Ukraine-Hilfe
„Was ihr dem geringsten meiner Brüder tut ...“
- hochgeladen von Wolfgang Zarl
Am 24. Februar 2022 hat Russland die Ukraine überfallen und Tod und Zerstörung gebracht. Der bitterkalte Winter verschlimmert die Situation der Menschen zusätzlich. Für die Hilfe aus den Pfarren der Diözese St. Pölten ist der griechisch-katholische Pater Myroslaw Rusyn sehr dankbar. Er war langjähriger Caritas-Direktor in der westukrainischen Diözese Uschhorod und wirkt jetzt als Moderator im Seelsorgeraum An der Leitha im Burgenland.
Die Berichte über die Lage der Menschen sind erschütternd. Welche Informationen haben Sie?
P. Myroslav Rusyn: Die Menschen leiden unter den Angriffen und Bomben. Durch die Zerstörung der Infrastruktur gibt es oft keinen Strom, kein Wasser, keine Wärme. Mir wurde von einer alten Frau in Kiew berichtet. Sie wurde tot in einem Stuhl gefunden – sie ist erfroren. Vor allem ältere Menschen leiden, die kaum mobil sind, aber auch viele Familien, etwa in den Millionenmetropolen Charkiw und Kiew. Die Situation hat sich verschärft, weil es teils minus 20 Grad hat! Die Westukraine, wo ich herkomme, ist zwar nicht frontnahe, aber dort gibt es oft Stromabschaltungen.
Wie können Sie helfen?
P. Myroslav Rusyn: Wir holen immer im Sommer 14 Kinder für drei Wochen ins Burgenland zur Erholung. Wir bieten Kultur, Badespaß und Austausch mit Kindern aus den Pfarren. Auch im Raum Amstetten gab es bereits ein Ferienlager. Ähnliches bieten wir auch Witwen, deren Männer im Krieg gestorben sind. Vielen geht es psychisch schlecht, hier können sie nach Langem wieder einmal gut schlafen. Zusätzlich bin ich den Menschen sehr dankbar für Lebensmittel- und Hygieneartikelsammlungen über die Hilfsorganisation ORA in Ardagger. Demnächst fahre ich mit diesen Gütern wieder in die Ukraine und bringe es armen Menschen. Wir haben auch schon Kleidung, Rollstühle und Generatoren hin geliefert. Ich bin dem Am-stettner Michael Wagner dankbar für die Hilfe aus der Region, durch ihn konnte ich in Schulen informieren.
Woraus schöpfen Sie Ihre Motivation?
P. Myroslav Rusyn: Motivierend ist für mich ein Zitat aus dem Evangelium: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,41). Viele Menschen in der Diözese St. Pölten haben ein offenes Herz für die Ärmsten, dafür sind die Menschen in der Ukraine und ich sehr dankbar! Es gibt Kraft, den Schwächsten zu helfen!
Haben Sie Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende?
P. Myroslav Rusyn: Ich bete jeden Tag um Frieden! Die Zerstörungen der Infrastruktur, des Kulturerbes und der Familien sind verheerend. Und die vielen Toten! Das alles ist unmenschlich, ich hoffe als Mensch und Christ, dass es bald aufhört. Im restlichen Europa dürfen wir ohne den Alltag von Bomben und Krieg leben.
Autor:Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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