Christentum - Ein Reiseführer | Etappe 026
An welchen Gott glauben Christen?

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Die Menschen als Ebenbilder Gottes
Die Schöpfungstexte der Bibel sind sich darin einig, dass der Mensch das vornehmste und edelste Geschöpf Gottes ist.

Die Schöpfung des Menschen
Diese Aussage kommt im ersten Schöpfungstext der Bibel (Gen 1,1–2,4a) darin zum Ausdruck, dass der Mensch als Abbild Gottes (Gen 1,26f.) bezeichnet wird – und zwar Mann und Frau gleichermaßen. Eine ähnliche Würdigung des Menschen findet sich auch in Psalm 8, der davon spricht, dass Gott den Menschen nur um ein weniges geringer gemacht hat als einen Gott. Im zweiten Schöpfungstext des Buches Genesis (Gen 2,4b–3) fehlt zwar die ausdrückliche Aussage der Gottebenbildlichkeit des Menschen, doch ist der an diesen Würdetitel geknüpfte sachliche Gehalt auch dort zu finden. Damit erscheint der Mensch in den Schöpfungstexten der Bibel als ein Wesen, dem eine besondere Stellung, besonderer Schutz und eine besondere Aufgabe zukommen.

Nicht Sklave, sondern Gottes Ebenbild
Die Schöpfungserzählungen der umliegenden Völker benennen ohne Scheu, warum die Götter sich entschließen, neben Landschaften, Pflanzen und Tieren auch Menschen zu erschaffen: Die Götter benötigen jemanden, der für sie da ist und ihre Bedürfnisse erfüllt. Diese Bedürfnisse werden in großer Unbefangenheit und sehr menschlich beschrieben. Ein Mythos erklärt, die Götter hätten Menschen erschaffen, weil sie jemanden brauchten, der sie mit Speise und Trank versorgte. Ein anderer Mythos weiß davon zu berichten, dass die Götter mit dem Menschen ein Wesen erschaffen wollten, das in der Lage war, sie anzubeten, also ihren Kult sicherzustellen. Ganz anders die Aussage der Bibel. Für den Verfasser des ersten Schöpfungstextes ist Gott wesentlich der transzendente (= jenseitige), absolut souveräne und unverfügbare Gott. Anders als in den Mythen der Umwelt ist der biblische Gott deshalb in keiner Weise auf den Menschen angewiesen. Er wird in völliger Freiheit und damit ohne jede Notwendigkeit schöpferisch. Der einzige Grund für sein Schöpfungshandeln besteht darin, dass er sich in seiner Güte an andere verschenken will.

Wenn der Mensch den Angaben des ersten Schöpfungstextes zufolge als Gottes Ebenbild erschaffen wurde, dann ist diese von Gott verliehene Würdestellung nicht nur in den Schöpfungsmythen des Vorderen Orients, sondern darüber hinaus in denen der Menschheit singulär. In der südlich von Israel liegenden Kultur der Ägypter gibt es zwar den Gedanken, dass der Pharao göttlicher Abkunft ist. Vergleichbare Vorstellungen einer Vergottung des Herrschers finden sich in zahlreichen anderen Kulturen. Die griechische Mythologie kennt darüber hinaus Halbgötter, die in der Regel einer sexuell gedachten Beziehung zwischen einem Gott und einer Menschenfrau entstammen. Dass jedoch nicht nur einzelne, in besonderer Weise ausgewählte Personen, sondern jeder Mensch Repräsentant Gottes ist, ist menschheitlich ohne Parallele.

Die Erschaffung der Tiere Jacopo Tintoretto.
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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