Frankreichreise von Papst Leo XIV.
Wie ein Phönix aus der Asche

Papst Leo XIV. bei seiner Ankunft zur Gebetswache mit Jugendlichen im „Stade de France“ in Saint-Denis (Frankreich) am 25. September.
 | Foto: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
  • Papst Leo XIV. bei seiner Ankunft zur Gebetswache mit Jugendlichen im „Stade de France“ in Saint-Denis (Frankreich) am 25. September.
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Papst Leo XIV. beendete am 28. September seinen Staatsbesuch in Frankreich. Die Reise zeigte einen lebendigen, menschennahen, aber auch kritischen Papst sowie eine immer lebendiger werdende katholische Kirche in Frankreich. Im Rahmen der Reise besuchte er den französischen Staatspräsidenten, die Unesco, den Wallfahrtsort Lourdes, die französischen Bischöfe und zahlreiche Gläubige.

Die Welt erlebte dieser Tage einen Papst, der mit klaren Worten ebenso wenig sparte wie mit echter Nähe und Zuneigung zu der Kirche und den Menschen vor Ort. Die erste Etappe der Frankreichreise Papst Leos gab den Ton für den inhaltlichen Teil des Besuches an: Nachdem er von Staatspräsident Emmanuel Macron begrüßt wurde, erinnerte der Pontifex in seiner ersten Ansprache Verantwortungsträger aus Politik und Gesellschaft an die „tiefen“ christlichen Wurzeln des Landes. „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind nicht bloß Worte, die auf den Giebeln Ihrer öffentlichen Gebäude zu lesen sind, sondern verweisen auf allgemeine ethische Ansprüche“, so der Papst. „Mit Besorgnis stelle ich bisweilen fest, wie Gesellschaften derzeit in die falsche Richtung abdriften und Gefahr laufen, Wissenschaft und Technik in gewinnorientierte Unternehmungen zu verwandeln, die genetische Manipulationen, Leihmutterschaft, den Handel mit Organen oder das Angebot eines geplanten Todes fördern“, sagte Leo XIV. im Élysée-Palast, dem Sitz von Macron. Erst im Juli hatte Frankreich aktive Sterbehilfe und begleiteten Suizid erlaubt. An die Politiker Frankreichs, der einzigen Atommacht innerhalb der Europäischen Union, appellierte er für Abrüstung und ein Verbot von nuklearen Waffen.

Kritik an Willkür und Machtstreben

Bei seinem anschließenden Besuch der Unesco in Paris übte Leo XIV. scharfe Kritik an Machthabern, die geltendes Recht willkürlich für ihre Zwecke auslegen. „Anstatt das Gesetz zu achten, berufen sich die Machthaber darauf, wenn es ihren Interessen dient, und missachten es, wenn es sie einschränkt“, so der Papst.
8.000 Priester, Ordensleute und Laien feierten anschließend mit Leo XIV. einen Vespergottesdienst vor und in der Kathedrale Notre Dame, die nach Brand und Wiederaufbau wie ein Sinnbild der als Phönix aus der Asche wiederaufstehenden katholischen Kirche wirkt. Dort fand der Papst auch versöhnliche Worte zur „Alten Messe“ und forderte zu konkreten Lösungen und Entgegenkommen durch die Bischöfe auf.

„Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind nicht bloß Worte, die auf den Giebeln Ihrer öffentlichen Gebäude zu lesen sind“

Am Abend kamen knapp 80.000 junge Franzosen im Nationalstadion zusammen, um gemeinsam mit Papst Leo XIV. zu feiern und zu beten. Musik, ein Schauspiel über die Heiligen des Landes und ein Feuerwerk stimmten auf das Abendgebet im französischen Nationalstadion ein. „Ihr seid die Heiligen Frankreichs!“, sagte der Papst den Jugendlichen. Er warnte die Teilnehmenden zwischen 17 und 35 Jahren aber auch vor Stolz, Eitelkeit, Gewalt und Habsucht: „Um die Nähe zu Gott und die menschliche Geschwisterlichkeit verspüren zu können, muss man also diese Gier zurückweisen, die dazu führt, dass man Beziehungen konsumiert, ohne etwas zurückzugeben, und sich mit Dingen vollstopft, die einen nicht nähren.“
Das Kirchenoberhaupt riet den jungen Menschen: „Um die richtigen Entscheidungen zu treffen, denkt an dieses Kriterium: Das Gute schenkt Leben und nimmt es niemals weg. Das Gute sorgt für andere, es nimmt nichts für sich selbst. Das Gute ist nicht nur ein schönes Wort, sondern das strahlende Antlitz der Liebe: Es ist Gott in Person!“

