Das Exsultet - Osterjubel der Kirchenväter
„Frohlocket, ihr Chöre der Engel“

Die Osternacht beginnt mit der Lichtfeier in der dunklen Kirche. Nach dem Einzug in Stille und Dunkelheit läutet das Exsultet den Osterjubel ein.  | Foto: Foto: Stift Herzogenburg
  • Die Osternacht beginnt mit der Lichtfeier in der dunklen Kirche. Nach dem Einzug in Stille und Dunkelheit läutet das Exsultet den Osterjubel ein.
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In Ostern gipfelt das Kirchenjahr – kein Wunder also, dass die Osterliturgie jene aller anderen Feste überragt. Besonders die Liturgie der Osternachtsfeier ist seit jeher auf besondere Weise mit dramaturgischen Elementen versehen, die den Gläubigen die Bedeutung des Festes näherbringen sollen. Was die Kirchenväter, das Osterfest und die Bienen miteinander verbindet, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Nach über sechs Wochen Fastenzeit, nach der Feier vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitag, nach der Grabesruhe am Karsamstag blickt alles auf das zentrale Ereignis des Kirchenjahres hin: das Hochfest der Auferstehung des Herrn. Keine andere Liturgie ist von einer solchen Dramaturgie durchzogen wie die Feier der Osternacht, die nach katholischer Tradition in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag begangen wird. Das stille Gebet der Kirche am Karsamstag mündet in dieser Nacht in den Jubel des Ostersonntags.

Der Beginn dieser Feier ist geprägt von einer erwartungsvollen Stimmung: Das Volk versammelt sich vor der Kirche um das Osterfeuer, das vom Priester gesegnet wird. Der Einzug in die Kirche verläuft in Dunkelheit und Stille, nur durchbrochen durch den dreimaligen „Lumen Christi“-Ruf des Priesters, der die neue Osterkerze trägt.

Einer der ältesten liturgischen Gesänge

Am Höhepunkt der sogenannten „Lichtfeier“ singt der Priester, Diakon oder ein Kantor das Exsultet (auch „Osterlob“), einen der ältesten und beeindruckendsten Gesänge der römischen Liturgie. Auch musikalische Größen zog der Gesang in seinen Bann, wie etwa Wolfgang Amadeus Mozart, der gesagt haben soll: „Ich würde alle meine Werke hergeben, um nur sagen zu können, ich hätte die erste Zeile vom Exsultet geschrieben.“
Das Exsultet nimmt uns mit in die Zeit und Gedankenwelt der Kirchenväter, denen wir im Wesentlichen die Form unseres Osterfestes zu verdanken haben. Aus frühen Zeugnissen wissen wir, dass es schon im vierten Jahrhundert üblich war, Osterkerzen zu verwenden und auf diese eine „Lobrede“ zu halten. Die Aufgabe oblag zunächst dem Diakon, der in seiner Wortwahl frei war. Große Theologen verfassten solche Texte, wie etwa der heilige Augustinus. Mit der Zeit durchgesetzt hat sich das sogenannte „gallikanische Osterlob“, dessen Text im Grunde noch heute verwendet wird. Es dürfte um das Jahr 400 herum verfasst worden sein.

„Ich würde alle meine Werke hergeben, um nur sagen zu können, ich hätte die erste Zeile vom Exsultet geschrieben.“ (Wolfgang Amadeus Mozart)

Nachdem sich die Gemeinde in der Kirche versammelt hat und das Licht der Osterkerze an alle Anwesenden verteilt wurde, schallt es nun in die Kirche: „Frohlocket, ihr Chöre der Engel, frohlocket, ihr himmlischen Scharen, lasset die Posaune erschallen, preiset den Sieger, den erhabenen König!“ Die ganze sichtbare Schöpfung Gottes, Mensch und Natur, sowie die Kirche und das Gottesvolk werden daraufhin ebenso zur Freude aufgerufen.

Ganz nach Manier der Kirchenväter greift das Exsultet Szenen aus dem Alten Testament auf und verweist auf ihre Erfüllung in Christus: „Dies ist die Nacht, die unsere Väter, die Söhne Israels, aus Ägypten befreit und auf trockenem Pfad durch die Fluten des Roten Meeres geführt hat. Dies ist die Nacht, in der die leuchtende Säule das Dunkel der Sünde vertrieben hat. [...] O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden! “

Ein wesentlicher Teil des Exsultet ist dem „Lob der Kerze“ gewidmet, dem historischen Kernstück des Gesangs: „In dieser gesegneten Nacht, heiliger Vater, nimm an das Abendopfer unseres Lobes, nimm diese Kerze entgegen als unsere festliche Gabe! Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet, wird sie dir dargebracht von deiner heiligen Kirche durch die Hand ihrer Diener. So ist nun das Lob dieser kostbaren Kerze erklungen, die entzündet wurde am lodernden Feuer zum Ruhme des Höchsten. Wenn auch ihr Licht sich in die Runde verteilt hat, so verlor es doch nichts von der Kraft seines Glanzes. Denn die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs, das der Fleiß der Bienen für diese Kerze bereitet hat.“

„Lob der Biene“

In der Urfassung folgte darauf außerdem noch das „Lob der Biene“, das mit der Zeit allerdings als unpassend empfunden und daher im Jahr 1570 aus dem Messbuch gestrichen wurde. Die Biene wird darin als Lebewesen beschrieben, das „alle übrigen Lebewesen, die dem Menschen unterworfen sind“, überragt. Sehr ausführlich wird die Geschäftigkeit der Biene beschrieben und gerühmt. Der eigentliche Grund dafür, dass der Biene dieser Stellenwert eingeräumt wurde, war jedoch ein anderer: Die antike Welt war der Auffassung, dass Bienen sich nicht auf geschlechtlichem Wege fortpflanzen, sondern ihre Brut aus den Blüten einsammeln. Im Denken der Kirchenväter wurde sie daher als Symbol für die Jungfräulichkeit und damit für die Jungfrau schlechthin – Maria – gesehen.

„O wahrhaft selige Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet!“, lautet das zusammenfassende Lob der Osternacht. Christus hat durch sein Sterben und Auferstehen jenen Bruch überwunden, der durch den Sündenfall Adams zwischen Gott und den Menschen entstanden war. Das ist letztlich die abschließende Botschaft des Exsultet: Ostern verbindet Himmel und Erde neu, die Gemeinschaft mit Gott ist wiederhergestellt.
Felix Deinhofer

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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