Leben im Heiligen Land | Teil 09
Mit sechs Kindern noch lange nicht asozial

 

Bei der Namensgebung spielte die Mutter im Leben der Semiten seit frühester Zeit eine wichtige Rolle. Das Neugeborene erhielt von ihr seinen Namen. So nannte Eva ihren Sohn Set „Setzling“, weil Gott ihr einen anderen Nachwuchs für Abel, den Kain erschlug, eingesetzt hatte (Gen 4,25).

Auch Lea, die zunächst unfruchtbar war, gebar schließlich einen Sohn. Sie nannte ihn Ruben „Seht ein Sohn“ und fügte hinzu: „Der Herr hat mein Elend gesehen. Jetzt wird mein Mann mich lieben“ (Gen 29,32).

Der Name unterstrich die Persönlichkeit des Betreffenden, oft erinnerte er auch an Begleitumstände bei der Geburt des Kindes. Der Name bedeutete Sendung und Schicksal: Die Alma des Jesaja sollte ihren Sohn „Emmanuel, Gott mit uns“, nennen. Aus Jakob wurde Israel, der „Gottesstreiter“. Die Jungfrau Maria wurde aufgefordert, ihrem Kind den Namen Jesus, „Heilbringer“, zu geben.

In der Bibel wurden Kinder immer als ein großer Segen des Himmels angesehen.

Die Kinder waren das absolute Eigentum des Vaters. Da die Söhne die Nachfolgerschaft ihres Vaters garantierten, genossen sie gewisse Privilegien. Das zeigte sich schon bei der Geburt eines Buben, die mit großem Jubel begrüßt wurde. Acht Tage danach erfolgte die Beschneidung als Zeichen des Bundes, den der Stammvater Abraham mit Gott geschlossen hatte.

Bei der Geburt einer Tochter war die Freude nicht so riesengroß, da sie sich bei ihrer Heirat in eine andere Familie begab. Nach der Geburt eines Sohnes blieb die Mutter für 40 Tage unrein. Bei einer Tochter waren es 80 Tage (Lev 12,2–4).

Für die Reinigung musste sie ein besonderes Opfer darbringen, wie es das Buch Levitikus vorschreibt: „Wenn die Zeit ihrer Reinigung vorüber ist, soll sie für einen Sohn, ebenso für eine Tochter ein einjähriges Schaf als Brandopfer darbringen“ (Lev 12,6–8). Maria, die Mutter Jesu, hielt sich an die Vorschriften für die weniger begüterten Leute, da sie die Mittel für ein Schaf nicht aufbringen konnte. Sie opferte deshalb „ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben“ (Lk 2,24).

Die Mutter versorgte das neugeborene Kind mit größter Aufmerksamkeit. Es wurde gebadet und mit Salz abgerieben, damit es stark und immun gegen alle bösen Einflüsse wurde. Dann wickelte sie das Baby in Windeln, wie es auch Maria im Stall von Betlehem getan hat (Lk 2,7).

Normalerweise stillte die Mutter ihr Kind selbst, was sich auf mehrere Monate, ja bis zu zwei oder drei Jahre hinziehen konnte. Der Tag der Entwöhnung wurde mit einem großen Festmahl begangen. Danach handelte auch Abraham, als Isaak herangewachsen war und nicht mehr an die Brust seiner Mutter gelegt werden brauchte (Gen 21,8).

Die Kinder unterstanden in den ersten fünf Jahren ganz der Obhut und Liebe ihrer Mutter. Nur die Liebe Gottes ist in der Lage, diese Zärtlichkeit zu übertreffen: „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst, wenn sie ihn vergäße, ich vergesse dich nicht“ (Is 49,15).

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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