Advent - Eine Kultur der Erwartung | Teil 02
Rituale des Segens gegen Angst vor der Dunkelheit

 

Wenn ich Frauen begegne, denen man schon ansehen kann, dass sie ein Kind erwarten, die „guter Hoffnung“, „gesegneten Leibes“ sind, segne ich sie (unauffällig), das Kind und den Vater des Kindes, der hoffentlich gut an ihrer Seite ist. Manchmal bitten werdende Mütter auch im Rahmen eines Gottesdienstes in der Kirche um einen besonderen Segen vor der Geburt des Kindes. Beim Taufgespräch sagte mir eine junge Mutter: „Wie ich das erste Mal nach der Geburt mein Kind in die Arme nehmen konnte, habe ich ihm ein Segenskreuz auf die kleine Stirn gemacht. Ich habe mich dann gefragt: Warum tue ich das? Ich gehe kaum in die Kirche. Dann fiel mir ein: Meine Mutter hat das an uns Kindern auch immer gemacht.“

Das Gute, das Eltern ihren Kindern weitergeben, geht nicht verloren, wenn es auch für eine Zeitlang durch vieles andere verschüttet werden kann. Kinder werden zur Taufe gebracht; das Kind in der Krippe, der Bruder Jesus, nimmt sie als seine Geschwister, als Gottes Kinder an der Hand, um sie in seiner Liebe wachsen und aufblühen zu lassen. In den Kirchen des Ostens erhalten die Kinder in der Feier der Taufe auch Firmung und Erstkommunion, und die Eltern bringen die kleinen Kinder an den Sonntagen gerne mit in die Kirche, wo sie stets die Kommunion (vor den Erwachsenen) empfangen und eine prägende Sozialisation in der Feier des Glaubens erfahren. Später sind sie mit diesen Ritualen vertraut und bauen ihr Leben darauf weiter.

Kinder geben auch uns wieder eine Ahnung von der Liebe und Größe des Schöpfergottes, sie können auch uns Glaubens-Boten sein. Zünden Sie nur jeden Abend, bevor Sie die kleinen Kinder schlafen legen, eine Kerze an, beobachten Sie, wie das Kind vom Licht fasziniert mit großen Augen auf die Kerze schaut, nach ihr langen möchte – sie vermitteln dem Kind schon viel an Urvertrauen gegen die Angst vor der Dunkelheit der Nacht. Wenn dies zum ständigen Abendritual wird, wird das Kind später die Eltern daran erinnern: „Mutti, heute haben wir vergessen, die Kerze anzuzünden.“

Kinder ziehen auch uns Erwachsene in die Zukunft, weil sie Zukunft sind. Wir würden in unserer Gier die Erde noch mehr plündern und kahlfressen, wenn uns nicht die Kinder daran gemahnten, dass wir die Erde von ihnen geliehen bekommen haben und dass wir Bäume pflanzen dürfen, deren Früchte sie genießen.

Advent ist eine Einladung zur Besinnung, die Sehnsucht nach sinnvollem geglücktem Leben zu spüren, in Dankbarkeit dem Schöpfer des Lebens auf die Spur zu kommen, Ehrfurcht vor dem Geheimnis des Lebens und dem Heiligen, aus dem es kommt – gesegnete Erwartung, gesegnete Zeit.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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