Was ist notwendig?

Im Gespräch bei den Katholischen Sozialtagen: Meisa Dano von der Caritas Finnland und Nicola Speranza, Generalsekretär der Europäischen Föderation Katholischer Familienverbände.
  • Im Gespräch bei den Katholischen Sozialtagen: Meisa Dano von der Caritas Finnland und Nicola Speranza, Generalsekretär der Europäischen Föderation Katholischer Familienverbände.
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Katholische Sozialtage in Bratislava. Europa nach der Pandemie im Neuanfang.

Mit einem Gottesdienst im Martinsdom mit dem Präsidenten der EU-Bischofskommission COMECE, Kardinal Jean-Claude Hollerich, gingen am 20. März die 3. Europäischen Katholischen Sozialtage in Bratislava zu Ende. Rund 150 kirchliche Delegierte sowie Politiker und Wissenschaftler aus ganz Europa waren ab 17. März in der slowakischen Metropole zusammengekommen, um soziale Herausforderungen in Europa und Wege zur Erneuerung zu diskutieren. Aus Österreich nahmen u. a. der Präsident der Katholischen Aktion Österreichs (KAÖ), Ferdinand Kaineder, Markus Schlagnitweit als Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) und Caritas-Präsident Michael Landau teil.

KA-Präsident Kaineder betonte im Gespräch mit „Kathpress“ den vollen Einsatz der Kirche für Flüchtlinge, aber auch in der sozial-ökologischen Frage, der bei den Sozialtagen besonders spürbar gewesen sei. „Das Bewusstsein, dass die soziale Frage drängt, ist gewachsen“, zeigte sich Kaineder überzeugt, wenn auch sichtbar geworden sei, dass in Europa recht unterschiedliche Zugänge und kirchliche Kulturen vorhanden sind. Das habe letztlich auch damit zu tun, wie Kirche in der jeweiligen Gesellschaft „verortet“ ist.

Papst Franziskus benannte in einer Botschaft den Krieg gegen die Ukraine als „perversen Machtmissbrauch“. Krieg im Herzen Europas „macht uns fassungslos. Ich hätte nie gedacht, dass wir solche Szenen, die an die großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts erinnern, noch einmal erleben würden“.

Das lange vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs festgelegte eigentliche Generalthema der Sozialtage lautete „Europa nach der Pandemie: ein Neuanfang“. Im Kontext der Soziallehre der Katholischen Kirche sollten Herausforderungen in Bereichen wie Familie und demografischer Wandel, Digitalisierung und technologische Veränderungen sowie die sozial-ökologische Transformation beleuchtet werden.

Die Wiener Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb ließ in ihrem Vortrag keinen Zweifel daran, dass die Erderwärmung dramatisch fortschreitet und in Folge im Verlust der Biodiversität ein noch größeres Problem auf die Menschheit zukommt. „Wir bewegen uns in gefährlichen Gegenden im biologischen und sozialen System. Menschliche Sicherheit und ökologische Grenzen sind zwei Seiten einer Sache“, betonte sie.

Es brauche eine konsequente Reduktion von Emissionen, bis 2030 auf die Hälfte und bis 2050 auf Null. „Ein dramatischer Änderungsbedarf ist uns aufgegeben.“ Die Lösungen lägen in der Veränderung des Systems der Übernutzung. Nicht „Was ist möglich?“, sondern „Was ist notwendig?“ werde die Zukunftsfrage. Die Religionen müssten da ihre Werte einbringen.

Nicht nur bei der Bewältigung der Folgen des entsetzlichen Krieges in der Ukraine, auch bei anderen Krisen und Herausforderungen gelte es gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, hatte Kardinal Hollerich zum Auftakt betont. Gebe es etwa beim Umgang mit dem Klimawandel keine Solidarität und nehme man die Notwendigkeit sozial-ökologischer Transformation nicht ernst, schaffe man schon jetzt die Grundlage für neue, künftige Kriege, warnte der Präsident der EU-Bischofskommission.

Kathpress

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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