Bischof Dr. Alois Schwarz:
Ermutigung zur Frohbotschaft

Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz | Foto: Moritz Schell

Einladende Worte von Bischof Alois Schwarz zur Sendung als Christinnen und Christen in der Welt: im Heute und in Zukunft.

Liebe Brüder und Schwestern!
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und
im diakonalen Dienst!

Vor kurzem hatte ich eine eindrucksvolle Begegnung mit einer jungen Christin, die vielleicht 20 oder 21 Jahre alt war. Im Gespräch über eine Vielfalt an Themen habe ich sie eher am Rande gefragt, ob sie auch anderen von ihrem Glauben erzählt. Und sie hat mir eine gewaltige Antwort gegeben: „Wie sehr müsste ich einen Menschen hassen, um ihm nicht von Jesus Christus zu erzählen?“ Diese Antwort hallt seither tief in mir nach. Von Jesus Christus zu erzählen ist – wenn ich diesen Gedanken weiterdenke – eine Tat der Nächs­tenliebe. Die Menschwerdung unseres Got­tes, die Zartheit, Kleinheit, Verletzlichkeit, mit der er uns und die Welt gerettet hat, ist kein Programm für Spezialisten, für Insider, für die glücklichen Wenigen. Menschen von Jesus Christus zu erzählen und von seiner Frohen Botschaft, ist der Grundauftrag, der uns von Christus selbst aufgetragen ist (Matthäus 28,19).

Die Diözesen der Welt wurden von Papst Franziskus auf eine Mission geschickt: Wir sollten und sollen uns in etwas üben, das wir als „Synodalität“ bezeichnen. Verdichtet und verdeutlicht hat uns der Heilige Vater das, was er meint, mit den drei großen und wegweisenden Begriffen, die er diesem Prozess voranstellt: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung.

Die größte Liebesgeschichte der Menschheit

Am vergangenen Palmsonntag gingen unsere Erfahrungen und jene Punkte, die rückgemeldet wurden, weiter zum Synodalteam auf Österreichebene. Doch damit ist es nicht getan: Mit Ostern startet nun die Zeit, die unserem Sendungsauftrag besonderes Augenmerk schenkt. Es ist gleichsam Ziel und Auftrag, als Christinnen und Christen gesendet zu sein, das wird jetzt zu Ostern ganz besonders deutlich. Zum einen fühlt sich Ostern an wie ein Endpunkt: Es ist ein Hoffnungsziel, auf das wir hinfasten, hinbeten, hinsehen. Außerdem ist Ostern auch der Beweis der größten Liebesgeschichte der Menschheit: jener zwischen Gott und uns Menschen und damit der Beginn der Geschichte der Weggemeinschaft jener Jünger, die aus dieser Ostererfahrung heraus sich auf den Weg gemacht haben, um der Welt davon zu berichten.

Das gemeinschaftliche Unterwegssein, die Standortbestimmung, das Wahrnehmen von Gemeinschaft und Nähe und die laufende Versicherung der Teilhabe am Heilsplan Gottes zeichnete die Christen damals und uns heute als christliche Gemeinschaften aus. Wir sind aus der Sicherheit der Gemeinschaft und der Stärkung der Teilhabe an Christus heraus gesendet, hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden.

„Wie sehr müsste ich einen Menschen hassen, um ihm nicht von Jesus Christus zu
erzählen?“

Dieser Sendungsauftrag ist Teil der Weite des weltkirchlichen Weges im Einüben des aufeinander Hörens und der Einmütigkeit und kann deshalb nicht auf ein Ende hin definiert sein: In einem kürzlich stattgefundenen Gespräch mit einem hochrangigen Vertreter des Heiligen Stuhls wurde das „Weitergehen“ in Synodalität betont und explizit aufgetragen. Für die Zukunft in der Diözese St. Pölten ist es mir ein großes Anliegen, dass uns die Begriffe Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung weiter den Weg weisen in unserem täglichen Tun und Wirken.
Es freut mich daher, dass in unserer Diözese das synodale Miteinander ohne fixes Enddatum gesehen und ausgerollt gelebt wird. In gewohnter Weise finden Sie unter www.aufsendung.at eine Fülle an Materialien und Ideen für die kommende Osterzeit auf Pfings­ten hin.

Zwei Ankündigungen möchte ich dazu konkret machen: die Pfingstnovene, die heuer mit Beteiligung von Männern und Frauen der Diözese entstanden ist und zu der ich bereits jetzt einladen möchte. Gerne gebe ich auch einen Ausblick auf die Sendungswoche ab Pfingsten, die das Wort und den Heilsplan Gottes in den Mittelpunkt stellen wird, in jenen Pfarren und Gemeinschaften, die sich beteiligen möchten.

Der größte Auftrag, den wir Christinnen und Christen haben

Mein großer Wunsch ist es, dass Sie sich beteiligen, nachschauen, wirksam sind: Sie sind mit der Taufe befähigt und berufen zum größten Auftrag, den wir Christinnen und Christen haben: Menschen von Christus zu erzählen. Sie einzuladen, willkommen zu heißen, da zu sein. Wir dürfen uns nicht davon entmutigen lassen, wenn in der Vorstellung in unseren Köpfen alles immer größer, besser, anders, schneller, intensiver ablaufen müsste. Wir können die Verantwortung für den Nächsten nicht an die nächst höhere Ins­tanz wegdelegieren. Wir dürfen uns nicht von einer konsumierenden Welt des Immer-Mehr davon abbringen lassen, dass christliches Leben im ganz Kleinen wächst, im Kleinen geteilt wird, im Kleinen stattfindet, in zarten und beinahe unsichtbaren Momenten, im direkten Gespräch, im wortlosen Helfen, im Stillen, im Gebet. Seelsorge ist etwas Riesengroßes, das im Winzigkleinen stattfindet. Wir alle sind dazu aufgerufen, uns um die Seelen der Menschen zu sorgen und die Frohe Botschaft zu verkünden.

In der tiefen Freude über den Auferstandenen bin ich in Verbundenheit
Ihr Bischof
Alois Schwarz

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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