Christentum - Ein Reiseführer | Etappe 051
Urchristentum

Konstantinbasilika in Trier, gebaut im 4. Jahrhundert als Thronsaal für Kaiser Konstantin.
  • Konstantinbasilika in Trier, gebaut im 4. Jahrhundert als Thronsaal für Kaiser Konstantin.
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Wie es begann

Der Ursprung der Kirche wird traditionell dem ersten Pfingstfest zugeordnet. An diesem Tag – laut Tradition 50 Tage nach Ostern – kam der Heilige Geist über die ängstlich versammelten Jünger und befähigte sie, voll Mut in „Zungen zu reden“ und sowohl Gottes Heilstaten als auch die Auferstehung Jesu Christi zu verkünden. Dies wird mit dem Moment gleichgesetzt, in welchem die Jünger begannen, den ihnen gegebenen Missionsauftrag umzusetzen und aus ihren Verstecken voll Mut in die Welt hinauszuziehen.

Die christliche Kirche entwickelte sich aus zwei Strängen: den Juden- und den Heidenchristen, der Kirche „aus der Beschneidung“ und „aus den Völkern“. Bald schon waren die Christen „aus den Völkern“ zahlenmäßig überlegen. Dass es trotzdem nicht zum Bruch kam, ist dem im Jahr 48 stattfindenden 
„Apostelkonzil“ in Jerusalem zu verdanken, von dem sowohl die Apostelgeschichte als auch Paulus berichten. Dabei wurde unter anderem verbindlich festgelegt, dass allein die Taufe zur Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche genügt und sich Heiden nicht erst beschneiden lassen müssen, um Christen zu werden. Der Glaube an Jesus Christus, die Taufe und die Teilhabe am Heiligen Geist waren das verbindende Merkmal des Christentums und nicht mehr die Befolgung der jüdischen Ritualgesetze. Damit hatte das Christentum seine eigene Identität gegenüber dem Judentum festgelegt. Die Kirche hatte erstmals in einer gemeinsamen Versammlung eine Streitfrage entschieden.

Ausbreitung und Verfolgung
Dass eine so kleine Splittergruppe wie die ersten Christen in einem derartigen Tempo anwuchs, ist ein Wunder. Auch charismatische Prediger und Missionare wie Paulus hatten ja meist nur kurz Zeit in den jeweiligen Städten und unterwiesen die Interessierten in großer Geschwindigkeit. Schließlich überließen die Missionare die neuen Gemeinden mehr oder weniger sich selbst und hatten keine andere Möglichkeit mehr, als über Briefkontakt in Verbindung zu bleiben.

Die relative Toleranz des Römischen Reiches, die karitative Tätigkeit der Christen und gut ausgebaute Verkehrswege begünstigten die Verbreitung des Evangeliums. Ein Großteil der neuen Anhänger des Christentums stammte aus den Reihen der Benachteiligten und Rechtlosen, die sich wohl auch wegen der Bergpredigt Jesu und ihrer „Option für die Armen“ angezogen fühlten. Auch viele Frauen scheinen sich unter den frühen Anhängern des Christentums befunden zu haben. Schließlich bot diese neue Religion ihnen einen gleichberechtigten Platz in der Gemeinschaft, der sie in ihrem Menschsein bestätigte.

Im Römischen Reich hat es wohl von Anfang an Christen gegeben – im 3. Jahrhundert werden bereits 60 bis 100 Bischöfe erwähnt –, wenn auch Rom noch keine ausgebaute Vormachtstellung hatte. Irenäus von Lyon berichtet um 180 von Christen in Spanien, Germanien und bei den Kelten. Die ersten Zeugnisse für die Verbreitung des Glaubens in England stammen ebenfalls aus dieser Zeit.

Offensichtlich waren die Probleme zwischen Römischem Reich und Christentum nicht von Anfang an virulent. Das Ende des meist friedlichen Zusammenlebens und der Beginn unnachgiebiger Verfolgung, die bei längerem Andauern die weitere Existenz der Kirche durchaus hätte bedrohen können, wird etwa auf das Jahr 249 datiert. Man warf den Christen Aberglaube und Kannibalismus vor. Die Weigerung, den Staatsgöttern zu opfern, wurde schließlich als Komplott gegen das Wohl des Reiches verstanden. Historisch belegbar sind die reichsweiten Verfolgungen in der Zeit zwischen Decius (249–251) und Galerius (305–311). Unter Diocletian (245–316) fanden die grausamen Verfolgungen ihren Höhepunkt.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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