800 Jahre Diözese Graz-Seckau | Teil 01
So entstand die Diözese Seckau

Die Initiative zur Errichtung unserer Diözese Seckau, wie sie ursprünglich hieß, ging vom verdienstvollen Salzburger Erzbischof Eberhard II. (um 1170–1246) aus. Dieser stand nicht nur fast ein halbes Jahrhundert (1200–1246) der Kirche Salzburgs vor, sondern wurde auch zum Initiator dreier Bistümer, die er in seinem großen Kirchensprengel ins Leben rief. Das Salzburger Erzbistum erstreckte sich damals nämlich vom Ziller bis zur Lafnitz und vom Inn bis zur Drau.

Das erste urkundliche Zeugnis zur Seckauer Diözesangründung findet sich vor exakt 800 Jahren. Der damalige Papst Honorius III. (1216–1227) reagierte auf die Initiative Eberhards II., ein Bistum in der Steiermark errichten zu lassen, mit einem Schreiben vom 
2. Dezember 1217. Darin lobte er dessen pastoralen Eifer und Sorge um das Seelenheil der ihm anvertrauten Gläubigen überschwänglich: „Du erwirbst Dir ein unvergängliches Verdienst bei Gott, und uns bereitest Du hohe Freude, weil Du als Diener Christi und kluger Vorsteher der Diener Gottes mehr den Dir anvertrauten Kindern zu nützen als ihnen vorzustehen suchst, das Seelenheil der anderen Deinem eigenen irdischen Vorteil vorziehst […] und mehr Freude daran hast, Deine Schäflein zu weiden, als Dich von ihnen zu nähren […].“

Zudem setzte der Papst den Salzburger Oberhirten davon in Kenntnis, dass er die Bischöfe von Freising und Brixen sowie den Abt von Admont mit der Prüfung von Eberhards Vorhaben beauftragt hätte. Bereits ein halbes Jahr später, am 22. Juni 1218, gewährte Honorius III. die Gründung unserer Diözese Seckau. König Friedrich II., 1220 in Rom zum Kaiser gekrönt, bestätigte diese noch am 26. Oktober 1218.

Zum ersten Bischof bestellte Eberhard den Propst Karl von Friesach im August oder September 1218. Der Erzbischof hatte diesen zwecks Errichtung des Seckauer Bistums nach Rom gesandt. Der Kirchenhistoriker Karl Amon nimmt an, dass die Bistumserrichtung selbst – über die leider keine Urkunde vorliegt – mit der Weihe dieses ersten Bischofs zusammenfiel. Als Bischof von Seckau ist Karl dann erstmals am 25. September 1218 als Urkundenzeuge in Salzburg belegt.

Das 1140 gegründete Augustiner Chorherrenstift Seckau wurde für das neue Bistum namensgebend und als nominelles Domkapitel auserkoren. Die 1164 geweihte Seckauer Stiftskirche diente als Kathedrale.

Da dem Stift im Zuge der Bistumserrichtung Schadlosigkeit versprochen worden war, konnte der Bischof nicht in Seckau residieren. Der Bischofssitz lag außerhalb des Diözesangebiets, aber in dessen Nähe, nämlich auf der später Seggau genannten erzbischöflichen Burg Leibnitz, wo Karl den „alten Turm“ im älteren Teil der Burganlage erhielt. Die dortige bischöfliche Kapelle dieses Burgteiles wurde zum Ort der liturgischen Feiern für den Seckauer Bischof; hier spendete er fast ausschließlich die Priesterweihen.

In Seckau selbst fanden weder Bischofswahl und Bischofsweihe noch die bischöfliche Liturgie während des Kirchenjahres statt. In Ausnahmefällen spendeten die Bischöfe dort die Firmung oder die Priesterweihe oder nahmen am Gründonnerstag die Weihe der heiligen Öle und die Aussöhnung öffentlicher Büßer vor. Nur die Inthronisation des neuen Bischofs erfolgte im Seckauer Dom, der verstorbene wurde dort begraben.

Dem Seckauer Oberhirten oblag vor allem die Konsekration von Kirchen, Altären, Friedhöfen oder Glocken sowie Ordinationen, Predigt und Firmung. Er war nachweislich vorwiegend in der Mittelsteiermark sowie in der Mur-Mürzfurche tätig.

Das überschaubare Diözesangebiet des neu gegründeten Bistums erstreckte sich von den Seckauer Alpen über das Gaberl ins Kainachtal und bis an die Mur bei Wildon. Die dazugehörigen Pfarren und Kirchen mit pfarrlichen Rechten waren mehrheitlich dem Chorherrenstift Seckau und dem Benediktinerkloster St. Lambrecht inkorporiert.

Zur wirtschaftlichen Ausstattung des neuen Bistums wurden vier große erzbischöfliche Patronatspfarren herangezogen, die nicht zur neuerrichteten Diözese, sondern weiterhin zu Salzburg gehörten: Fohnsdorf, Leibnitz, (St. Veit am) Vogau und (St. Ruprecht an der) Raab; desweiteren Zehenthöfe in Saggau (St. Johann im Saggautal) und Zirknitz (Jagerberg), Häuser in Friesach und Salzburg sowie 30 Huben Waldland an der Gaal – letzteres in der neuen Diözese gelegen. Die Bischöfe von Seckau wurden (bis 1893) vom Salzburger Erzbischof ernannt.

Michaela Sohn-Kronthaler

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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