Christentum - Ein Reiseführer | Etappe 025
An welchen Gott glauben Christen?

Algen gehören zu den ersten bekannten Lebensformen auf der Erde.
  • Algen gehören zu den ersten bekannten Lebensformen auf der Erde.
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Am Beginn ist Gott
Gott als tragender Urgrund der Evolution

Theologie und Glaube nehmen sie wahr, fragen dabei aber über den von der Evolutionstheorie beschriebenen Anfang des Lebens hinaus nach dem Ursprung der Evolution selbst. Auf der Basis des biblischen Zeugnisses kommen sie dabei zu der Überzeugung, dass Gott die Evolution aus sich entlassen und damit den Anfang allen Lebens gesetzt hat.

Befürchtete die traditionelle Theologie, die Evolutionstheorie sei mit der theologischen Aussage von der Sonderstellung des Menschen nicht in Einklang zu bringen, so hält die moderne Theologie diese Sorge für unbegründet. Sie versteht die Entstehung des Geistes mit der Biologie als Teil der Evolution und findet im Rahmen dieser Position Raum für eine Deutung, welche die Sonderstellung des Menschen ebenso erläutert wie seine Verbundenheit mit allen übrigen Geschöpfen. Danach erscheint die Evolution als eine zur Gänze vom Geist Gottes getragene Entwicklung, die ihrerseits auf Geistigkeit hindrängt.

Sind einfache Formen von Geistigkeit bereits in der lebensfreundlichen Ordnung der Materie sowie in klugen Strategien tierischen Überlebens zu entdecken, so erreicht die Geistigkeit im Bewusstsein des Menschen ihren Höhepunkt. Seine besondere Stellung zeigt sich genauer darin, dass er nicht nur die Herausforderungen des Lebens besteht, wie dies auch das Tier tut, sondern darüber hinaus zu tieferen Einsichten in den Gesamtprozess des Lebens gelangt. Anders als das Tier ist der Mensch nämlich dazu in der Lage, nicht nur im Strom der Evolution „mitzuschwimmen“ und sich zu behaupten. Vielmehr ist es ihm möglich, während dieses „Schwimmens“ den Kopf so weit „über Wasser“ zu bringen, dass er den Strom seiner eigenen Entwicklung überblicken und durchschauen kann.

Diese den Menschen in besonderer Weise auszeichnende Geistigkeit zeigt sich nicht zuletzt dort, wo er seine bruchstückhaften Einzelerkenntnisse über die Welt zu einer großen Theorie verbindet, die über das Werden und Sein der Welt Auskunft gibt, wie dies etwa in der Evolutionstheorie geschieht. Im Verständnis der Evolution wird der Mensch damit keineswegs seiner besonderen Würde entkleidet, vielmehr kommt er dabei als geistiges Wesen gerade in besonderer Weise zu sich. Es gelingt ihm dann nämlich, sowohl seine Verwobenheit mit den übrigen Geschöpfen wie auch seine Sonderstellung einzusehen und schließlich sogar seine Verwiesenheit auf Gott zu erahnen.

Wo es dem Menschen möglich ist, ein zutreffendes Bild von der Welt und seinem eigenen Standpunkt in ihr zu entwerfen, gewinnt er Orientierung im Kosmos und damit Sicherheit. Das Verständnis der Welt, ihres Werdens und seiner selbst lässt ihn jedoch auch staunen und Fragen stellen, die über die Abläufe des Werdens hinausgehen. Sie richten sich letztlich auf den Ursprung der Evolution. Diese Fragen verlangen nach Lebenswissen. Sie fordern heraus zu einer Antwort, die über den Urknall und die auf ihn folgende Entwicklung hinausgeht. Diese Fragen suchen zudem nicht nur den einmal gesetzten Anfang, sondern auch die bleibende Fortdauer und stetige Höherentwicklung einer sich immer komplexer entfaltenden Wirklichkeit zu ergründen.

Die Theologie nimmt sich dieser Fragen an, indem sie von Gott spricht, der in sich bereits alles in allem ist, seiner Schöpfung jedoch aus freien Stücken in sich Raum gegeben hat. Dem Wesen Gottes entsprechend ist dieser Raum ebenso von Liebe wie von Freiheit bestimmt. Die Welt soll und darf werden, sie darf in großer Freiheit existieren, sich entwickeln und wachsen.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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