Das Konzil wieder lesen | Teil 05
Gleichsam ein Sakrament

Das Konzil betont neben der hierarchischen Ordnung ausdrücklich die Vielzahl der Charismen, die für den Aufbau der Kirche wichtig sind.
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Kirche als Mysterium und Communio
Das I. und VII. Kapitel machen deutlich, dass die Kirche ein Mysterium ist, d. h. eine sakramentale und eine endzeitliche Größe. Sie ist auf der Ebene des Empirischen, des soziologisch Beschreibbaren und des Politischen allein nicht zu erfassen – sie reicht darüber hinaus.

Die Kirche stützt sich auf Christus, sie verbindet – als Mysterium bzw. Sakrament – in sich Sichtbares und Unsichtbares. Aber sie hat nicht nur eine darstellende, sondern auch eine instrumentell-werkzeugliche Funktion: Sie soll nicht nur Zeichen der Einheit sein, sondern sie bewirkt sie auch.

Das Konzil sieht die Kirche nicht nur im Wirken des dreifaltigen Gottes begründet, sondern versteht sie auch „als das von der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes her geeinte Volk“ (LG 4). Mit dieser Begründung in Gott und im Vorbild des dreieinen Gottes sind die Grundlagen der communio-Ekklesiologie gelegt – nach altkirchlicher Tradition bedeutet ja communio „kirchliche Gemeinschaft durch Teilhabe am Leben des dreifaltigen Gottes“.

Kirche als Volk Gottes
Die Voranstellung des II. Kapitels über das Volk Gottes vor alle innerkirchliche Ausfaltung in Amtsträger, Laien und Ordensleute und die Voranstellung des V. Kapitels über die allgemeine Berufung zur Heiligkeit vor das Kapitel über die Ordensleute stellt eine deutliche Entscheidung dar: Es gibt eine gemeinsame Berufung in die Kirche und „eine wahre Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde und Tätigkeit zum Aufbau des Leibes Christi“ (LG 32). Eingebettet in das Gemeinsame gibt es nicht nur das kirchliche Amt, sondern auch die Berufung der Ordensleute (VI. Kapitel) und die Berufung der Laien (IV. Kapitel).

Das geweihte Amt in der Kirche
Das III. Kapitel bindet die Rolle des Papstes deutlich in die communio der Bischöfe (Episkopat) ein. Entscheidend ist der Gedanke der Kollegialität der Bischöfe (LG 19), womit der Primat des Papstes aber nicht in Frage gestellt wurde. Natürlich ist in diesem Kapitel auch die Rede von den Priestern und den „ständigen“ Diakonen, die es seit dem Konzil in der katholischen Kirche wieder gibt.

Das marianische Profil der Kirche
Ursprünglich wollte das Konzil ein eigenes Dokument über Maria veröffentlichen. Aus einer langen Diskussion hat sich ergeben, dass dieses Dokument zum VIII. Kapitel der Kirchen-Konstitution wurde: Maria hat „im Geheimnis Christi und der Kirche“ eine unvergleichliche Bedeutung.

Damit kehrt das Konzil zur altkirchlichen Theologie zurück, die Maria nie isoliert, sondern immer in ihrer Beziehung zu Christus bzw. als Inbegriff der Kirche betrachtet hat. Bewusst gewählt ist der Hinweis, dass Christus unser einziger Mittler zu Gott ist (LG 60). Maria hat an seinem Werk „mitgewirkt“, und deshalb „ist sie in der Ordnung der Gnade Mutter“ (LG 61).

So hat dieses letzte Kapitel der Kirchen-Konstitution das „marianische Profil“ (Hans Urs von Balthasar) der Kirche unterstrichen. Gemeint ist damit, dass es für die Kirche als ganze und für jede(n) Einzelne(n) in ihr „vor allem“ wichtig ist, die Offenheit zu Gott zu leben, wie sie an Maria abgelesen werden kann. In dieser Offenheit können und sollen Christen tun, was Maria in einzigartiger Weise getan hat: von Gott das Geschenk annehmen, das Jesus Christus ist, und es weitergeben an die Welt.

Das Konzil betont neben der hierarchischen Ordnung ausdrücklich die Vielzahl der Charismen, die für den Aufbau der Kirche wichtig sind.
Die Peterskirche diente als Konzilsaula.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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