Fastensserie Rituale | 7
Vom Tod zum Leben

„Der Tod ist nicht das Gegenteil vom Leben, sondern ein Teil davon.“
Haruki Murakami  | Foto: Kate Remmer / Unsplash
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  • „Der Tod ist nicht das Gegenteil vom Leben, sondern ein Teil davon.“
    Haruki Murakami
  • Foto: Kate Remmer / Unsplash
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Ein Ritual, um Verwandlung auszukosten.

Ein LEBENsmittel
Vor Anschnitt eines frischen Brotlaibes zeichnet meine Mutter stets drei Kreuze auf dessen Unterseite. Es ist ein ehrfürchtiges Innehalten, das mich bereits als Kind erahnen ließ, dass in diesem Lebensmittel bedeutend mehr als mein Jausenbrot steckt.

Heute nehme ich ein Stück Brot bewusst in meine Hände:

  • Brot entsteht durch viele Schritte der „Verwandlung“: Weizenkorn – Keimling, Aussaat – Ernte, Korn – Mehl, Mühsal – Nahrung. Diese geballte Kraft liegt nun in meinen Händen, als LEBENsmittel.
  • Ich spüre die Konsistenz des Brotes. Eine Einheit, geworden aus vielen Körnern, durch das Zutun vieler Menschen, durch meinen kleinen Beitrag … all das gegeben und durchwirkt von Gott.
  • Ganz bewusst nehme ich den Duft des Brotes wahr und damit all die Wandlungsfähigkeit und das Segensreiche, das darin steckt. Ein Wohlgeruch, der in mir Hoffnung auf ausreichend Kraft für Zukünftiges weckt.
  • Dankbar bekreuzige ich das Brot und bitte um Gottes Segen für alle, die Anteil am Werden dieses Brotes haben, und für all jene, denen es Nahrung ist.
  • Wenn ich mir nun ein Stück abbreche, steht dieses Stück Brot für alles, was „Leben“ ausmacht. Ich verkoste das Leben und werde mir bewusst, wie viel Tod und Neuanfang darin liegen.

Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, dieses Ritual in einer Tischgemeinschaft zu feiern.

Symbolkraft: Brot
Körperliche & spirituelle Nahrung: Brot ist wesentlich in der Feierkultur vieler Religionen. In der katholischen Kirche wird in der Wandlung während der Eucharistie-Feier Brot zum Leib Christi. In der Kommunion erhält man Anteil am göttlichen Leben.
Lebenszyklus: Brot bündelt in sich die ständige Verwandlung und Erneuerung.
Einheit & Gemeinschaft: Aus vielen Körnern, aus der Arbeit vieler wird ein Laib Brot.

Segen
Guter Gott, ich danke dir für das Brot.
In ihm stecken Verwandlung, Einheit und Hoffnung.
Segne dieses Brot
und alle, die dazu beigetragen haben,
alle, mit denen ich es teile, und auch jene,
die an Verwandlungen zu knabbern haben.
Segne mich,
wenn ich im Brotbrechen auch mich vertrauensvoll öffne
für dein Zutun und im Geschmack des Brotes erkenne,
was durch deinen Segen in meinem Leben verwandelt wird.
Amen.

Elisabeth Aumüller ist Ritual-begleiterin und Pastoralreferentin im SR Hügelland-Schöcklland.
Instagram: segens_rituale

In unserer Diözese ist viel im Wandel. Im Sinne des Zukunftsbildes arbeiten wir an unserer Fehlerkultur, verabschieden Ausgedientes, erproben Neues …
Infos: katholische-kirche-steiermark.at/innovation

Mein Loslassen

Helene Loidolt, Fachinspektorin für den Religionsunterricht, ist seit 2023 in Pension.

Alles aus?
„Wo immer man einen Schnitt macht, bleibt eine Wunde, aber manchmal fördert der Schnitt auch das Wachstum“, sagte die Dichterin und Gartenliebhaberin Barbara Frischmuth.
Ja, mit dem Ende ist alles aus, sonst wäre es nicht das Ende. Und nein, mit dem Ende ist gar nichts aus – du nimmst dich und dein Geworden-Sein mit in die neue Zeit. Zwischen beiden Polen gibt es die ganze Bandbreite an Gedanken und Gefühlen, die munter hin und her spazieren und Gott sei Dank verhindern, dass Ruhe und Stillstand einkehren.
Das erste Pensionsjahr ist gelebt und es war so, wie ein Freund prophezeit hatte: „Es wird schöner, als du es dir vorstellen kannst.“ Erst jetzt, im zweiten Jahr, merke ich den Ernst, der dahintersteckt. Das Ende der jahrzehntelangen und sinnstiftenden Arbeit fordert meine Zustimmung ein. Die Versuchung ist, sich leere Räume nicht zu gönnen und nicht wahrzunehmen, was sich wandeln möchte. Es gilt offen zu bleiben für Überraschungen, Begegnungen und die Stille. Da kommt große Dankbarkeit auf, für das Vergangene und die Erfahrung, dass Gott bleibt, mitgeht und jedes Ende zu neuem Leben wandeln möchte.

„Der Tod ist nicht das Gegenteil vom Leben, sondern ein Teil davon.“
Haruki Murakami  | Foto: Kate Remmer / Unsplash
Helene Loidolt
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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