Engagement leben | Teil 02
Was in dir brennt, kannst du im anderen entzünden

Als Quereinsteigerin in ihrem Tätigkeitsfeld sieht sich die gebürtige Grazerin, die heute mit ihrer Familie in Premstätten lebt. Ihre atheistischen Eltern haben ihr, was Glaubensfragen betrifft, nichts mitgegeben. Trotzdem entstand in der Grafikerin schon bald eine Sehnsucht nach der Tiefe. Ihre Suche nach dem, was das Leben erweitert, führte sie zuerst in Richtung Esoterik. Dann ging es so weit, dass sie sogar Hinduistin werden wollte. Nach einer Begegnung mit einem indischen Tempelpriester schlug sie allerdings eine ganz andere Richtung ein. Dieser gab ihr nämlich überraschenderweise den Rat, ihre glaubensmäßigen Wurzeln nicht zu verlassen. Jesus ist überall, meinte er, und sie solle beginnen zu beten. Die mystische Seite der katholischen Religion zu finden war etwas, was sie wirklich forderte und wo sie ihren Weg erkennen konnte.

Ihre Ausbildung begann sie ursprünglich nicht, um andere auf ihrem Glaubensweg zu unterstützen, sondern um etwas für sich selbst zu tun und sich zurechtzufinden im Wald der Fragen. Orientierung, die frau nur finden kann, wenn sie sich mit ihren eigenen Fragen auseinandersetzt. Die Ausbildung zur geistlichen Begleiterin auf der Basis der ignatianischen Exerzitien war herausfordernd – eine Auseinandersetzung, beginnend mit der eigenen Suche.

Als geistliche Begleiterin sieht sie ihre Aufgabe immer darin, Menschen, denen die Richung fehlt, im Gespräch entgegenzukommen. Das sei auch eine Sache, ob man miteinander eine gemeinsame Basis finden könne. Für sie geht es darum, „Menschen einen geschützten Raum zu schaffen, wo sie einfach sie selbst sein können.“ Wo es keine Ansprüche gebe, sondern sie einfach einen Platz haben, um sich zu äußern und ihren Weg zu finden. „Ich gebe keine Tipps und Ratschläge. Geistliche Begleitung ist ein stilles Mitgehen, ein aktives Zuhören. Im Vertrauen darauf, dass im Menschen schon alles verborgen ist und nur darauf wartet, gefunden zu werden. Das Tempo bestimmt jeder für sich selbst.“

Birgit Zepf hat mittlerweile ein zweites Betätigungsfeld gefunden. Über eine Freundin hat sich ein Engagement in der Flüchtlingsbetreuung ergeben, das heute ihr großes Anliegen darstellt. „Zuerst wollte ich das überhaupt nicht machen.“ Aber als sie zum ersten Mal in einem Flüchtlingszentrum in Premstättem ihre „Jungs“ sah, veränderte sich ihre Einstellung. „Wenn jeder von uns einen Flüchtling betreuen würde, dann könnte Integration gelingen“, sagt sie heute. „Sie brauchen einfach irgendjemanden, der ihnen das Gefühl gibt, dass sie nicht absolut unerwünscht und verhasst sind.“

Die Reaktionen von vielen Flüchtlingen sind beeindruckend. „Wenn ich mit ihnen über den Koran diskutiere, stellt sich oft heraus, dass wir auch da immer wieder Verbindendes und Gemeinsames entdecken und vieles voneinander lernen können.“ Bei der Betreuung zur Integration entstehen so manchmal Gespräche über Religion, die oft bis tief in die Nacht dauern. Auch das ist eine Form der geistlichen Begleitung.

Gisela Remler

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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