Katholische Aktion der Diözese St. Pölten
Ehrenamt-Umfrage betont Wertschätzung

V. l.: Axel Isenbart, Generalsekretär der 
KA St. Pölten, Prof. Paul Zulehner, KA-Präsident Armin Haiderer und die desig­nierte KA St. Pölten-Generalsekretärin 
Katharina Kratochwill bei der Präsentation der Umfrage zum Ehrenamt. | Foto: Wolfgang Zarl
  • V. l.: Axel Isenbart, Generalsekretär der
    KA St. Pölten, Prof. Paul Zulehner, KA-Präsident Armin Haiderer und die desig­nierte KA St. Pölten-Generalsekretärin
    Katharina Kratochwill bei der Präsentation der Umfrage zum Ehrenamt.
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Die Katholische Aktion der Diözese St. Pölten befragte Ehrenamtliche, der renommierte Pastoraltheologe Paul Zulehner wertete die Umfrage aus. U. a. wird dabei mehr Förderung von freiwilligen Mitarbeitern gewünscht.

Die Katholische Aktion (KA) wurde von Bischof Alois Schwarz als „Hüterin des Ehrenamts“ bezeichnet. Diese Worte motivierten die KA zu einer Umfrage. Der bekannte Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner erarbeitete mit dem Präsidenten der KA der Diözese St. Pölten, Armin Haiderer, eine Studie mit 401 Teilnehmern. Ein umfangreicher Fragebogen wurde an Ehrenamtliche der Diözese St. Pölten ausgegeben. Die Ergebnisse präsentierte Zulehner beim KA-Diözesanausschuss am 10. November. Es wird weitere Detailauswertungen geben, wie Haiderer mitteilt: „Man kann vorwegnehmen, dass die Frage der Wertschätzung, der Beteiligung an Entscheidungen von eminenter Bedeutung ist – sowohl in der Pfarre als auch auf Diözesanebene. Ich bin überzeugt: Das Potenzial für die Diözese ist riesig!“

„Ehrenamtliche sind großteils doppelt motiviert: Glaube und Selbstentfaltung koalieren miteinander“, stellt Zulehner fest, der mit Haiderer die Arbeit kostenlos erstellt hat. Menschen, die sich engagieren, würden über vielfältige tragfähige spirituelle Quellen verfügen. Die Studie zitiert eine Frau: „Ich möchte die Vision des Reiches Gottes leben. Für diese Gedanken ist Jesus auf die Welt gekommen.“ Ein positives Ergebnis der Studie war, dass die ehrenamtliche Arbeit nach Einschätzung der überwiegenden Mehrheit in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat und wichtiger werden wird. Generell fühlen sich die Befragten, die sich u. a. in der Pfarre, bei der KA, aber auch außerkirchlich engagieren, für ihre Bemühungen wertgeschätzt. Wertschätzung der Ehrenamtlichen zeige sich darin, dass sie nicht nur gehört werden, sondern nachhaltig mitentscheiden können, erklären zwei Drittel der Befragten. „Die Ehrenamtlichen haben bei Entscheidungen wenig zu sagen“, sagt aber die Hälfte, dies treffe auch auf Diözesanebene zu.

Auch beim Frauenthema gehe es um Wertschätzung: „Die Kirche sollte die Frauen in allen Bereichen kirchlichen Lebens ernster nehmen“, wünschen sich 80 Prozent der befragten Frauen. 27 Prozent geben weiters an: „Als Frau bekomme ich sehr zu spüren, nicht gleichgestellt wahrgenommen zu werden.“

Für 60 Prozent „macht das Engagement die Kirche zur Heimat“. Und 77 Prozent geben an: „In meiner ehrenamtlichen Tätigkeit erlebe ich Gemeinschaft.“

Zulehner gibt zu bedenken, dass zwei Drittel der Befragten das Gefühl haben, keinen Nachfolger für die Tätigkeit finden zu können. Auch haben 64 Prozent schon überlegt, ihr Ehrenamt niederzulegen. Vielen gab die Umfrage die Gelegenheit, Klartext zu reden. Ein Beispiel: „In unserer Pfarrgemeinde gibt es einen hoch­gradig frustrierenden PGR. Man hat das Gefühl, es wird nur groß geredet und außer einem Pfarrfest wird kaum etwas umgesetzt.“ 62 Prozent teilen mit: „Man kann nicht immer mehr Aufgaben an Ehrenamtliche abschieben.“ Die Befragten identifizieren sich übrigens in dieser Reihenfolge mit kirchlichen Institutionen: Pfarre, KA, Weltkirche und Diözese.

Wichtige theologische Themen und der Priestermangel wurden in der Analyse angesprochen. „Die Entwicklung des Ehrenamts signalisiert den Übergang von der Priesterkirche zu einer Kirche des Volkes. Das ändert die Rolle des Ehrenamts tiefgreifend“, konstatiert Zulehner. Es brauche „als Gegengewicht gegen die Versuchung, aufzuhören, eine starke Spiritualität der Berufung zum Ehrenamt“. Die Kirche soll nach Ansicht vieler die Chance nützen, unter den gemeindeerfahrenen Ehrenamtlichen nach geeigneten Personen zu suchen, diese auszubilden und zu einem „presbyteralen Team“ zu ordinieren. 60 Prozent geben an: „Wir brauchen möglichst bald ehrenamtliche Priester, die aus den Gemeinden kommen.“

Die Motivation für das Ehrenamt speist sich laut Zulehner aus zwei Quellen: jener des Glaubens sowie aus der Erfahrung einer attraktiven Arbeitskultur („neues Ehrenamt“), die zur menschlichen Entwicklung beiträgt. Momente einer solchen humanen Arbeitskultur ließen sich entlang einer theologischen Vertiefung der drei Urwünsche nach Anerkennung, Gestaltungsmacht und Beheimatung erkennen.

Beim Kirchenbeitrag berücksichtigen

„In anderen Vereinen und Institutionen ist es nicht unüblich, aktiven Ehrenamtlichen beim Mitgliedsbeitrag entgegen zu kommen oder diesen ruhend zu stellen. Im konkreten Fall würde eventuell eine Berücksichtigung der ehrenamtlichen Tätigkeiten für die Kirche beim Kirchenbeitrag einen zusätzlichen Anreiz für ehrenamtliches Engagement in der Kirche schaffen“, rät Zulehner. Laien wollen ein engagiertes Förderprogramm: kompetente Begleitung durch Hauptamtliche (73 %); qualifizierte Ausbildungskurse (63 %); verbesserte Ausbildung der Ehrenamtlichen (55 %); Qualifizierung der Leitungskräfte: Lehrmodule im Internet (44 %).

„Die Welt wandelt sich so schnell, wir als Kirche müssen uns darauf einstellen. Das Ehrenamt gehört sicherlich dazu. Es gelten gänzlich andere Voraussetzungen als noch vor 30 Jahren. Wir wollten mit dieser Umfrage aktuelle Einschätzungen von der Basis einholen und so über unsere Arbeit in den Gliederungen der KA und in der gesamten Diözese nachdenken“, hält KA-Präsident Haiderer fest. „Ein ganz wichtiges Thema ist die Wertschätzung. Das sollte der gesamten Diözese zu denken geben. Trotzdem kann man darauf reagieren.“

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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