25. Sonntag 2026: Sr. Elvira J. Reuberger
Weg des Glaubens ...

Generalvikarin Sr. Elvira Reuberger und Generaloberin Sr. Franziska Bruckner in der Amstettner Franziskanerinnenkirche mit einem Bild des heiligen Franz von Assisi, der vor 800 Jahren gestorben ist.  | Foto: Wolfgang Zarl
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  • Generalvikarin Sr. Elvira Reuberger und Generaloberin Sr. Franziska Bruckner in der Amstettner Franziskanerinnenkirche mit einem Bild des heiligen Franz von Assisi, der vor 800 Jahren gestorben ist.
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Nur auf Abruf für eine Arbeit gebraucht zu werden, zu warten, ob jemand kommt, der einen Job anzubieten hat. Gerade jetzt ist aktuell vielen Menschen diese schwierige Situation nicht unbekannt. Das ist auch die Ausgangslage für Arbeitswillige in der Geschichte, die Jesus im heutigen Evangelium erzählt. Es geht um einen Gutsbesitzer, der Arbeiter für seinen Weinberg anheuert. Der Lohn ist angemessen. Ein Denar deckt den Tagesbedarf für damalige Verhältnisse ab.
So unspektakulär die Geschichte beginnt, so überraschend ist ihr Ende. Was ist geschehen, dass am Ende des Tages einige Grund haben, zu murren, und nur der zuletzt Angeworbene zufrieden sein kann? Dieser wird unerwartet gut belohnt. In unserer Gesellschaft wäre das ein Fall für die Gewerkschaft, denn Gerechtigkeit muss sein! Weniger Arbeitszeit heißt weniger Lohn.

Andere Logik im Reich Gottes

Doch die Geschichte, die Jesus erzählt, hat nicht diese Gerechtigkeit im Sinn. Die Logik im Reich Gottes ist eine andere. Da steht nicht die Frage im Vordergrund: Wer hat was für welchen Einsatz verdient? Im Reich Gottes ist maßgeblich: Wer ist offen für den Anruf Gottes, für das Geschenk seiner Barmherzigkeit?
Auch dass der Gutsbesitzer mehrere Male ausgeht, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben, zeigt, wie unterschiedlich unser Weg im Dienst Gottes sein kann. Manche von uns haben sich früh entscheiden können, andere sind lange auf der Suche nach dem Sinn, wieder andere erkennen sehr spät, was sie zu einem erfüllten Leben führen kann.

Das aber ist für Menschen, die gleichsam die „Last des Tages und die Hitze“ eines treuen religiösen Lebens getragen haben, schwer zu verstehen oder gar nicht zu akzeptieren. Gottes Güte lässt sich nicht einschränken nach dem Maß menschlicher Leistungsberechnung.

„Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir.“ Das ist die Freiheit der Liebe Gottes, die alle menschlichen Maßstäbe überbietet. Gottes Ruf ergeht nicht nur an eine ausgewählte Elite. Sein Wort trifft Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Auch mein Weg der Nachfolge Jesu kennt frühe Stunden und spätes Anwerben.

Nicht der Vergleich mit anderen zählt, sondern die frohe Dankbarkeit, von Gott bedingungslos geliebt zu sein.

Unser Ordensvater, der heilige Franz von Assisi, würde sich auf jeden Fall mit den zuletzt Angeworbenen solidarisieren. In der Beschreibung seines Lebens ist zu lesen: „… jener Mann, Franziskus, den wir heute als Heiligen verehren, … vergeudete und vertändelte seine Zeit fast bis zum 25. Lebensjahr …“ Franziskus selbst schreibt dazu in seinem Testament: „ … als ich in Sünden war, …“ Franziskus ist so für mich ein Mensch, der ehrlich auf sein Leben schaut, der nichts beschönigen muss, sondern sich immer wieder neu von Gottes Güte und Barmherzigkeit beschenken lässt.

„Nimm dein Geld und geh!“, lässt Jesus dann den Gutsherrn sagen in unserer Geschichte. Darin höre ich den Auftrag: Geh zu den Menschen, die noch warten, die noch hoffen, die am Rand stehen, weil niemand sie wahrgenommen hat. Das kann heißen, Menschen zu ermutigen, sie zu begleiten, die sich erst spät auf den Glaubensweg einlassen, die erst spät spüren, was ihrem Leben fehlt.

Reich Gottes kein Wettbewerb

Das Reich Gottes ist somit keine Aufforderung zum Wettbewerb in religiösen Ausdrucksformen: Wer betet mehr? Wer ist länger in der Kirche? Wer kann mehr gute Werke vorweisen?

Mein Weg des Glaubens bewährt sich vielmehr in der Begegnung mit den Menschen, die mit mir unterwegs sind, die mit mir Ausschau halten nach dem treuen Blick Gottes, der immer wieder in seine liebende Nähe ruft.
Nicht der Vergleich mit anderen zählt am Ende des Tages, sondern die frohe Dankbarkeit, von Gott bedingungslos geliebt zu sein.

Generalvikarin Sr. Elvira Reuberger und Generaloberin Sr. Franziska Bruckner in der Amstettner Franziskanerinnenkirche mit einem Bild des heiligen Franz von Assisi, der vor 800 Jahren gestorben ist.  | Foto: Wolfgang Zarl
Sr. Elvira Reuberger | Foto: zVg
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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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