Bei uns daheim | Teil 08
Herr Liechtenstein aus Liechtenstein

Franz Liechtenstein zu Hause im Schloss Frauenthal. Seine Familie stammt aus dem Fürstentum Liechtenstein, er wurde in Österreich geboren und wuchs teilweise in Liechtenstein auf.
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Wir haben eben noch einen Fürsten

Damals galt mein Vater als Feind des Volkes, deshalb bin ich während der Zeit des Nationalsozialismus und des Krieges nicht zur Schule geschickt worden“, erzählt Franz von Liechtenstein. „Meine Volksschulausbildung, Lesen, Schreiben, Rechnen, erhielt ich eigentlich zu Hause.“ Danach kam er in ein Internat in Liechtenstein, woher seine Familie stammt. In den dreißiger Jahren wurde beschlossen, dass sein Vater das in Familienbesitz befindliche Sägewerk in der Weststeiermark übernehmen und führen sollte. So ergab es sich, dass die Familie nach Österreich zog und auch er hier geboren ist. Eigentlich sieht er sich als bunte Mischung verschiedener Volksgruppen aus dem großen Österreich, der ehemaligen Monarchie: „Mein Vater stammte aus Wien, aufgewachsen ist er in Ungarn. Meine Mutter ist eine Tschechin aus Böhmen.“ Er selbst fühle sich heute als Steirer und Liechtensteiner. Nach dem Gymnasium trat er in den Familienbetrieb ein, den mittlerweile einer seiner Söhne übernommen hat.

Mentalitätsfragen. Liechtenstein ist natürlich ein kleines Land, eigentlich ein Pünktchen auf der Landkarte, das nicht unbedingt oft wahrgenommen wird und aufgrund seiner Verfassung auch im übrigen Europa eigentlich recht fremd wirkt. „Ja, es sind ungefähr 30.000 Einwohner, vielleicht mittlerweile auch 40.000, das ist wirklich nicht viel.“ Ungefähr so viel wie in Österreich ein Bezirk habe. Die Liechtensteiner selbst seien richtige Alemannen, die unterscheiden sich von der Mentalität her schon von den Österreichern, sparsam und fleißig eben und insgesamt ein sehr selbstbewusstes Volk. Auch der Job des Fürsten, der aktuelle ist ein Cousin von Franz von Liechtenstein, sei nicht gerade ein einfacher Beruf. Denn wenn Liechtenstein heute auch demokratisch verfasst ist, liegt es doch in seiner Verantwortung, das Land im Fall des Falles allein zu regieren, was sein Onkel auch gemacht hat.

Lebenswelten. Seine Frau, eine Italienerin aus der Nähe von Rom, lernte der junge Liechtenstein auf Korfu kennen, wo er zu einem Ausflug eingeladen war und gezeltet hatte. Ihre Herkunft stellt natürlich einen Grund dafür dar, dass es sprachlich in der Familie auch „ziemlich gemischt“ zugehe. „Wenn es Treffen in größerer Runde gibt, wird eigentlich meistens Italienisch gesprochen“, erzählt er. Die beiden Söhne Liechtensteins leben in der Steiermark, aber seine Tochter in England. Ländergrenzen und Sprachgrenzen spielen also auch weiterhin für die Liechtensteiner keine Rolle, und auch für die Zukunft gilt: „Politisch gesehen sind wir heute ja alle Europäer und müssen uns eben durchwursteln, auch mit den verschiedenen Sprachen, die nun in den Nationalstaaten gesprochen werden.“

Familie. Über lange Jahre war der heute 83-Jährige Mitglied in der Katholischen Männerbewegung. „Für mich war die religiöse Beteiligung immer sehr wichtig, und dort bot sich die Gelegenheit.“ Sein kirchliches Engagement begann für den Liechtensteiner aber schon wesentlich früher, eigentlich in der Kindheit, als er mit seinen Eltern auf Schloss Hollenegg lebte. „Dort gibt es ja drei Kirchen, und es gehörte eigentlich automatisch dazu, dass man als Ministrant angeheuert wurde.“ Besonders wichtig war ihm, als Vater immer in der Erziehung möglichst aktiv zu sein. „Familienpolitik ist immer noch ein wichtiges Thema und sollte ernst genommen werden.“

[p]Ein kurzes Resümee zum Schluss: „Heute bin ich Großvater, habe acht Enkel und schaue mir an, wie meine Kinder das managen“, meint er mit einem kleinen, versteckten Schmunzeln.

Franz Liechtenstein zu Hause im Schloss Frauenthal. Seine Familie stammt aus dem Fürstentum Liechtenstein, er wurde in Österreich geboren und wuchs teilweise in Liechtenstein auf.
Achtfacher Großvater. Franz Liechtenstein mit Enkelin Pauline und Hündin Virgola im Hof von Schloss Frauenthal.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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