5. Sonntag der Fastenzeit | 22. März 2026
Kommentar - Bibel und Leben

Todesorte werden Orte des Lebens

Als letztes und größtes der Heilszeichen Jesu inszeniert das Johannesevangelium in bewegender Dramaturgie die Auferweckung des Lazarus. Manches am Verhalten oder an den Worten Jesu erscheint recht befremdlich: die Krankheit diene der Verherrlichung Gottes, das lange Zuwarten Jesu, das Gebet, das er am Grab nur der Menge wegen spricht. Das wirkt wie eine genau geplante Aktion.
Andererseits wird die enge Beziehung zwischen Jesus und Lazarus hervorgehoben, die Liebe Jesu zu seinem Freund, die emotionale Erschütterung, die ihn erfasst, seine Einfühlsamkeit gegenüber den trauernden Schwestern. Um diese Widersprüche aufzulösen, müssen wir bedenken, dass diese Geschichte nicht als Tatsachenbericht verstanden werden will, sondern als Sinnbild des Auferstehungsglaubens.
Der Weg nach Betanien führt Jesus in die Nähe Jerusalems. Jesus geht ganz bewusst seinem eigenen Tod entgegen. Was immer Lazarus krank gemacht hat, es musste zuerst sterben, damit er zu einem befreiten, erfüllteren Leben auferstehen kann. Jesus verwandelt Orte des Todes in solche überfließender Lebendigkeit. Er zeigt, dass Gott aus den Gräbern herausruft zum wahren Leben.

Alfred Jokesch

alfred.jokesch@sonntagsblatt.at

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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