Pflege in Würde
Ein Graubereich

Beim Presse-gespräch der KAB, moderiert von Martin Hochegger (Mitte), kamen kontroverse Themen auf den Tisch. Die Interessen der 24-h-BetreuerInnen vertrat Simona Durisowa (links). Aus Sicht der Agenturen sprach Klaus Katzianka, Chef der Agentur Europflege (rechts).
  • Beim Presse-gespräch der KAB, moderiert von Martin Hochegger (Mitte), kamen kontroverse Themen auf den Tisch. Die Interessen der 24-h-BetreuerInnen vertrat Simona Durisowa (links). Aus Sicht der Agenturen sprach Klaus Katzianka, Chef der Agentur Europflege (rechts).
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Die KAB lud zum Pressegespräch über die komplexe Situation im Bereich 24-h-Pflege.

Zum Welttag für menschenwürdige Arbeit am 7. Oktober nahm die Katholische ArbeitnehmerInnenbewegung (KAB) das Thema „24-h-Pflege“ in den Blick. Dazu lud der steirische KAB-Vorsitzende Martin Hochegger die Sprecherin der Interessensgemeinschaft der 24-h-BetreuerInnen, Simona Durisowa, und den Chef der Agentur Europflege und Initiator des Pflegevolksbegehrens, Klaus Katzianka, zum Pressegespräch.
Das Thema „Pflege in Würde“ ist schon länger auf der Agenda der KAB Steiermark, so Martin Hochegger, denn es betrifft eine stetig wachsende Zahl von Menschen: So gibt es österreichweit schon gut eine Million pflegende Angehörige. Der Wunsch vieler pflegebedürftiger Menschen, so lange wie möglich im vertrauten Umfeld zu bleiben, lässt sich häufig nur mit professioneller Hilfe erfüllen.

Schweigende Politik und wachsender Markt
Klaus Katzianka kennt das Schicksal vieler Familien. Seine Motivation, eine Agentur zu betreiben, ist eine sehr persönliche: „Ich bin selbst bei fast jedem Handgriff auf Hilfe angewiesen und kann den Wunsch, so lange es geht zu Hause zu wohnen, nachfühlen.“ Schon 2005 beim Pflegevolksbegehren merkte Katzianka, dass das Thema in der Politik kein Gehör findet: „Die 24-h-Pflege ist seit 30 Jahren ein Graubereich. Es gab gute Initiativen, doch in den letzten zehn Jahren ist nichts mehr passiert, und die Politik schweigt“ – trotz offenkundigem Pflegenotstand.
Der Großteil der österreichweit zirka 60.000 24-h-BetreuerInnen stammt aus Ost- und Südeuropa. Und der Markt wächst. Über 800 Vermittlungsagenturen gibt es derzeit in Österreich – darunter nicht nur seriöse, weiß Simona Durisowa. Darum hat sie mit anderen Betreuerinnen aus Rumänien und der Slowakei vor einem Jahr die Interessensvertretung IG24 auf die Beine gestellt.

Gerade in Konfliktsituationen mit den betreuten Personen, Familienangehörigen oder der Agentur wissen BetreuerInnen nicht, wohin sie sich wenden sollen. „Es gibt kaum Möglichkeiten“, hält Durisowa fest, eine neutrale Schlichtungsstelle existiert nicht, und die Interessensvertretung in der Wirtschaftskammer bestehe vorwiegend aus AgenturbesitzerInnen. Ein Lichtblick ist das Pilotprojekt CuraFAIR der Volkshilfe Oberösterreich, das seit 2019 mit einer Beratungsstelle in Graz steiermarkweit die einzige Anlaufstelle für 24-h-BetreuerInnen betreibt.

Scheinselbstständigkeit und Altersarmut
Ein großes Problem sieht Simona Durisowa in der Scheinselbstständigkeit. Obwohl die BetreuerInnen als selbstständig gelten, agieren Agenturen „wie Quasi-Arbeitgeberinnen. Sie verhandeln das Honorar und verwalten es oft auch“ – nicht selten mit betrügerischen Absichten, so Durisowa. Die eingeschränkte Verdienstmöglichkeit beim 24-h-Betreuungssystem bewirkt, dass BetreuerInnen meist nur das Minimum an Sozialabgaben leisten können. Zusätzlich drückt die Konkurrenz unter den Agenturen das Lohnniveau. Trotz jahrelanger Arbeit bleibt kaum Pension. Altersarmut ist vorprogrammiert.

Die IG24 plädiert für das Anstellungsverhältnis, was Katzianka als nicht finanzierbar einschätzt. Dass BetreuerInnen und Agenturen sich eher als Gegner verstehen, spiele der Politik in die Hände, ist er überzeugt: „Wenn wir zusammenhielten, könnten wir viel mehr Wind machen!“ In einem sind sich Katzianka und Durisowa aber einig: Die 24-h-Pflege braucht dringend mehr Anerkennung – auch finanziell.

Katharina Grager

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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