Serie Eucharistie 2005 | Teil 11
Schritte der Feier der Eucharistie: Gesendet

Die Feier der Eucharistie ist die Feier der Bewegung Gottes in die Welt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“
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„Gehet hin in Frieden“, mit diesen Worten des Priesters oder des Diakons werden wir aus der Feier der Eucharistie entlassen. „Christsein ist kein sitzender Beruf“, so hat es ein Hochschulseelsorger einmal einprägsam formuliert. Und tatsächlich – je mehr man die heiligen Schriften des Christentums studiert, umso unabweisbarer wird der Eindruck: Die Religion, die in diesen Schriften sichtbar wird und in ihnen ihre Grundlage hat, ist eine „Religion des Aufbruchs“.

Es beginnt mit Abraham. Weil Gott ihn angesprochen hat, bricht er auf, über Hunderte von Kilometern in ein Land, das ihm fremd ist. Sprichwörtlich wurde der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten – ein Exodus, in dem sich spätere Generationen von Glaubenden bis in unsere Zeit wiedergefunden haben. Oder der Prophet Elija, der den Weg durch die Steppe zum Gottesberg geht – trotz mancher Entmutigung. Und nicht zuletzt: Jesus, der Fischer von ihren Netzen und Familien wegruft. Apostel und Jünger, die er sendet, damit sie das Kommen des Gottesreiches ausrufen und die Kranken heilen. Die sich nach dem Tod Jesu verschreckt hinter verschlossenen Türen getroffen haben, bis sie durch die Begegnung mit Jesus, dem Auferstandenen, und bewegt durch Gottes Geist aufbrechen in alle Welt – bis heute.

Kein Wunder, dass sich die ersten Christen als „Deserteure des Festlandes“ verstanden haben. Menschen, die den sicheren Boden des herkömmlichen und allgemein üblichen Lebens mit den schwankenden Planken eines Schiffes vertauschen und aufbrechen aufs offene Meer. Nur eine Gewissheit begleitet sie: Christus, ihr Herr, ist mit ihnen, selbst wenn sie manchmal den Eindruck haben, er schlafe. Ja: Christsein bedeutet aufbrechen.

Aber die Sendung am Ende der heiligen Messe erinnert nicht nur daran, sondern auch an einen anderen Aspekt des christlichen Lebens, der mit dem Wort „Mission“ bezeichnet wird. Das II. Vatikanische Konzil hat es einfach und herausfordernd so formuliert: „Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch“ (Ad Gentes 2). Damit ist kein religiöser Imperialismus gemeint. Es geht nicht darum, anderen eine ihnen fremde Überzeugung aufzuzwingen. Oder Mitgliederzahlen zu erhöhen und Einfluss zu gewinnen. Es geht darum, das, was wir selbst als Geschenk empfangen haben, anderen anzubieten, es mit ihnen zu teilen. So gilt das, was der Pariser Erzbischof Kardinal Jean-Marie Lustiger Jugendlichen gesagt hat, eigentlich für alle:

„Euch muss es gelingen, was uns vielleicht misslungen ist. Ihr habt nicht mehr die Welt zu entdecken, aber ihr habt sie zu vereinen. Die westlichen Nationen hatten die Welt erobert, ihr müsst die Menschen sich selbst zurückgeben. Ihr müsst sie Gott zurückgeben. Wir waren Eroberer, ihr müsst Apostel sein. Wir wollten die Reichtümer der Welt besitzen, ihr müsst die Reichtümer Gottes weitergeben. Wir suchten Kunden, ihr müsst Brüder und Schwestern aufnehmen.“

 

Wer im Glauben tiefer sieht, wird erkennen, dass diese Bewegung in die Welt und zu den Menschen eine Bewegung ist, die ihren Ursprung in Gott hat. Durch Jesus ist sie sichtbar und greifbar geworden. Und er hat sie uns aufgetragen: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21). Die Feier der Eucharistie ist die Feier der Bewegung Gottes in die Welt, zu den Menschen – und der Menschen zu Gott. Der Aufbruch Gottes in die Welt mündet in den Aufbruch der Menschen zu ihren Schwestern und Brüdern und mit ihnen zu Gott.

 

Wer den Tod und die Auferstehung Jesu bewusst feiert, der kann sich dieser Bewegung nicht entziehen. Er kann den Tod und die Auferstehung Jesu, Gottes Einsatz für uns, nicht feiern, ohne sich zu fragen, was ich für Gott tun kann. Ich kann den Reichtum des Glaubens nicht in Empfang nehmen, ohne selber bereit zu sein, ihn mit anderen zu teilen. Und deshalb ist es alles andere als ein Zufall, dass die Feier der Eucharistie in diesen Auftrag mündet: „Gehet hin in Frieden.“

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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