Das Konzil wieder lesen | Teil 08
Die Wurzel trägt den Baum

Das gilt in besonderer Weise für die Erklärung des Konzils zum Verhältnis der Kirche zu den Weltreligionen.

Das Konzil im Kräftefeld der Politik
Die ursprüngliche Absicht war, ein Dokument zu veröffentlichen, das die Beziehung zwischen der Kirche und dem Judentum zum Thema macht. Dieses Projekt traf allerdings auf Widerstand. Er kam von der Seite derer, die durch das Dokument eine Aufwertung des jungen Staates Israel befürchteten. Um den politischen Druck gegen das Dokument zu mildern, hat das Konzil die Thematik auch auf die anderen Weltreligionen ausgeweitet. So wurde 1965 nur zwei Monate vor Abschluss des Konzils „Die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ Nostra Aetate veröffentlicht.

Ein ausgeweitetes Dokument
Das Dokument ist vergleichsweise kurz und besteht aus fünf Artikeln, von denen Artikel 4 über das Verhältnis der Kirche zum Judentum bei weitem der längste ist. Das erinnert an die ursprüngliche Absicht hinter diesem Dokument:

  • Artikel 1 beginnt mit einem Blick auf die Menschen verschiedener Religionen. Betont werden die Fragen, die religiöse Menschen bewegen, ihr Gespür für das Göttliche und die Aufgabe der Kirche, sich für Liebe und Einheit unter den Menschen einzusetzen.
  • Artikel kommt zuerst auf den Buddhismus zu sprechen und dann auf einige Grundsätze, wie die Kirche ihr Verhältnis zu den anderen Religionen sieht.
  • Artikel 3 betrachtet die Muslime mit „Hochachtung“. Dabei werden auch „Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslimen“ nicht verschwiegen.
  • Artikel 4 kehrt zum ursprünglichen Anlass des Dokumentes zurück – die Beziehung der Kirche zum Judentum.
  • Artikel 5 schließt das Dokument ab, indem es daran erinnert, dass wir Gott, den Vater aller nicht anrufen können, „wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach Gottes Ebenbild geschaffen sind, die brüderliche Haltung verweigern.“ Daraus folgt wie von selbst, dass das Konzil jede Form der Diskriminierung verwirft und die Gläubigen mit Worten des heiligen Paulus ermahnt, „einen guten Wandel unter den Völkern zu führen“.

Eine fällige Stellungnahme zum Judentum
Um die Dringlichkeit der Ausführungen in Artikel 4 zu ermessen, darf man nicht nur an die Verfolgung und Ausrottung der Juden durch die Nationalsozialisten denken. Die Kirche musste auch in den eigenen Reihen einen Prozess der Reinigung anstoßen. Im Kleinen Konzilskompendium, einer Sammlung der Konzilsdokumente mit jeweils kurzen Einleitungen, heißt es: Für das Konzil war „mehr zu bereinigen als nur eine grausame, unbewältigte Vergangenheit, in der sich die Christen vieler Sünden, blutiger und moralischer Verfolgungen der Juden und heute offenkundiger Lügen (z. B. Ritualmordlüge und Verzerrung der jüdischen Lehre) schuldig gemacht haben“. Es wird daran erinnert, dass auch in der Liturgie, der Katechese und der Predigt immer wieder ein unchristlicher Antisemitismus genährt wurde. Johannes XXIII., der im Zweiten Weltkrieg unzähligen Juden das Leben gerettet hatte, „war entschlossen, dem ein Ende zu machen“. Und vom vorliegenden Dokument heißt es im Konzilskompendium, die „Art und Weise, wie der Artikel in sieben knappen Absätzen diese komplexen Probleme angeht“, sei „bewundernswert“. Das bestätigt die Zeit nach dem Konzil – immer wieder konnte man auf diese Ausführungen zurückgreifen.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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