Fastenserie Rituale | 02
Von Natur aus loslassen

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Ein Ritual zum Durchatmen.

Atemzüge
Leben und Erneuerung gelingen nur im Wechselspiel von Bindung und Loslassen. Diese Dynamik ist in der Schöpfung auf vielfältige Weise grundgelegt. Ganz elementar machen wir die Erfahrung dieses lebensnotwendigen Wechselspiels mit unserem Atem: Wer nicht ausatmet, fällt um.

  • Wähle einen Ort, an dem du das Gefühl hast, gut durchatmen zu können.
  • Finde einen guten Stand – stelle dich aufrecht zwischen Himmel und Erde.
  • Schließe deine Augen. Lass Körper und Geist durch drei Atemzüge zur Ruhe kommen.
  • Atme nun tief ein und spüre wie die Luft, welche die ganze Schöpfung verbindet und geübt ist im Loslassen, in dich einströmt.
  • Halte den Atem für einen Moment an.
  • Während du ausatmest, stell dir vor, wie du deine Sorgen und Ängste der Luft übergibst. Wiederhole das für einige Atemzüge und genieße, wie du immer leichter und freier wirst.
  • Schließe mit einem tiefen Atemzug und mit einer Geste der Dankbarkeit.

Symbolkraft: Der Atem
Im Atmen erfahren wir, dass Loslassen und Neubeginn von Natur gegeben und lebensnotwendig sind.
Ruach ist im Hebräischen sowohl Gottes Geist als auch der Atem. In der Bibel haucht Gott dem Menschen den Atem und damit Geist ein. Unser Atem kann als Zeichen von Gottes Nähe verstanden werden.

Segen
Heilige Geistkraft – Ruach,
die in mich ein- und ausströmt.
Du verbindest mich mit der ganzen Schöpfung,
mit ihrem Rhythmus
zwischen Binden und Loslassen.
Mit jedem Einatmen
spüre ich deine lebensspendende Kraft.
Mit jedem Ausatmen
übe ich mich vertrauensvoll im Freigeben.
Segne mein Atmen,
damit ich ausreichend ausatme alles Belastende, Verbrauchte, Energieraubende …
um Platz zu haben
für deine Schöpferkraft in meinem Sein,
im Vertrauen,
dass in jedem Ende ein neuer Anfang liegt.
Amen.

Passendes Lied

Elisabeth Aumüller ist Ritualbegleiterin und Pastoralreferentin im SR Hügelland-Schöcklland.
Instagram: segens_rituale

◉ WhatsApp-Gruppe Segens_Rituale:
Elisabeth Aumüller teilt Segenstexte, Einladungen zu Ritualen ... Anonym einsteigen mit der Nachricht „Segens_Rituale“ an 0676/8742 2386 


Mein Loslassen


Martina Laubreiter ist Försterin und Pionierin für neue Formen von Kirche mit Fokus auf den Lernraum Wald & Kirche.

Teil des Lebens
Bäume lehren mich, wie loslassen gelingen kann. Im Jahreszeitenwechsel lassen sie jedes Jahr im Herbst aufs Neue los, um sich zu regenerieren, zu schützen sowie Energie zu tanken. Alle, die in den kommenden Frühjahrswochen Bäume beobachten, sehen, dass sie vor Energie nur so strotzen und alles ergrünt und erblüht. Es braucht ein Loslassen, um neue Energie zu tanken.

Ein noch spannenderes und nicht so offensichtliches Loslassen im Wald ist das Totholz. Sterben Äste oder Bäume ab, sind sie der Grundstein eines neuen Lebensraumes. Dieses Holz, das vermeintlich wertlos im Wald liegt, bringt eine riesige Vielfalt an neuem Leben hervor. Totholz ist die Lebensbasis für Millionen von (Kleinst)-Lebewesen: von Bakterien, Spinnentieren, Pilzen, Insekten, Moosen und Flechten bis hin zu Amphibien, Vögeln und kleinen Säugetieren. Es braucht also ein Loslassen damit Neues entstehen kann.

Loslassen lerne ich, wenn ich den Wald beobachte und staune, wie alles in diesem faszinierenden Ökosystem ineinandergreift und seinen Platz hat, wo nichts verloren geht und alles dem (neuen) Leben dient.

Martina Laubreiter
Elisabeth Aumüller
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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