Cohousing Pomali in Wöbling
Ein Dorf unter einem Dach
- Das Wohnprojekt „Cohousing Pomali“ in Wölbling umfasst 29 Wohneinheiten.
- Foto: zVg
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Eigene Wohnung, gemeinsame Räume und einige Aufgaben: Im „Cohousing Pomali“ in Wöbling leben 84 Personen unterschiedlichen Alters. Elisabeth ist mit 83 Jahren die älteste Frau.
Elisabeth ist mit ihren 83 Jahren die älteste Frau in der großen Runde von derzeit 71 Bewohnerinnen und Bewohnern des Wohnprojekts „Cohousing Pomali“ (engl. Cohousing = gemeinschaftlich wohnen). Die gebürtige Deutsche hat ihre fixen Aufgaben in der Gemeinschaft: Sie arbeitet im Garten mit, bindet Blumensträuße für Feste und engagiert sich in Arbeitskreisen. Wenn sie Zeit für sich braucht, zieht sie sich in ihre eigene kleine Wohnung zurück.
Ein gemeinschaftliches Leben
Vor mehr als 20 Jahren entstand in einer Familie die Idee, ihre eigenen Kinder in einer gemeinschaftlichen Umgebung aufziehen zu können. Schnell fand die Familie Gleichgesinnte und entwickelte das Konzept „Pomali“. Der Name steht für die Idee, pragmatisch, ökologisch, miteinander, authentisch, liebevoll und innovativ zu leben. Ihre Vision: Neben einzelnen Wohnungen sollen nicht nur Gemeinschaftsräume entstehen, sondern ein gemeinschaftliches Leben.
Von der ersten Idee bis zur Umsetzung vergingen zehn Jahre, erzählt Sabine Haslinger. Die 51-Jährige zählt zu den ersten Mitgliedern der Gemeinschaft. Nach viel Überzeugungsarbeit wurde ein Bauträger gefunden und das Konzept als geförderter Wohnbau umgesetzt. Die Bewohnerinnen und Bewohner bezahlen für die eigene Wohnung und die Gemeinschaftsbereiche Miete. 2013 war es dann so weit: In der ersten Bauphase werden 17 Wohnungen fertiggestellt, die ersten Personen ziehen ein. Zwei Jahre später folgen zwölf weitere Wohnungen. Auch Sabine Haslinger und ihre Familie beziehen eine Wohnung. Sie lebten zuvor lange in Wien, doch erst im Cohousing fanden sie ihren Platz zum Leben: „Wir wollten nicht unbedingt in einem klassischen Großfamilienverband leben, sondern gemeinsam mit Gleichgesinnten etwas aufbauen und dabei ökologisch und nachhaltig leben.“
Elisabeth: „Ich bin hier mittendrin dabei.“
Es gibt einen großen Gemeinschaftsraum, eine Küche, einen Wintergarten, eine Sauna, einen Stilleraum, einen Jugendraum und ein Atelier. Im großen Garten werden Beete gemeinschaftlich genutzt. Die „Pomalis“ teilen auch Gegenstände wie den Rasenmäher. In Arbeitskreisen werden anfallende Themen besprochen und gemeinsam entschieden. Alles, was der Gemeinschaft gehört, wird auch gemeinsam gepflegt: Einmal im Monat gibt es daher einen gemeinsamen Arbeitstag im Garten oder im Haus.
Elisabeth zog vor zwölf Jahren in eine Wohnung im „Cohousing Pomali“. Sie lebte zuvor in Ungarn und war auf der Suche nach einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt. Trotz aller Euphorie hatte sie Bedenken: „Ich habe erlebt, dass ältere Menschen in Konfliktsituationen nicht ernst genommen werden. Für mich war daher wichtig zu wissen, ob ich auch als ältere Person gehört werde.“ Schnell merkte sie, dass bei Pomali Konflikte gemeinsam bearbeitet werden und sie ernst genommen wird. Das Leben in der Gemeinschaft gefällt ihr sehr gut: „Ich erlebe hier mit, wie Kinder groß werden und bin mittendrin dabei. Ich habe selbst drei Kinder, aber ansonsten keine große Familie. Deshalb ist Pomali für mich auch eine Art Wahlfamilie geworden. Dieses Umfeld hält mich lebendig.“ Neben der Gemeinschaft sind es vor allem die Aufgaben, die für Elisabeth wichtig sind: „Ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Ich möchte nicht nur meine Zeit totschlagen, sondern weiterhin Aufgaben haben und aktiv sein.“ Die 83-Jährige braucht aber auch ihre Ruhe und genießt es, sich in ihre eigene Wohnung zurückziehen zu können.
Trotz aller Vorteile bringt das gemeinschaftliche Wohnen auch Herausforderungen mit sich: „Je besser man mit sich selbst zurechtkommt, desto leichter fällt das Leben in einer Gemeinschaft“, sagt Sabine Haslinger. „Man kann nicht immer autonom entscheiden und muss Kompromisse eingehen. Man lernt, anderen Menschen zuzuhören und unterschiedliche Sichtweisen wahrzunehmen.“ Heute ist „Pomali“ ein „bunter Haufen“: Menschen im Alter von 0 bis 87 Jahren leben dort, auch ein Pfarrer befindet sich darunter. Genau das ist das Ziel: Unterschiedliche Menschen zusammenbringen und Vielfalt leben.
Von: Daniela Rittmannsberger-Kampel
Tag der offenen Wohnprojekte: Am 26. 9. öffnen gemeinschaftliche Wohnprojekte in Österreich ihre Türen. Infos: www.inigbw.org.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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