Christentum - Ein Reiseführer | Etappe 032
Tod und Auferstehung

Engel vor dem leeren Grab.

Die Bedrohungen des Lebens, kleine Etüden des Todes

Immer dann, wenn das Ungewisse in sein geordnetes Leben einbricht und sich darin breitzumachen droht, verspürt der Mensch die Ungesichertheit seines Daseins. Er weiß, dass sein Leben der Gefahr zwar oft entrinnen mag, einmal aber doch im Tod endet. Diese kleinen Übungen, sie fallen ihm zu, ohne dass er sie gesucht hat, und er braucht sie, um sich einzuüben für die große Stunde, in der er sein irdisches Leben beschließen muss. Wenn sie anbricht, wird ihm ein ungleich größeres Vertrauen auf den abverlangt, der Schöpfer und Herr der Welt ist.

Das Sterben der Vegetation und der Tod von Tieren, der Verlust lieber Menschen und die Nachrichten über die vielen Toten, die um ihn herum sterben, sie alle erinnern den Menschen daran, dass einmal auch seine letzte Stunde kommt. So oft er dem Sterben anderer auch beigewohnt hat, diese eine Begegnung mit dem Tod wird für ihn anders sein als alle bisherigen. In ihr wird er den Tod nicht mehr aus der Perspektive derer betrachten, die selbst im Leben bleiben, sondern durch diesen Tod hindurchgehen. Die Erfahrungen, die dabei auf ihn warten, kann niemand vorwegnehmen. Selbst so genannte Nahtoderlebnisse bilden diese Erfahrung nicht ab, denn sie beschreiben – wie ihr Name dies auch besagt – nur die Nähe des Todes, nicht aber den Durchgang durch ihn. So bleibt der Tod das große Wagnis eines jeden Lebens, das dunkle Abenteuer, dem keiner ausweichen kann. Wie in anderen Situationen der Unsicherheit, so sieht der Glaubende sich auch in dieser Situation aufgerufen, vertrauensvoll auf Gott zu hoffen.

Auferstehung im Tod
Die Geschehnisse des Todes bleiben auch aus christlicher Sicht letztlich ein Geheimnis. Christen vertrauen jedoch darauf, dass sie mit ihrem Tod nicht ins Nichts fallen, sondern ihrem Schöpfer entgegengehen, der sie barmherzig aufnimmt. Wie das im Einzelnen sein wird, bleibt den Lebenden verborgen. Die Bibel enthält zahlreiche Zeugnisse dazu, die freilich immer auch die zeit- und kulturbedingten Anschauungen ihrer Abfassungssituation widerspiegeln.

Die Theologie des 20. Jahrhunderts hat versucht, diese Auskünfte in ihrem zeitlichen und kulturellen Kontext zu verstehen und ihnen eine Basisaussage zu entnehmen, die nicht dem Denkhorizont früherer Zeiten verhaftet bleibt, sondern sich dem Verständnishorizont des modernen Menschen öffnet. Anders als verschiedene traditionelle Erklärungen geht diese aktuelle Erklärung davon aus, dass jeder Mensch im Augenblick seines Todes vor seinen Schöpfer tritt und sein irdisches Leben vor ihn bringt, um Christus gleichgestaltet zu werden und wie er das ewige Leben zu erlangen. Das aktuelle Verständnis einer „Auferstehung im Tod“ ist auch deshalb überzeugend, weil es das Zueinander von Zeit und Ewigkeit plausibler beschreibt, als dies in früheren Erklärungen der Fall war. In ihm erscheint die Zeit als Schöpfungsrealität, die von der Ewigkeit als der Existenzweise Gottes noch einmal umgriffen wird. Wer in seinem Tod das Zeitliche segnet, geht in die Ewigkeit über. Denkt man diese Ewigkeit mit der theologischen Tradition als die Fülle der Zeit, so ist alle Zeit in der Ewigkeit aufgehoben und aufbewahrt. Das aber bedeutet, dass nur aus der Perspektive derer, die noch unter der Zeit stehen, der Tote sich von seinen Lieben verabschiedet. In der Perspektive derer, die bereits in der Ewigkeit leben, die alle Zeit umgreift, geht er ihnen auf neue Weise entgegen.

Da dieses Verständnis wie alle anderen Deutungen des Todes nicht am wirklichen Geschehen überprüft werden kann, bleibt es letztlich ein Modell. Es bietet jedoch eine Erklärung an, die sich auf das Zeugnis der Schrift stützt und der kritischen Überprüfung durch die menschliche Vernunft standhält. Dies erklärt, warum das Modell einer „Auferstehung im Tod“ seit mehreren Jahrzehnten die vorherrschende Erklärung für „die letzten Dinge“ darstellt. Das Modell beschreibt vorrangig die „zeitlichen“ Zusammenhänge zwischen der Erfahrung des Todes und der Begegnung mit Gott. So bleibt die Frage, wie diese Begegnung verlaufen wird. Diese Frage beantwortet die Theologie, indem sie zu bedenken gibt, dass vor Gott als dem durch und durch Guten letztlich nur das Gute Bestand haben kann.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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