Botschaft des Bischofs
Ostern - eine Gesamtkomposition

Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz | Foto: Diözese St. Pölten

Mit den Kartagen erreicht die Fastenzeit ihren Höhepunkt, der einmünden wird in das Osterfest und die 50 Tage der Osterzeit. Das Besondere dieser Zeit ist aber, dass die Erinnerungstage an das Leiden und Sterben Jesu, eingebettet in rituelle Feiern, gleichzeitig auch die unterschiedlichen Phasen im Leben von uns Menschen abbilden. Das bedeutet, dass wir Ostern nur vom Karfreitag her verstehen bzw. erleben können.

Die Karwoche wird mit dem Palmsonntag eröffnet. Die Menschen sehen in Jesus den Retter. „Hosanna! Gesegnet sei, der kommt im Namen des Herrn!“, rufen sie auf den Straßen. Die Menschen haben damals Jesus zunächst als den Retter der Welt betrachtet.

Das kennen wir auch in unserem eigenen Leben. Es gibt Momente, da sind wir von Menschen so sehr begeistert, dass wir meinen, sie wären die Rettenden unserer Welt. Oft entpuppt sich diese Begeisterung dann als Enttäuschung. Wir fühlen uns betrogen und enttäuscht. Der Palmsonntag möchte uns einladen, uns zu besinnen, wem die Jubelrufe des eigenen Lebens gelten.

Nahrung der Seele

Mit der Feier des Letzten Abendmahles Jesu mit seinen Jüngern am Gründonnerstag gibt es einen weiteren Aspekt der Karwoche, das Ritual des Brotbrechens und des Weinverwandelns. Jesus versammelt seine Jünger um sich und möchte mit ihnen noch ein letztes Mal Mahl halten. Diese Geste der Verbundenheit und Freundschaft ist gleichzeitig auch ein Moment der Dankbarkeit. Jesus bringt zum Ausdruck: Alles, was ich bin und was mich ausmacht, das Heilende, das Lebensspendende, das Freiheitsschenkende, das Liebende, das Rettende, das Barmherzige und Sorgende – das hinterlasse ich euch Menschen dann, wenn ihr auch weiterhin miteinander Mahl haltet und euch daran erinnert. Ich hinterlasse euch in meinem Leib und Blut die Nahrung für die Seele.

Der Gründonnerstag ist die Einladung, einerseits an diesem Mahl teilzunehmen und gleichzeitig uns an den Weg der Liebe, der Versöhnung und Achtsamkeit für einander aufs Neue zu erinnern. Damit es gut werden kann, braucht es Menschen, die gut sind zueinander. Wir verschenken uns selbst für andere, indem wir alles geben, was wir geben können. Jesus sagt uns: Mensch, setze dich für den Menschen, die Natur, die Liebe, die Versöhnung, den Frieden und das Leben ein, denn dann kann es gut werden. Der Einsatz für das Gute in unseren alltäglichen Lebenssituationen gelingt aus der Nahrung Jesu.

Jesu Weg am Karfreitag war
kein einfacher Weg, aber er zeigt uns Menschen damit:
Mensch, egal in welcher schrecklichen Lebenssituation du dich befindest,
ich gehe deinen Weg mit.

Wenn wir am Karfreitag des Leidens und Sterbens Jesu gedenken, erinnern wir uns daran, dass er bereit war, dieses Leben in die Hände seines Vaters zurückzugeben. Jesus hatte für all das Gute, das er in seinem Leben den Menschen ermöglicht hat, keine Erwartungen geknüpft. Bedingungslos und frei hat er dann sein Kreuz auf sich genommen und ist den Weg der Ungerechtigkeit, des Hasses, der Verleumdung und der Einsamkeit bis in den Tod am Kreuz gegangen. Es war kein leichter, einfacher Weg, aber er zeigt uns Menschen damit: Mensch, egal in welcher schrecklichen Lebenssituation du dich befindest, ich gehe deinen Weg mit. Gemeinsam mit dir gehen wir nach Golgotha und lassen das Ungelöste, die Schuld, das Versagen, den Hass und den Zorn sterben.

Der Karfreitag lädt uns Menschen ein, all das Belastende und Bedrückende unserer Seele loszulassen, es gleichsam sterben zu lassen und nicht festhalten zu wollen. Im Loslassen von ungesunden Bindungen, von schmerzvollen Erfahrungen, von Ungerechtigkeiten und Widerwärtigkeiten entdecken wir die Leichtigkeit des Lebens. Ohne das Durchleben des Karfreitages bleibt Ostern ein Fest der Äußerlichkeiten an der Oberfläche.
Der Karsamstag, der in der Leidensgeschichte als der Tag der Grabesruhe bezeichnet wird, lehrt uns nun die Leere, den Raum, der durch das Loslassen in unserer Seele entstanden ist, auszuhalten. Wir Menschen neigen dazu, bereits an diesem Tag das Osterfest vorzuziehen. Dieser Tag möchte uns Zeit geben zum Verarbeiten dessen, was geschehen ist. Man könnte dazu auch sagen, es ist der Tag der Stille, der Auszeit für unsere Seele, um hinter uns zu lassen, wovon wir Abschied genommen haben.

Mit der Feier der Osternacht wird dann in der Dunkelheit der Nacht das kleine Licht der Osterkerze, der Beginn des neuen Lebens, entzündet.

Ostern ist das große Fest unseres Glaubens. Es bringt zum Ausdruck, dass nicht der Tod, sondern das Leben unser Ziel ist. Seit Jesu Tod gibt es Menschen, die an ein Leben nach dem Tod glauben, weil wir an der Geschichte von Jesus aus dieser Zuversicht und Hoffnung leben dürfen. Für unser Leben bedeutet Ostern, dass nun der Neuanfang in Liebe beginnt. Ohne den Karfreitag könnten wir diese tiefe Erfahrung unserer Seele nicht machen, weil die Karwoche und Ostern, am Lebensweg Jesu erzählt, eine Gesamtkomposition für unser Leben abbilden.
Gesegnete Ostern!
Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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