Waidhofner Kulturjuwel
550 Jahre "Messerer-Monstranz"

Dechant Herbert Döller mit "Messerer-Monstranz"
  • Dechant Herbert Döller mit "Messerer-Monstranz"
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Die Zunft der Messerschmiede („Messerer“) gab einem der beeindruckendsten Kulturjuwele von Waidhofen/Ybbs wohl den Namen: der spätgotischen „Messerer-Mons­tranz“. Seit 550 Jahren dient sie dazu, den Leib Christi zu tragen. Die Messererzunft stellt eine Vertretung der vielen Berufsgruppen dar, die seit dem Mittelalter das wirtschaftliche Leben der Ybbs­talstadt mitprägten. Leonhart Espan war der Stifter der Monstranz.

Normalerweise wird sie bei kons­tant klimatischen Bedingungen sicher verwahrt, bei besonderen Anlässen – etwa in der Silvesternacht 1999/2000 – sowie zu Fronleichnam kommt sie zum Einsatz, berichtet der Stadtpfarrer, Dechant Herbert Döller. Das 106 Zentimeter hohe Kunstwerk wiegt 5,86 Kilo und ist dementsprechend anstrengend über eine längere Strecke zu tragen – „aber auch andere Priester müssen schwere Monstranzen tragen“, so Döller. Er weiß um die große Geschichte und ist froh, dass sie erhalten geblieben ist: Reformation, Franzosen-Einfall und die Nazi-Zeit hat das liturgische Gerät überstanden. Während des Zweiten Weltkriegs hat sie der damalige Pfarrer heimlich bei einem Bauernhof vergraben, erst zwei Jahre später kam sie zurück in die Kirche.

Hergestellt wurde die „Messerer-Monstranz“ zwischen 1469 und 1472, die Jahreszahlen sind eingraviert. Auch die eng mit Waidhofen verbundene bayerische Stadt Freising hat ein gleiches Modell, aber aus Holz.

Die Monstranz wurde schon eingehend wissenschaftlich erforscht und auch Dechant Döller kennt viele Details. Besonders beeindruckend ist einerseits die handwerkliche Kunst: Sämtliche Schrauben der 550 Jahre alten Monstranz sind versteckt und der kleine Eimer des heiligen Florian ist beweglich. Andererseits – und dies erstaunt noch mehr – steckt in der Mons­tranz eine tiefgehende Theologie, die als Bildprogramm dem Glaubensgeheimnis der Eucharistie verpflichtet ist. Döller: „Das theologische Konzept beinhaltet vier Stationen: die Menschwerdung Gottes (mit Maria und Kind), das Leiden Jesu (Jesus zeigt die Wunden), die Feier der Eucharistie (Jesus entäußert sich und ist Teil der Schöpfung) und die Gemeinschaft der Heiligen.“ Auch die Waidhofner Kirchenpatrone Lambert und Maria Magdalena werden als kleine Statuen dargestellt.

Zusätzlich zum liturgischen Einsatz war die Monstranz 1906 beim Eucha­ris­tischen Weltkongress, 1989 beim Jubiläum 1250 Jahre geistliche Stadt Freising oder 2007 bei der Landesausstellung in Waidhofen/Ybbs zu sehen.
Dechant Döller ist sicher: Aufgrund des Alters, des theologischen Programms und der hohen Herstellungskunst zählt die „Messerer-Monstranz“ österreichweit zu den bedeutendsten.

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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