Ein Fest für einen König

Das Hans von Kulmbach (1480–1522) zugeschriebene Werk „Christus Rex“ zeigt Jesus Christus mit einer Krone. Sein Blick ist mild: Kein Schreckensherrscher, sondern ein liebender und gerechter König. | Foto:  Wikimedia Commons / Nationalmuseum Warschau
  • Das Hans von Kulmbach (1480–1522) zugeschriebene Werk „Christus Rex“ zeigt Jesus Christus mit einer Krone. Sein Blick ist mild: Kein Schreckensherrscher, sondern ein liebender und gerechter König.
  • Foto: Wikimedia Commons / Nationalmuseum Warschau
  • hochgeladen von Matthias Wunder

Vor 100 Jahren führte Papst Pius XI. das Fest Christkönig ein, als Symbol für den Frieden in einer instabilen Zeit. Es ist damals wie heute ein Kontrapunkt gegen eine Politik, die Gott vergisst.

Es ist das Jahr 1925: F. Scott Fitzgerald veröffentlicht seinen Roman „The Great Gatsby“, Werner Heisenberg schafft mit einem Artikel in einer Physik-Fachzeitschrift die Grundlagen für die Quantenphysik, Fritz Lang beginnt die Dreharbeiten zu seinem Monumentalfilm „Metropolis“. Paul von Hindenburg wird zum deutschen Reichspräsidenten gewählt, Adolf Hitler veröffentlicht den ersten Teil von „Mein Kampf“, das NSDAP-Verbot in Bayern wird aufgehoben.

Die „Goldenen Zwanziger“ – eine Zeit so großer Gegensätze, Umbrüche und tiefgreifender Veränderungen. Und mittendrin: eine Kirche, die merkt, wie ihr die Welt mehr und mehr entgleitet. In seiner Enzyklika „Quas primas“, die am 11. Dezember vor 100 Jahren veröffentlicht wurde, beschreibt Pius XI. seine Zeit und beklagt „den weitverbreiteten Samen der Zwietracht, jenen verzehrenden Neid ... unter den Völkern ...; die Zügellosigkeit der Leidenschaften und Begierden, die sich nicht selten unter der Maske der Vaterlandsliebe verbergen ...; jene blinde und schrankenlose Selbstsucht, die nur auf den eigenen Vorteil und Nutzen schaut und alles einzig danach bemisst“ und vieles mehr. Seine Diagnose ist finster: „die menschliche Gesellschaft selbst ist erschüttert und treibt dem Abgrunde zu.“

Lehrschreiben des Papstes

In seinem Lehrschreiben adressiert Pius XI. auch die Ursache all dieser Übel: „Hat man Gott und Jesus Christus aus der Gesetzgebung und der Politik hinausgewiesen und leitet man die Autorität nicht mehr von Gott her, sondern von den Menschen, dann fehlt den Gesetzen ihre wahre und wirksame Sanktion, dann fehlen ihnen die höchsten Kriterien des Rechtes.“ Oder noch präziser an anderer Stelle: „Die Pest unserer Zeit ist der sogenannte Laizismus mit seinen Irrtümern und gottlosen Absichten.“ Was heute als eine gewisse Errungenschaft betrachtet wird, die Trennung von Kirche und Staat, ist in den Augen Pius’ tatsächlich die Wurzel allen Übels. Das ist aber keinesfalls so zu verstehen, dass sich der Pontifex wieder eine Zeit wünschte, in der die Herrscherhäuser Europas von einer mächtigen Kirche beeinflusst werden konnten. Vielmehr will Pius XI. deutlichmachen, dass Recht, also jene Gesetze, die einen Staat definieren und die von ihm erlassen werden, nur dann friedensstiftend und gerecht sind, wenn sie ihre Legitimation aus Christus ziehen, aus dem liebenden, sich selbst opfernden und gerechten Heiland. Recht, das nur auf Menschen baut, ist nach Pius beliebig und missbrauchbar, weil ihm der feste Grund fehlt.

Deshalb möchte der Papst die Erinnerung daran wecken, dass Christus wirklich König und Herrscher aller Dinge ist, der irdischen und der überirdischen, und verknüpft das mit der Prognose: „Es werde aber auch nie eine sichere Hoffnung auf dauerhaften Frieden unter den Völkern geben, solange die einzelnen Menschen und die Staaten die Herrschaft Unseres Erlösers verleugnen und zurückweisen.“

"Die Pest unserer Zeit ist der sogenannte Laizismus.“

Was aber bedeutet es, Christus als Herrscher anzuerkennen? Pius XI. zeigt anhand der Schrift und der Kirchenväter, dass Christus schon immer auch als König verstanden wurde: Das zeigt schon der Beiname „Christus“ – „Gesalbter“: Gesalbt wurden die israelitischen Könige. Das Königtum Christi ist gleichzeitig „nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36), wie er selbst dem Pilatus sagt. Und dennoch hat er Gesetze und Weisungen der Liebe gegeben, dennoch tritt er in der Offenbarung des Johannes am Ende der Welt als Weltenrichter auf, dennoch ist er Vollstrecker der Liebe und Gerechtigkeit Gottes. Pius XI. stellt also dar, wie Jesus Christus alle drei Gewalten des Staates (Judikative, Legislative und Exekutive), die in immer mehr der laizistischen Staaten seiner Zeit verankert wurden, in sich vereint.

Das Fest Christkönig führte Pius XI. ein, um daran zu erinnern, dass jeder, – auch der moderne Staat – nur dann friedensstiftend und gerecht sein kann, wenn er sich auf den König Christus, den liebenden und gerechten beruft. Pius’ düstere Prognose aber sollte sich wenige Jahre nach der Enzyklika erfüllen: Die Welt steuerte tatsächlich auf den Abgrund zu. Diejenigen, die sie dorthin trieben, indem sie Recht zum Werkzeug ihrer menschenverachtenden Ungerechtigkeit machten, sind verschwunden. Christkönig aber feiern wir noch heute – zur Erinnerung und Mahnung: Christus ist König.

Autor:

Matthias Wunder aus Niederösterreich | Kirche bunt

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