Fastenserie Rituale | 05
Tränen ausgießen
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Ein Ritual für neues Leben.
Ein Krug voller Tränen
Manchmal bin ich einfach nur traurig, wütend, enttäuscht … Liebgewordenes, mir Wertvolles ist nicht mehr oder wird nicht mehr werden.
- Ich richte mir einen Krug mit Wasser, tauche meine Finger ein, benetze meine Augen, wasche sie rein.
- Ich nehme den Krug in meine Hände und stelle mir vor, er birgt all meine Tränen in sich. Jene die ich bereits geweint habe, jene die ich noch weinen werde und alle, die ich (noch) nicht weinen kann.
- Klagend, schluchzend, sprachlos … lege ich meine Emotionen bewusst in dieses Wasser.
- Dann halte ich diesen Krug Gott entgegen, damit er meine Tränen der Trauer, der Wut, der Verzweiflung … verwandle in Tränen, die das Leben nähren, die Neues in mir keimen lassen und die mich reinigen von allen Trübungen und allem Festklammern an Situationen.
- Abschließend spreche ich das Segensgebet (siehe rechts) und gieße das Wasser aus: in einen Blumentopf, in eine Wiese, in meinen Garten … – für neues Leben.
Denn „Leben wandelt sich in Leben“ (Lied von Katharina & Wolfgang Bossinger)
Symbolkraft: Wasser …
… ist Leben, hat reinigende Wirkung, steht für Erneuerung und für die Zyklen des Lebens, kann Informationen aufnehmen und speichern, erinnert an die Taufe und an die Anwesenheit sowie an den Segen Gottes.
„Und alles lassen,
weil Er mich nicht lässt.“
Anselm Grün/Andrea Schwarz
Segen
Gott des Lebens,
Du sammelst meine Tränen,
die ich aus Wut, Verzweiflung, Traurigkeit … weine.
Sie erzählen von Liebgewordenem, mir Wertvollem, das nicht mehr ist oder nicht mehr werden wird.
Jeder Tropfen eine Perle,
in der sich etwas von meinem Leben spiegelt.
Mit diesem Wasser
übergebe ich Dir all meine Tränen.
Ich will sie nicht festhalten,
sondern ausgießen, damit sie verwandelt werden.
Lass aus ihnen neues Leben keimen,
so wie in mir durch die Taufe neues Leben keimt.
Öffne mir die Augen für diese Segensbotschaft,
Du Gott des Lebens.
Amen.
Elisabeth Aumüller ist Ritual-begleiterin und Pastoralreferentin im SR Hügelland-Schöcklland.
Instagram: segens_rituale
Buchtipp: „Es wächst ein Licht in deinem Fehlen – Ein Trost- und Trauerbuch“ von Giannina Wedde.
Vier-Türme-Verlag.
ISBN 978-3-7365-0228-4
Mein Loslassen
Einüben
Alles im Leben ist nach vorne ausgerichtet, es gibt kein Zurück. Wir sind für die Zukunft geschaffen. In jungen Jahren ist das keine Frage – es ist sonnenklar, denn alles ist auf Entwicklung, Karriere, vielleicht Familiengründung … ausgerichtet. Abschiede werden in dieser Phase oft nicht als Loslassen empfunden, sondern mehr als ein Weiterkommen.
Ist die Lebensmitte überschritten, hat Loslassen eine andere Qualität. Für mich gibt es dabei Momente, wo ich Loslassen als Verlust erlebe: Die Energie lässt nach, körperliche und geistige Aktivitäten ermüden schneller … Ich bin traurig, dass geliebte Menschen nicht mehr leben. Ich bin wütend, wenn das Schicksal mit lebensbedrohlichen Erkrankungen Menschen in die Knie zwingt und das nächste Abschiednehmen am Grab zu erwarten ist.
Gleichzeitig bringt mich das Durchgehen durch diese Prozesse zu einer inneren Gelassenheit. Da bereitet sich der Boden für ein Loslassen hinein in das Zukünftige, in Verwandlung, in das ganz Andere und Neue. Wenn das Vertraute in Beziehungen nicht mehr wird – warum auch immer –, dann bin ich herausgefordert, genau hinzuschauen und zu spüren, um zu einer inneren Haltung der Neugierde und einer Offenheit für das Überraschende zu kommen. Das verändert die innere und äußere Atmosphäre und lässt den Alltag heller erscheinen. Diese „Haltung des Zukünftigen“ erfordert ein tägliches Erinnern und Einüben.
Gabriele Kraxner-Zach
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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