Wege enstehen im Gehen
Der Mann, der kurze Wege liebt

Gege Stiegler stammt aus der Obersteiermark und lebt in Graz.
  • Gege Stiegler stammt aus der Obersteiermark und lebt in Graz.
  • Foto: Gerd Neuhold
  • hochgeladen von Florian Heckel

Flotter Strich: Nur keine allzugroßen Vorstellungen davon, wie sich Projekte entwickeln.

Das Gehen lockert die Füße und bringt dich in Kontakt mit der Welt. Es bedeutet Standfestigkeit, eben zu wissen, dass man fest mit der Welt in Kontakt steht. In einem etwas übertragenen Sinn: „Es heiß ja auch, ich steh auf dich“, sagt Gege (Gerhard) Stiegler mit einem Lachen, das so typisch ist für ihn.

Gege, ein begeisterter Lehrer – Geografie, Geschichte (also die Koordinaten von Raum und Zeit) –, 1949 in Au bei Gaishorn am See in der Nähe von Trieben geboren. „Geboren im Tauernwind und gleich alt wie der Rock ’n’ Roll.“ Als einen „Weltmeister im Diskutieren“ bezeichnet er sich selbst, und das konnte er in seiner beruflichen Laufbahn immer gut brauchen. „Ich stamme aus Arbeiterkreisen.“ Aus dem Bergwerksort kam er schon bald für acht Jahre ins Internat nach Judenburg und studierte dann Geschichte und Geografie. Ab 1975 unterrichtete er an der HAK in Bruck an der Mur und später auch an der PÄDAK am Hasnerplatz in Graz. Heute als stolzer 70er kann er sich ganz seiner Kunst widmen.

Mit 32 Jahren überlegte er sich, was er als Ausgleich zu seiner doch sehr stressigen Tätigkeit als Lehrer tun solle: Waldlauf oder Aktzeichnen. Es ist das Aktzeichnen geworden. Seit langem betreut er das Aktzeichnen in der Grazer Galerie Zentrum (Glacisstraße/Ecke Attemsgasse). „Der menschliche Körper an sich ist sehr spannend. Das hat Künstler schon immer interessiert, und wenn bei einem Akt alles passt, ist es ein Gebet.“ Dem Verein hat er schon 1992 als Gründungsvater angehört.

Seine „Kunstikeiten“ entstehen sehr oft relativ spontan aus Dingen, die er am Flohmarkt erwirbt, die verrostet sind und im Vergehen, die ihn aber inspirieren. Denen er bei seinen Ausstellungen ein letztes Leuchten vor dem Dahinscheiden ermöglicht. Einige spannende Ausstellungen hat er in der Pfarre St. Paul in Graz-Liebenau gemacht. Einmal mit vielen Kreuzen, in die ein Hufschmied ihm Nägel geschlagen hat. „Das ist sicher eine Provokation, gewiss, aber es muss eben sein.“

„Antreten zum Scheitern ist etwas Positives“, philosophiert Gege Stiegler auf ungewöhnliche Weise. Das ist die Erkenntnis aus dem Lebenslauf und der Künstlerei. Denn ob etwas gelingt, lässt sich bei beidem nicht vorhersehen, und damit muss man eben zurechtkommen. Unterwegssein sei das, was das Leben als Ganzes bestimmt. Drei Schritte zum Ofen, und die Wärme macht sich breit. Es muss also gar nicht der weite Weg sein, der entscheidet, wie es weitergeht. Schon wenig verändert den Tag. „Mir liegt immer der Moment am Herzen.“
Die Wege, die kurzen Wege des „Kunstikers“ sind seins. „Etwas ganz schnell mit Bedeutung aufladen, genauso schnell zerbröselt es auch wieder. Ein Tag wie der heutige, Menschen treffen, ins Gespräch kommen, das ist das – und außerdem: Ich erfinde meinen Lebenslauf ständig neu.“ Man lebt mit Wünschen und Zielen, das gehört dazu, aber die kleinen Schritte, mit denen der Tag beginnt, entscheiden es.

3 FRAGEN AN Gege Stiegler stammt aus der Obersteiermark und lebt in Graz.

Haben Sie irgendwann in Ihrem Leben gewusst: Jetzt muss ich die Richtung ändern?
Richtungsänderungen gibt es jeden Tag, und die sind gleich wichtig wie die großen Entscheidungen in einem Leben. Man kann ja immer das Ziel verfehlen, und das ist auch wichtig, denn daraus lernt man viel. Du kannst auf einem der großen Wege Fehler machen.
Welcher Mensch hat Sie besonders beeindruckt?
Da kann ich gar niemanden hervorheben. Es sind sehr viele. Meine Philosophie lautet: Der andere ist wichtiger als du selbst. Wie gut, wie vorbildhaft die anderen sind. Das Wichtigste, was du anderen im Leben geben kannst, ist Zeit.
Was wollten Sie als Kind werden?
Interessiert haben mich immer schon Steine, da ich ja aus einem Bergwerksort stamme. Mit einem Stein zu reden, zu fragen, welche Kräfte auf ihn eingewirkt haben. Ja, Steine, das, worauf wir stehen. Eigentlich wollte ich ein Stein werden.

Autor:

Florian Heckel aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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