Quatembertage
Hexen, Geister, Danksagung: Die Quatembertage
- Die Texte der Quatembermessen setzen die Jahreszeit mit Dank und Bitte um Segen, Buße und Erneuerung sowie dem Gebet um geistliche Berufung in Beziehung.
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Viermal im Jahr begeht die Kirche die Quatembertage, jeweils zum Beginn von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Aber was sind Quatember eigentlich?
Die goldene Mitte: der Philosoph Aristoteles pries sie als den Inbegriff der Tugend. Wer ein rechtes Maß halten kann zwischen zwei Extremen, der wird ein gutes und glückliches Leben führen. Tapferkeit zum Beispiel ist das Mittelmaß zwischen Feigheit und Übermut.
Auch im Glauben braucht es das rechte Maß, Extreme sind selten gut. Das wusste Papst Siricius, der ein Freund der klaren Linie war – besonders in Glaubensfragen. Im Jahr 394 sah er sich genötigt, in einem Streit zwischen zwei Extremen eine goldene Mitte finden zu müssen. Auf der einen Seite standen die Rigoristen, zum Beispiel der heilige Hieronymus, auf der anderen der Häretiker Jovinianus. Erstere wollten strenge Fastenregeln für die ganze Christenheit, da das Fasten ein Voranschreiten zu Gott darstelle, der andere glaubte nicht, dass Fasten für irgendetwas gut sei und lehrte – trotz eigener asketischer Lebensweise – dass die Taufe gänzlich begnade und somit keine weiteren asketischen Werke notwendig seien.
Papst Siricius verurteilte Jovinianus, führte aber auch kein das ganze Jahr über verpflichtendes Fasten an Mittwochen und Freitagen ein, wie es die Rigoristen forderten. Stattdessen bestimmte er besondere Bußtage, die viermal im Jahr, immer zu Beginn einer neuen Jahreszeit, stattfinden sollten und an denen die Gläubigen zu Fasten und Buße aufgefordert waren.
Im Volksglauben vermischten sich schon recht bald fromme Gesinnung und Aberglaube.
Das ist zumindest eine mögliche Erklärung für die Entstehung der sogenannten Quatember, viermal im Jahr (quattuor tempora) stattfindende „gehobene“ Werktage, an denen besondere Messen gefeiert werden – oder begangen werden sollten. Die geringe Bekanntheit der Quatembertage sowie der sehr unbestimmte Inhalt der Feier tragen dazu bei, dass sie oft nicht gefeiert werden.
Die Geschichte der Quatembertage ist dabei eine sehr wechselhafte. Was wahrscheinlich als Bußtag begann, entwickelte sich mehr und mehr zu Tagen, an denen um das Gedeihen der Feldfrüchte sowie Abwehr von Krankheit und bösen Mächten gebetet wurde. Im Volksglauben vermischten sich nämlich schon recht bald fromme Gesinnung und Aberglaube. Man war sich zum Beispiel sehr sicher, dass Hexen um die Quatembertage herum besonders gerne ihre Versammlungen abhielten. Die Gläubigen suchten sich deshalb mit dem Empfang der Sakramente und dem Gebet gegen die Schadenszauber der Hexen zu schützen. Auch für die Toten und armen Seelen betete man besonders und viele behaupteten, zu den Quatembertagen häufig Geister und rastlose Seelen zu sichten.
Buße und Gebet
Die Reformation lehnte nicht zuletzt deshalb die Quatembertage ab – ein Überrest findet sich im Protestantismus aber immer noch, in Form des deutschen Buß- und Bettages, der ziemlich genau das fasst, worum es ursprünglich gegangen ist: Buße und Gebet.
Abseits der Volksfrömmigkeit und des Aberglaubens etablierten sich ab dem 6. Jahrhundert die Quatembertage als beliebte, teilweise sogar verpflichtende Termine für die Spendung der Weihen.
Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde keine inhaltliche Schärfung der Quatembertage vorgenommen. Stattdessen übertrug man die Frage, wie und womit man die Quatembertage füllen möchte, auf die Bischofskonferenzen. In Österreich stehen drei Themen im Zentrum der Quatembertage: Dank und Bitte um Segen, Buße und Erneuerung sowie das Gebet um geistliche Berufe. So vereint die Feier der Quatember heute mehrere Entwicklungsstränge der Feier. Im Messbuch gibt es für jede der Quatembermessen Messtexte, die die jeweilige Zeit im (Kirchen-)Jahr mit diesen drei Themenfeldern in Verbindung setzen.
Die Quatembertage sind ein guter Zeitpunkt, um an regelmäßigen Punkten im Jahr Gott einfach einmal zu danken und darum zu bitten, dass er all das Gute, das er bisher gewirkt hat, auch in Zukunft wirken möge. Gott danken – das kann man zwar eigentlich nicht oft genug tun, es viermal im Jahr ganz bewusst zu tun, ist jedenfalls ein guter Anfang.
Autor:Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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