MEIN GARTEN | Sonntagsblatt+Plus, 31. August 2025
Frische Ernte im Winter
- Frühbeet oder Folientunnel. Der Einsatz lohnt sich – denn Wintergemüse bietet nicht nur kulinarischen Genuss, sondern auch ein Stück Unabhängigkeit und gesunde Ernährung in einer Zeit, in der viele auf Importware zurückgreifen müssen.
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Der Herbst ist der neue Frühling für Selbstversorger.
Die meisten denken beim Gärtnern an Frühling und Sommer. Doch wer im Herbst den Spaten ruhen lässt, verschenkt eine wertvolle Gelegenheit: den Anbau von Wintergemüse.
Gerade der September bietet eine oft unterschätzte Chance. Während viele Gemüsesorten traditionell im Frühjahr ausgesät werden, beginnt für Wintergemüse die Hauptsaison im Juli und August – sozusagen der zweite Frühling im Gartenjahr. Doch auch im September ist es noch nicht zu spät. Viele Gärtnereien bieten zu dieser Zeit praktische Jungpflanzen an.
Wintergemüse hat seinen ganz eigenen Reiz: Es versorgt uns auch in der kalten Jahreszeit mit frischen, vitalstoffreichen Lebensmitteln direkt aus dem eigenen Boden. Der Geschmack – besonders nach den ersten Frostnächten – ist unvergleichlich. Ein Beispiel: Grünkohl wird bei sinkenden Temperaturen süßer und aromatischer. Zudem ist der Pflegeaufwand im Winter erstaunlich gering. Die meisten Schädlinge verschwinden mit dem Frost, Schnecken spielen keine Rolle mehr, und das langsamere Wachstum reduziert die Gartenarbeit auf ein Minimum.
Mit einem Frühbeetkasten lässt sich der Anbau im Herbst unkompliziert verlängern. Durch die geschlossene Bauweise entsteht ein geschütztes Kleinklima, das selbst empfindlicheren Pflanzen das Überleben sichert. Wer mehr Platz oder größere Ambitionen hat, kann auch auf einen Folientunnel setzen. Diese flexiblen Konstruktionen ermöglichen die Bewirtschaftung ganzer Beete unter einem lichtdurchlässigen, isolierenden Dach. Zwar ist der Aufbau aufwendiger als bei einem Frühbeet, doch der Ertrag rechtfertigt den Aufwand: Der Tunnel speichert Wärme, schützt vor Wind, Regen und Schnee – und verlängert die Erntesaison.
Angelika Ertl
Nie zu spät
Der Anbau von Wintergemüse zeigt: Es ist wirklich nie zu spät, um frisches Gemüse zu säen. Selbst mit einem kleinen Beet oder Hochbeet lässt sich in der kalten Jahreszeit eine erstaunliche Vielfalt erzeugen. Wer einmal erlebt hat, wie befriedigend es ist, mitten im Winter knackige Rote Rüben oder würzigen Rucola zu ernten, wird den Garten nicht mehr nur als Sommerprojekt sehen – sondern als ganzjährigen Begleiter.
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Ernte mich im Winter
Wolfgang Palme
Löwenzahn Verlag
Das Buch ist eine Liebeserklärung an das Wintergemüse, erzählend, persönlich, humorvoll – mit allen nötigen Infos, um den Anbau für die kalte Jahreszeit zu starten und Salat, Radieschen, Karotten & Co. auch von November bis März zu ernten. Mit Porträts von 30 Gemüsearten, die im Winter noch besser schmecken.
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Im Winter eigenes Blattgemüse
auf dem Teller – ein Hochgenuss.
Was ist eigentlich ein typisches Wintergemüse?
Typisches Wintergemüse umfasst eine breite Palette robuster Sorten. Unter den Kohlarten finden sich Grünkohl, Kohlsprossen, Wirsing, Weiß- und Rotkohl, Brokkoli sowie der optisch auffällige Palmkohl.
Auch im Bereich der Wurzel- und Knollengemüse gibt es viele frostharte Vertreter: Karotten, Schwarzwurzeln, Pastinaken, Knollensellerie und Lauch gedeihen auch bei niedrigen Temperaturen zuverlässig. Rote Rüben können je nach Sorte bis in den März hinein geerntet werden, Lauch steht sogar den ganzen Winter über frisch im Beet.
Ab August beginnt die Zeit der Wintersalate. Nach dem Entfernen von Unkraut und dem Einarbeiten von Kompost kann ausgesät werden: Spinat, Mangold, Rucola, Chinakohl, Endivie und vor allem Asiasalate wie Mizuna oder Pak Choi gedeihen jetzt besonders gut. Diese Salate sind nicht nur robust, sondern auch wahre Kraftpakete. Ihre enthaltenen Senföle sorgen für einen würzig-scharfen Geschmack und wirken antibakteriell. Nach sechs bis sieben Wochen kann mit der Ernte begonnen werden – gut wachsen sie bei Temperaturen zwischen 10 und 15 °C.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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