Mit Bischof Alois Schwarz durch den Advent
Das Leben wieder neu auf Gott ausrichten
- Bischof Dr. Alois Schwarz begleitet die Kirche bunt-Leserinnen und -Leser mit dem Wort zum Adventsonntag durch den Advent auf Weihnachten hin.
- Foto: Wolfgang Zarl
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Mit dem ersten Advent beginnt das neue Kirchenjahr. Liebe Leserin, lieber Leser, ich freue mich, dass ich Sie auch heuer wieder mit meinen Gedanken durch die liturgischen Advent-Sonntag-Texte begleiten darf. Mit dem Text der ersten Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja werden wir eingeladen, unseren bisherigen Wegverlauf zu überdenken, ja mehr noch: Wir werden aufgefordert, unser Ziel zu überprüfen bzw. für manche heißt es vielleicht sogar, unser Ziel, nämlich unser Leben, auf Gott hin auszurichten, neu festzulegen. Wir stehen am Beginn einer neuen Ausrichtung, gleichsam als Erinnerung, denn wir erinnern uns an den letzten Grund unseres Daseins: Das Aufeinander-Zugehen, um IHM, unserem Herrn, einst begegnen zu können. Der Prophet Jesaja motiviert sein Volk, sich dem Herrn, unserem Gott zuzuwenden, wenn er schreibt: „Auf, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er unterweise uns in seinen Wegen, auf seinen Pfaden wollen wir gehen.“ (Jes 2,3)
Den Berg des Herrn erklimmen
Manchmal frage ich mich, wer sind die Propheten und Prophetinnen unserer Zeit? Von wem lassen wir uns führen? Nicht selten müssen wir erleben, dass so manch ein selbsternannter Prophet, eine selbsternannte Prophetin uns in die Irre geführt hat. Zumeist sind diese Irrwege bequem, denn sie fordern keine Anstrengung. Es fühlt sich leicht und einfach an. Da ist es schon verständlich, bei all den Mühen, die der Alltag so bereithält, den einfacheren, den Weg bergab, zu wählen.
Jesaja lädt ein, den Berg des Herrn zu erklimmen. Das jedoch klingt nach Anstrengung, keineswegs nach Leichtigkeit. Der Weg des Herrn ist kein leichter, einfacher, bequemer oder gar entspannender und für uns Menschen schier unmöglich, ihn zu bewältigen. Also, wie soll das denn gelingen?
In der zweiten Lesung des Apostels Paulus an die Römer finden wir dazu eine Antwort, denn der Weg zu Gott gelingt nur in der Verbundenheit zu Jesus Christus. Paulus versteht Jesus nicht als Begleiter, der neben uns hergehen möchte, sondern er verwendet ein Bild, wenn er schreibt: „Vielmehr zieht den Herrn Jesus Christus an.“ (Röm 13,14a) Dieses Bild, das Paulus hier verwendet, erinnert an die Taufe, bei der wir Christus angezogen bekommen haben. Am Beginn des Advents erleben wir gleichsam eine Erinnerung an unsere Taufe. Wenn wir unseren Herrn Jesus Christus anziehen, IHN gleichsam am Leib tragen, der uns schützt und behütet, dann stehen wir die Stürme des Lebens unterwegs zu Gott, unserem Ziel, leichter durch.
Wir werden eingeladen in Jesus, mit Jesus und durch Jesus auf das kommende Weihnachtsfest zuzugehen, damit das Kind im Stall von Betlehem auch in uns geboren werden kann.
Wenn wir unseren Herrn anziehen, dann stehen wir die Stürme des Lebens durch.
Freilich, ganz so einfach ist das nicht, denn es braucht dazu unseren Willen, also unsere Bereitschaft, diesen Jesus entdecken zu wollen. Da wir jedoch einen Gott haben, der sich nicht in lauten Befehlen und Angst machenden Worten uns nähert, sondern behutsam und in großer Geduld darauf wartet, bis wir IHN entdecken, hören wir im Evangelium, wie wir IHM, unserem Herrn begegnen können: „Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.“ (Mt 24,44) Der Evangelist Matthäus mahnt wie ein guter Vater, eine liebende Mutter, in seiner Botschaft eine Ordnung ein, durch die es gelingen kann, das Ziel – nämlich Gott zu entdecken – nicht aus den Augen zu verlieren bzw. neu festzulegen.
Dies gelingt nicht auf Knopfdruck, sondern braucht Rahmenbedingungen der Ruhe und der Stille, um aus der Hektik unserer Zeit in diese Bereitschaft hineinwachsen zu können. Tägliche Rituale der Stille wie Meditation, die Feier der hl. Messe (im Advent zum Beispiel die Rorate-Messe), ein Spaziergang in der Natur und dergleichen, helfen dabei. Vielleicht ist gerade die dunkelste Zeit des Jahres, wenn die Tage kürzer werden und die Nächte nicht enden wollen, genau der passende Zeitpunkt, die Bereitschaft auf das strahlende Licht, in dem sich Gott zeigt, erfahren zu können.
Ich wünsche Ihnen, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, einen gesegneten Advent, in dem Sie Gott neu entdecken und erleben können.
Ihr
Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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