Christentum - Ein Reiseführer | Etappe 034
Nicht allein Mensch

Bei der Bergpredigt spricht Jesus mit einem klar erkennbaren Autoritätsanspruch. | Foto: G. Dore_Artmigh
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  • Bei der Bergpredigt spricht Jesus mit einem klar erkennbaren Autoritätsanspruch.
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Sie wird entkräftet durch den klar erkennbaren besonderen Autoritätsanspruch, mit dem Jesus an vielen Stellen auftritt. So stellt Jesus in der Bergpredigt seine eigene Auslegung des Gesetzes noch über die für das Volk Israel lange Zeit verbindliche Auslegung des Mose. Damit gibt er zu erkennen, dass er sich als letztverbindlicher Ausleger des Willens Gottes versteht. Der besondere Autoritätsanspruch Jesu tritt weiterhin zutage in dem bei den Synoptikern (die Evangelien nach Markus, Matthäus und Lukas) bezeugten Selbstverständnis Jesu, mit seiner Person sei das Reich Gottes unwiderruflich angebrochen.

Vielsagend ist auch, wenn Jesus bei einer Heilung von sich selbst sagt, dass er die Kraft zu diesem Wirken nicht aus sich selbst beziehe, sondern vielmehr „mit dem Finger Gottes“ die Dämonen austreibe (Lk 11,20). Diese und andere biblische Zeugnisse zeigen, dass Jesus sich keineswegs als bloßer Mensch gesehen hat, sondern ganz offensichtlich aus dem Bewusstsein einer einzigartigen Verbundenheit mit Gott lebte und wirkte. Dieses besondere Gottesverhältnis Jesu ist gemeint, wenn die Kirche Jesus als Sohn Gottes anspricht.

Die früher aufgestellte Behauptung, wo-nach Jesus nicht vorhatte, seinem Wirken Dauer zu verleihen, gilt heute ebenfalls als abgewiesen. Die historisch-kritische Forschung konnte zwar glaubhaft machen, dass manches Jesuswort, das von der Kirche spricht, dem historischen Jesus erst nachträglich in den Mund gelegt wurde. Gleichzeitig konnte sie aber auch den Beleg dafür erbringen, dass diese wohl nach Ostern erfolgenden Zuschreibungen die Absicht Jesu in authentischer Weise fortsetzten und damit durchaus keine Verfälschung seiner ursprünglichen Absicht darstellten. Jesus hatte bereits zu Beginn seines Wirkens Jünger um sich gesammelt, die er belehrte, damit sie seine Botschaft weitertrugen und verbreiteten. Dieser Umstand zeugt allein schon von der klaren Absicht Jesu, seinem eigenen Wirken Dauer zu verleihen. Aus diesem Grund muss auch die Behauptung, mit der Gründung der Kirche sei es zu einer gravierenden Verfälschung der ursprünglichen Botschaft Jesu gekommen, als falsche Behauptung beurteilt werden.

Als nicht haltbar gilt heute schließlich auch der dritte Einwand, der auf die bisweilen stark mythisch eingefärbte Sprechweise des Neuen Testaments abhob und daraus folgerte, diesen Texten seien kaum noch Aufschlüsse über den historischen Jesus zu entnehmen. Zum einen zeigten die im Rahmen der Leben-Jesu-Forschung betriebenen Untersuchungen, dass den verfügbaren Quellen durch eine sorgfältig betriebene historisch-kritische Analyse doch eine ganze Reihe von verlässlichen Informationen zu entnehmen sind. Zum anderen verabschiedete man sich von der früher viel zu selbstverständlich bezogenen Position, die mythisch eingekleideten Passagen von vornherein jede Wahrheit absprach, statt sie zunächst einmal auf ihren Aussagewert hin zu überprüfen.

Die Behauptung, zwischen dem historischen Jesus und dem Christus des Glaubens bestehe ein grundlegender Unterschied, kann also so nicht aufrechterhalten werden. Abwegig ist schließlich der Vorwurf, die kirchliche Lehrentwicklung habe das ursprüngliche Jesusbild bewusst und absichtlich verfälscht.

Bei der Bergpredigt spricht Jesus mit einem klar erkennbaren Autoritätsanspruch. | Foto: G. Dore_Artmigh
Berufung zur Verbreitung der Botschaft.  | Foto: Artmight
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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