Massenhafter Ansturm zur Messe

Rund 700.000 Menschen feierten am nächsten Tag mit Papst Leo XIV. eine Freiluftmesse auf der Pariser Place de la Concorde. Aufgrund des massenhaften Andrangs hatte die Stadt auch Teile der Champs-Élysées sowie zahlreiche weitere Straßen gesperrt. Der Papst ermutigte die Katholiken in seiner Predigt: „Behaltet den Glauben an Jesus Christus nicht nur für euch selbst!“ Sie sollten ihn zu anderen Menschen bringen, um auch ihnen jene Erfüllung zu schenken, die die Welt mit Gier und Machtstreben nicht geben könne. Leo XIV. dankte Familien für ihr Engagement bei der Glaubensverbreitung.
Dann richtete er sich auch an die erwachsenen Taufbewerber und Neugetauften, deren Zahl in Frankreich seit einigen Jahren kontinuierlich steigt. Sie sollten in ihrem Umfeld die Kultur der Liebe verbreiten. „Von dieser schönen Stadt Paris aus bete ich inständig dafür, dass sich das lebendige Wasser des Heiligen Geistes über ganz Frankreich ausbreitet“, sagte Leo XIV.
Der Papstbesuch in Lourdes am folgenden Tag stand auch im Zeichen der Missbrauchsaufarbeitung in der katholischen Kirche. Der Marienwallfahrtsort hat dafür eine besondere Symbolik: Hier erkannten die französischen Bischöfe 2021 die institutionelle Verantwortung der Kirche für die Missbrauchsfälle an und baten um Vergebung. Die Französische Bischofskonferenz traf Leo XIV. am frühen Morgen. Mit Blick auf Fehler im Umgang mit dem Missbrauchsskandal, sagte er ihnen: „Habt immer den Mut, Fehler in der Liebe zur Wahrheit anzuerkennen, und die Entschlossenheit, die Wunden mit der Liebe des Guten Hirten zu heilen“. Er lobte aber auch die gelungenen Aufarbeitungsstrategien der Bischöfe und rief zugleich zu anhaltender Wachsamkeit auf.
Am selben Tag traf sich der Papst einzeln mit Opfern von Missbrauch durch Geistliche. Die Teilnehmer äußerten sich anschließend in Pressegesprächen positiv über das Treffen. Papst Leo habe sich einfühlend gezeigt und sehe, das der Weg zur Lösung der Probleme noch ein weiter sei, so der Tenor.

„ ... dass sich das lebendige Wasser des Heiligen Geistes über ganz Frankreich ausbreitet.“

Bei einer Begegnung mit Hunderten von Menschen mit Behinderungen sprach sich Papst Leo XIV. nochmals leidenschaftlich gegen medizinisch assistierten Suizid von unheilbar Kranken und Menschen mit Behinderung aus. Am Ende des Tages nahm der Papst noch an der traditionsreichen Lichterprozession in Lourdes teil, wo er die ganze Kirche zu intensivem Rosenkranzgebet für den Frieden aufforderte.
Die letzte Etappe der Papstreise war die lothringische Stadt Metz, wo er eindringlich für ein geeintes, friedliches Europa warb und scharfe Kritik an aktuellen sicherheits- und migrationspolitischen Entwicklungen geübte. An dem Ort, an dem der EU-Gründervater Robert Schuman einst lebte, erinnerte der Pontifex daran, dass Europa in den letzten 80 Jahren eindrucksvoll bewiesen habe, „dass es möglich ist, unterschiedliche Meinungen, Forderungen und Interessen geltend zu machen, indem man sich begegnet, anstatt sich zu bekämpfen“.
Bei einem interreligiösen Treffen forderte Papst Leo XIV. von den Religionen einen gemeinsamen Einsatz für Menschenwürde und Frieden. Sich auf den Namen Gottes zu berufen, um Gewalt oder Unterdrückung zu legitimieren, stelle eine Entweihung dieses Namens dar, sagte er. „Nichts, was die Menschenwürde entstellt, kann sich auf wahre göttliche Eingebung berufen.“

Teilnahme Macrons an Messe

Zum Abschluss seiner viertägigen Frankreichreise feierte Papst Leo XIV. sodann im Stephansdom von Metz in Lothringen eine Messe für Gerechtigkeit und Frieden. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nahm teil, wie das Präsidialamt überraschend angekündigt hatte. In Paris war er wegen der seit 1905 geltenden Trennung von Staat und Kirche nicht bei den Papstmessen dabei.
Der viertägige Frankreichbesuch von Leo XIV. vom 25. bis 28. September war trotz der Kürze eine der facettenreichsten und eindrucksvollsten Reisen in seinem knapp anderthalbjährigen Pontifikat: Er zeigte einen lebendigen Papst und machte deutlich, dass die Kirche im „alten Europa“ noch immer stark ist.
KAP/Red.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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