Ihnen gelang die Flucht aus Konstantinopel
Kapelle in Öhling erinnert an drei entführte Frauen

Pfarrer P. Michael Prinz und Evelin Grubauer, die sich um die Kapelle kümmert.
  • Pfarrer P. Michael Prinz und Evelin Grubauer, die sich um die Kapelle kümmert.
  • Foto: Wolfgang Zarl
  • hochgeladen von Wolfgang Zarl

1683 wurden die Öhlermüllerin Susanna Pilsinger, sowie zwei als Rein­thaler Tini und Empfinger Lisi bezeichnete Frauen von den Türken bis nach Konstantinopel (heute Istanbul) verschleppt.

Dort wurden die Frauen auf dem Sklavenmarkt an einen vornehmen Herrn verkauft. Nach mehreren Jahren der Gefangenschaft ergab sich bei einem Erdbeben die Möglichkeit zur Flucht, die von den drei Frauen zusammen mit einer schwarzen Dienerin namens Zoe ergriffen wurde. Die Rückkehr in die Heimat dauerte ein Jahr. Zoe starb bei der Reise aufgrund der Strapazen. Der Öhlermüller soll sich in der Zwischenzeit wieder verheiratet haben. Die zweite Frau wollte der Heimkehrerin sofort den Platz räumen, doch diese habe im Hinblick auf ihren geschwächten Gesundheitszustand und auf ihr nahes Ende auf ein weiteres Zusammenleben mit ihrem Mann verzichtet, sei zu ihrer Freundin gezogen und starb bald darauf. Angeblich soll sie in Zeillern begraben worden sein.

An diese Geschichte erinnern die Öhlermüller-Kapelle in der Pfarre Öhling, die der Gottesmutter Maria geweiht ist, sowie ein Marterl bei Ludwigsdorf. Auch ein Theaterstück dazu wurde bereits aufgeführt.

Der Zeillerner Heimatforscher Prof. Franz Steinkellner untersuchte dies auf den Wahrheitsgehalt. Manche Details sind wohl Legende, dennoch fand er im Sonntagberger Gnadenbüchl vom Jahr 1716 Hinweise auf die fünf Jahre dauernde Gefangenschaft. Prof. Steinkellner entdeckte auch Nachweise über die Öhlermüllerin und über die Reinthaler Tini in den Matriken der Pfarren Euratsfeld, Zeillern und Aschbach, zu der die Öhlermühle einst gehörte. Frauenraub kam in den Türkenkriegen häufig vor, aber nur selten gibt eine Chronik darüber Auskunft. In den Matriken der Pfarren finden sich Eintragungen nur dann, wenn Bewohner durch die Türken getötet wurden.

Seit über 20 Jahren betreut die Familie Grubauer die Öhlermüller-Kapelle, die der Gemeinde gehört.

„Kapellen – Marterl – Kreuze“ ist eine Kirche bunt-Reihe, in der Geschichten von Kleindenkmälern vorgestellt werden.

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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