Geschichtsfälschung?

„Keinen Völkermord“ an indigenen Kindern in Kanada habe es gegeben: Kanadischer Publizist kritisiert Medienberichte.

In Kanada gab es Anfang des 20. Jahrhunderts an kirchlichen Schulen keinen „Völkermord“ an indigenen Kindern, die von Ordensleuten systematisch ihrer Kultur beraubt, missbraucht, mittels schlechter Behandlung umgebracht und in Massengräbern verscharrt worden seien: Mit dieser Kritik an jüngsten Medienberichten lässt der kanadische Publizist und Wissenschaftler Pablo Muñoz Iturrieta aufhorchen. Wie der gebürtige Argentinier im Interview mit Kathpress dargelegt hat, sprächen die historischen Fakten klar dagegen. Eine „Geschichtsfälschung“ mit bereits jetzt verheerenden Folgen werde betrieben, so der Autor.
Seit Ende Mai hatten Berichte über Funde von insgesamt über tausend Kinderleichen im Umfeld sogenannter „Residential Schools“ – vorwiegend von der katholischen Kirche geführte Internate für Indigene, die vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die 1980er-Jahre existierten – die Nachrichtenwelt in Aufruhr gebracht. Der kanadische Premier Justin Trudeau hatte Papst Franziskus aufgefordert, nach Kanada zu kommen und im Namen der Kirche die Angehörigen der als „First Nations“ bezeichneten Ureinwohner um Vergebung für in der Geschichte zugefügtes Leid zu bitten.

Keine erzwungene „Umerziehung“
Was der Kirche vorgeworfen werde, sei großteils nicht haltbar, betonte Muñoz. Ein „Überstülpen“ der christlichen Kultur habe es sicher nicht gegeben, da die Ureinwohner zu allermeist schon lange zuvor Christen gewesen seien. „Die Missionare gingen äußerst behutsam mit der Kultur der Indigenen um. Dass diese bis heute ihre Sprache sprechen, verdanken sie vor allem katholischen Priestern“, so der Wissenschaftler. In den Anfängen der Indigenen-Schulen hätten die Familien die Kinder dorthin freiwillig gesendet, wobei besonders die bessere Ernährung, der Schutz vor der Kälte in den Wintermonaten sowie auch das Erlernen eines Handwerks eine Rolle gespielt hätten.

Todesursache vor allem Infektionen
Die Tuberkulose und insbesondere die Pandemie der Spanischen Grippe von 1918 bis 1920 seien die wichtigsten Todesursachen der Kinder, um deren Leichen es nun gehe, betonte der kanadische Publizist. Statt in „Massengräbern“ seien die Toten in jeweils eigenen Gräbern mit jeweils einem eigenen Kreuz bestattet worden. Dass die Namen darauf nicht verzeichnet wurden, sei aus Respekt vor einer entsprechenden indigenen Tradition geschehen, sagte Muñoz. Wohl aber seien die Verstorbenen namentlich in den Akten verzeichnet worden – „was im Fall eines tatsächlichen Genozids nie geschehen wäre“.
Dass es an Residential Schools neben aus heutiger Sicht höchst fragwürdiger Gewalt in der Erziehung – die früher in allen Schulen weit verbreitet war – auch Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch gab, stellte Muñoz nicht in Abrede. Eine Aufarbeitung sei hier wichtig, man müsse aber auch hier differenzieren: „Die heute bekannten Missbrauchsfälle in Kanadas katholischer Kirche betreffen vor allem die 1970er und 1980er Jahre, als die Indigenen-Schulen schon am Auslaufen waren.“ Direkte Verbindungen zu den Kinderleichen zu ziehen sei dabei nicht angebracht.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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