus den Evangelien, also das Leiden und Sterben Jesu, vertont. Die Gattung einer Passion reicht von A-cappella-Formen bis hin zum Oratorium.
In der römisch-katholischen Kirche wird die Leidensgeschichte während der Karwoche (am Palmsonntag und Karfreitag) vorgetragen. Bereits seit dem 5. Jahrhundert nach Christus ist die musikalische Rezitation belegt, und seit dem 12. Jahrhundert wird in verschiedenen Rollen vorgetragen. Daraus entwickelte sich die Kunstform der vertonten Passion.
Besonders die Passionen von Johann Sebastian Bach sind im deutschen Sprachraum sehr bekannt.
» Musical
Als Musiktheater mit Tanz, Gesang, Schauspiel und Musik wird die Gattung „Musical“ beschrieben. Die Geschichte des modernen Musicals begann im New York der 1920er Jahre. Der Broadway mit seinen vielen Musical-Theatern ist inzwischen eine Se-henswürdigkeit und ein Touristenmagnet. Auch im Londoner West-End etablierte sich diese Form von Musikvorführung bald.
Auf Grund des Erfolges wurden inzwischen auch schon viele Musicals verfilmt.
Zu den bekanntesten Musical-Komponisten zählen Frederick Loewe (My Fair Lady), Leonard Bernstein (West Side Story) und schließlich auch Andrew Lloyd Webber mit seinen unzähligen Erfolgen: Evita, Cats, Starlight Express, Das Phantom der Oper, Jesus Christ Superstar und vieles mehr.
» Sonate
Eine Sonate ist ein meist mehrsätziges
Instrumentalstück für eine solistische oder sehr kleine Besetzung.

Meine Lieblings-BIBELSTELLE

„Herr, du hast mich erforscht, und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken. Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen. Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge – du, Herr, kennst es bereits. Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.“
Diese Zeilen begleiten mich seit meiner Kindheit. Meine Mama hat sie sehr oft am Abend, vor dem Schlafengehen, für mich oder mit mir gebetet. Schon damals hat es mir ein gutes Gefühl und Zuversicht gegeben, von allen Seiten geschützt zu sein und die Gewissheit zu haben, dass da jemand ist, der wirklich alles über mich weiß, vor dem ich nichts verstecken brauche und der immer für mich da ist.
Diese besondere Sicherheit zeigte sich auch, als ich als 7-Jährige, ohne Begleitung der Eltern, mit der Fokolarbewegung zu einem weltweiten Treffen nach Rom fuhr. Meine Mama hatte Bedenken, ob ich Heimweh bekommen würde. Völlig überzeugt antwortete ich ihr: „Ich denke an Gott, und du denkst auch an Gott, dann sind wir vereint!“
Nach wie vor finde ich es unglaublich beruhigend und bestärkend, dass da jemand ist, über Freundeskreis und Familie hinaus, von dem ich in allen Lebenslagen nie endenden Zuspruch habe. Das bedeutet für mich nicht, dass ich tun und lassen kann, was ich will, weil „Gott mich ja eh kennt“, sondern es bedeutet für mich, immer wieder neu anfangen zu können, wenn ich meine, in einer Sackgasse zu stecken oder vom Weg abgekommen zu sein.

Marie-Theres Felber
Ergotherapeutin

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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